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Weiße Weihnachten - Schwache nordpolare Strömung mit gestörtem Muster kann zu außergewöhnlichen Wetterlagen führen

| M. Hoffmann

Weiße Weihnachten sind nicht unmöglich. Zugegeben - im Hinblick auf das, was die Vorhersage-Modelle im Moment so berechnen, ist die Überschrift eine gewagte und provokante These. Wir klären auf, was hinter dieser These steckt und was die Randfaktoren zu Schnee an Weihnachten berechnen. Und ja, eine Überraschung gibt es auch noch zu vermelden.

Verpufft der Traum weißer Weihnachten in diesem Jahr frühzeitig? © Martin Bloch
Verpufft der Traum weißer Weihnachten in diesem Jahr frühzeitig? © Martin Bloch

Bis Weihnachten sind es noch knapp 3 Wochen und das Wetter präsentiert sich im Moment alles andere als winterlich. Eher das Gegenteil ist der Fall, wenn zum 2. Advent sich ein Wetterwechsel anbahnt und die Temperaturen zum Start in die neue Woche in Richtung der +15-Grad-Marke ansteigen lassen können.

Aber auch darüber hinaus deutet sich kein Winterwetter mit Schnee, Eis und Frost an. Die Vorhersage-Modelle sind in der Winterprognose voll auf warmes Wetter getrimmt, was die Temperaturen unter bestimmten Voraussetzungen auf bis +17 Grad ansteigen lassen kann. Selbst in 1.500 Meter Höhe werden bis zu +10 Grad simuliert. Winterliche Wetterverhältnisse werden so schnell nicht zu erwarten sein. Doch die Frage steht im Raum - wenn es jetzt für 15 Tage richtig warm werden kann - kippt das Wetter bis Weihnachten und bringt so den von vielen gewünschten Wintereinbruch samt Schnee und Frost?

Die Störungen innerhalb des Polarwirbels

Schauen wir uns einmal die Druckanomalien und auch die Struktur des Polarwirbels im Mittelwert aller Kontrollläufe bis zum 8. Dezember an. Wer bei uns schon eine Weile zu Gast ist, der weiß, dass mit dem 6. Dezember eine Schlüsselentwicklung stattfindet. Entscheidend ist, ob sich der Polarwirbel bis Weihnachten nachhaltig stabilisieren kann oder in einem schwachen Zustand verweilt.

Was man auf den nachfolgenden Wetterkarten und Anomalien erkennen kann, ist das Hoch, welches sich in Richtung Grönland ausdehnt und dort eine wetterwirksame Rolle einnimmt. Das Grönlandhoch ist fast immer vorhanden, doch selten wetteraktiv, insofern ist einer solchen Entwicklung Beachtung zu schenken.

Zustand des Polarwirbels am 8. Dezember

Zustand des Polarwirbels am 8. Dezember © www.meteociel.fr || climatereanalyzer.org

Das Hop-oder-Top-Prinzip setzt sich weiter fort

Allen voran das amerikanische Wettermodell bleibt sich treu und rechnet fast alle 6 Stunden eine neue Variante, wie sich das Wetter in der Vorweihnachtszeit entwickeln kann. Das liegt an der unterschiedlichen Berechnung des Grönlandhochs und dessen Ausdehnung innerhalb des Polarwirbels. Da diese Veränderungen kleinskalig am oder in der Nähe vom Nordpol sind, können diese entlang der Polarfront zu erheblichen Verwerfungen führen. Die Prognose des amerikanischen Wettermodells dient lediglich als Visualisierung, was mit dem Hop-oder-Top-Prinzip gemeint ist.

In der Wetterprognose von heute Nachmittag konnte sich das Grönlandhoch bis zum 18. Dezember behaupten. Zudem wurde - durch den Polarwirbel hindurch - phasenweise eine Querverbindung zum Hoch über den Aleuten aufgebaut. Das war nah dran an einem Polarwirbelsplit und das vor Weihnachten. Nein, das ist nicht mit einem Durchbruch des Winters gleichzusetzen. Das erhöht lediglich die Chancen, doch kann das wie in der Berechnung von heute Mittag – für Freunde einer weißen Weihnacht – auch in eine unliebsame Richtung gehen.

