Wettertrend: Schnee an Weihnachten? Auf eine bestimmte Wetterlage kommt es an!

| M. Hoffmann
Die absolut gestörte Zirkulation mit weiße Weihnachten?

Ein Hoch verlagert sich im Verlauf der Woche in Richtung Grönland und leitet im Verbund mit einem über die Kara- und Barentssee verschobenen Polarwirbel ein Arctic Outbreak ein. Unter bestimmten Voraussetzungen kann das der Grundstein für weiße Weihnachten sein - doch es kann auch ganz anders kommen.

Wer bei und schon eine Weile zu Gast ist, dem wird nicht entgangen sein, dass sich im Verlauf der Woche eine ungewöhnliche Wetterlage aufbaut, die zu einer absolut gestörten Zirkulation führen kann. Die sonst für weiße Weihnachten so gefährliche Zonalisierung wird vollständig außer Kraft gesetzt und das Wetter sozusagen auf den Kopf gestellt. Mit normalen Grundströmungen ist vorerst nicht mehr zu rechnen.

Arctic Outbreak kommt

Ab Mitte der Woche setzten sich von Skandinavien kalte Luftmassen polaren Ursprungs in Gang und fluten zum Ende der Woche Deutschland, was am 3. Advent verbreitet zu Dauerfrost und zeitweiligen Schneefall führen kann. Das Wetter wird zunehmend winterlich. Darin stimmen die Wetterprognosen aller Vorhersage-Modelle überein.

Die absolut gestörte Zirkulation sorgt über Europa für einen Arctic Outbreak und zunehmend winterliche Verhältnisse
Wetterprognose nach dem amerikanischen (li.) und deutschen (re.) Vorhersage-Modell: Die absolut gestörte Zirkulation sorgt über Europa für einen Arctic Outbreak und zunehmend winterliche Verhältnisse © www.meteociel.fr

Wintereinbruch bis Weihnachten?

Rückblickend hatten die Vorhersage-Modelle in den letzten Tagen stets zwei Lösungen vorgeschlagen.

In einer Variante werden die kalten Luftmassen unter das Hoch gezogen und über den Atlantik verfrachtet. Dort angekommen entstehen weitere Tiefdrucksysteme und durch die Drehbewegung gegen den Uhrzeigersinn werden über Deutschland, Österreich und der Schweiz aus südwestlichen Richtungen milde Luftmassen nach Norden geführt. Temperaturen von +6 bis +12 Grad wären somit möglich und das Weihnachtswetter wäre frühzeitig nasskalter Ausprägung.

Anders läuft es ab, wenn sich die Hochdruckachse von Nord nach Süd Positioniert. In diesem Fall wird die atlantische Frontalzone nicht nur blockiert, nein, der Zustrom kalter Luftmassen polaren Ursprungs gelingt direkt über Deutschland bis an die Alpen. Gelangt die Kälte bis über die Mittelmeerregion, kommt ein Mittelmeertief ins Spiel und verstärkt durch seine Drehbewegung gegen den Uhrzeigersinn den Zustrom arktischer Kaltluftmassen. Ein nachhaltiger Wintereinbruch wäre nicht mehr auszuschließen und da dies in der Vorweihnachtszeit geschieht, stehen die Chancen auf weiße Weihnachten bei dieser Variante so gut, wie schon seit zwölf Jahren nicht mehr.

Zwischen Winter und wenig Winter entscheidet die Position der Hochdruckachse
Wetterprognose nach dem amerikanischen Vorhersage-Modell (li.) und einem ausgesuchten Kontrolllauf zum 19. Dezember: Zwischen Winter und wenig Winter entscheidet die Position der Hochdruckachse © www.meteociel.fr

Wie wahrscheinlich ist ein Wintereinbruch?

Wie man auf den obenstehenden Wetterkarten gut erkennen kann, hängt für den Winter über Deutschland alles davon ab, wie sich das Hoch verhalten wird. Es gibt hierzu ein paar Ansätze, um die Wahrscheinlichkeiten einer möglich winterlichen Wetterlage in der Vorweihnachtszeit besser einschätzen zu können.