Heute Abend dann der Umschwung. Das Grönlandhoch verliert seine Wetterwirksamkeit zu 10. Dezember. Der Polarwirbel stabilisiert sich und wird der atlantischen Frontalzone ordentlich einheizen. Bis zum 17. Dezember etabliert sich der Wirbel von Alaska über Kanada und Grönland und Skandinavien bis über die Karasee. Runder kann der Wirbel kaum mehr verlaufen und die Folgen für das Weihnachtswetter wären gravierend.

Der Grund ist das Azorenhoch, welches sich über Spanien und die Mittelmeerregion abflacht und so den Gradientendruck zwischen den beiden Systemen ansteigen lässt. In der Vorweihnachtszeit wären Temperaturen von +10 bis +15 Grad und örtlich von bis +17 Grad möglich. Selbst in Lagen von 2.000 Metern Höhe wären Temperaturen von bis +6 Grad und in 1.500 Metern Höhe von bis +12 Grad möglich. Damit würde bis auf höhere Lagen starkes Tauwetter einsetzen können (aktuelle Schneehöhen Deutschland).

Das Hop-oder-Top-Prinzip - die Ausgestaltung des Azorenhochs ist von entscheidender Bedeutung

Das Hop-oder-Top-Prinzip - die Ausgestaltung des Azorenhochs ist von entscheidender Bedeutung © www.meteociel.fr

Temperaturanomalien bis Weihnachten

Waren die Temperaturanomalien im Zeitraum vom 15. bis 22. Dezember und vom 22. bis 29. Dezember in den vergangenen Tagen nur etwas zu warm berechnet worden, so hat sich das nun deutlich korrigiert, was in der Natur der Sache liegt. Erwähnenswert ist es trotzdem, da es verdeutlicht, wie schnell bei einem Hop-oder-Top-Prinzip das in eine Richtung kippen kann - und zwar deutlich!

Der Zeitraum vom 8. bis 15. Dezember und der vom 15. bis 22. Dezember wird erheblich zu warm berechnet. Der Zeitraum vom 22. bis 29. Dezember mäßig warm. Mit anderen Worten formuliert gehen die Temperaturanomalien davon aus, dass der Zeitraum bis zum 20. Dezember deutlich zu warm ausfallen kann - darüber hinaus sind wieder Veränderungen möglich. Das aber ist auch nur eine Momentaufnahme und kann sich in den kommenden Tagen nochmals ändern. Sie unterstreichen jedoch den allgemeinen Erwärmungstrend in der Zeit vor Weihnachten.

Die Temperaturanomalien vor und über die Weihnachtstage

Die Temperaturanomalien vor und über die Weihnachtstage © ecmwf.int

Kumuliert man die Temperaturprognose aller Kontrollläufe bis zum 19. Dezember, so liegt der mögliche Temperaturüberschuss zwischen +3 bis +4 Grad. Das ist eine recht deutliche Ansage!

Zum Schluss noch ein Blick auf die aktuelle Wetterprognose des europäischen Wettermodells von heute Abend - auch hier das gleiche Bild - Winterwetter ist vorerst nicht zu erwarten.

Keine Signale einer weiträumigen Umstellung der Großwetterlage in Richtung Winter

Keine Signale einer weiträumigen Umstellung der Großwetterlage in Richtung Winter © www.meteociel.fr

Die Langfristprognose

Und noch was am Rande, denn so schließt sich der Kreis. Das Langfristmodell berechnet bereits seit 8 Wochen einen überdurchschnittlich warmen Dezember 2025. In der aktuellen Simulation wird der Dezember über Deutschland im Vergleich zum Klimamittel von 1961 und 1990 mit einer Anomalie von +2 bis +3 Grad deutlich zu warm berechnet (91/20: +1 bis +2 Grad). Auffällig ist Nord- und Osteuropa mit einer Anomalie von bis +4 Grad und Russland schlägt an der oberen möglichen Skala an. Man fragt sich im Moment schon, woher den Winter denn kommen soll. In diesem Sinne, einen wunderbaren Abend!

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© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)