Nimmt man die winterlichen Varianten, so müsste der NAO- und der AO-Index deutlich negativ werden. In der milden Variante wäre der AO-Index negativ, der NAO-Index aber zumindest neutral. Zum aktuellen Stand wird der AO-Index stark negativ berechnet und bleibt das auch bis zum 19. Dezember. Der NAO-Index aber, der zeigt sich bis zum 6. Dezember negativ, trendet darüber hinaus aber in den neutralen Bereich. Das spricht für eine Verlagerung der kalten Luftmassen raus auf den Atlantik. Der Mittelwert der Kontrollläufe deutet heute Abend auch eine solche Variante an. Kurzzeitig winterlich, doch dann kippt das Muster auf Südwest. Das wäre für die Freunde des Winterwetters die bekannte Tischkante.

Negativer AO- und neutraler NAO-Index - milde Luft aus südwestlichen Richtungen
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Negativer AO- und neutraler NAO-Index - milde Luft aus südwestlichen Richtungen © www.meteociel.fr

Die Randfaktoren

In Stratosphärenhöhe bleibt alles beim Alten. Ein Minor-Warming ist aktiv, wird aber keinen Einfluss auf die unteren Luftschichten haben. Die Windgeschwindigkeiten bleiben mit rund +144 km/h bis Weihnachten durchweg positiv versetzt. Eine plötzliche Stratosphärenerwärmung mit gravierenden Folgen für den Polarwirbel ist für den Moment nicht auszumachen.

Schaut man sich aber die Druckanomalien bis zum 14. Dezember an, so erkennt man, dass es für den Winter noch eine Vielzahl an Optionen gibt. Entscheidend ist und bleibt die Ausgestaltung der Hochdruckachse. Was man aber auch erkennen kann, dass der Polarwirbel zum aktuellen Stand keine gute Figur abgibt.

Ein Minor-Warming, dass sich nicht zu einem Major-Warming weiterentwickeln kann und die Druckanomalien, die dem Polarwirbel einen schlechten Zustand attestieren
Ein Minor-Warming, dass sich nicht zu einem Major-Warming weiterentwickeln kann © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: nasskalt bleibt das Maß der Dinge

Der Wettertrend der letzten Tage war stets nasskalt mit winterlichen Optionen. Daran hat sich - trotz der unterschiedlichen Entwicklungsmöglichkeiten - auch heute nichts geändert. Dass eine nasskalte Witterung dominierend sein kann, zeigt sich auch an den milder werdenden Kontrollläufen, die im Zeitraum vom 12. bis 17. Dezember nur noch über den östlichen Landesteilen Dauerfrost im Programm haben. Über dem Rest von Deutschland pendelt sich der Mittelwert mit +0 bis +3 Grad im nasskalten Bereich ein. Der Flachlandwinter ist über dem Osten möglich, sonst sind winterliche Wetterverhältnisse erst oberhalb von 500 bis 700 Meter zu bestaunen.

Die Weihnachtsprognose

Lässt man die Vorhersage-Modelle bis Weihnachten weiter rechnen, so ergibt sich zum aktuellen Stand folgendes Bild:

Die Weihnachtsprognose der Wettermodelle
Tag Temperatur Wetter
24. Dezember / Heiligabend +1 bis
+5 Grad
Leichter Niederschlag
Erster Weihnachtsfeiertag +0 bis
+5 Grad
Leichter Niederschlag
Zweiter Weihnachtsfeiertag +0 bis
+5 Grad
Leichter Niederschlag

Soweit der Stand.

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2022 +13,4 +0,1 -0,4 98,9 l/m² - zu nass
Oktober 2022 +12,53 +3,53 +3,13 49,5 l/m² - zu trocken
November 2022 +6,4 +2,4 +1,6 49,6 l/m² - zu trocken
Dezember 2022 +1,8 +0,98 -0,02 64,8 l/m² - etwas zu trocken
Gesamtjahr 2022 +10,56 +2,3 +1,23 672 l/m² - zu trocken
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