Wettertrend: Schnee an Weihnachten - so stehen die Chancen

| M. Hoffmann
Weiße Weihnachten nur noch im Bergland? © Martin Bloch

Auf eine weiße Weihnacht, die ihrem Namen auch gerecht wird, wartet man im Flachland seit 2010 vergeblich. Aus statistischer Sicht aber ist Schnee zu den Festtagen längst überfällig. Klappt es mit Schnee, Eis und Frost an Weihnachten 2022 und wie hat sich die Wahrscheinlichkeit für Schnee zum Fest in Zeiten der Klimaerhitzung verändert?

Frühlingshaft mild, bis tiefwinterlich. Das Wetter kann über die Weihnachtsfeiertage völlig unterschiedlich ausfallen. Vom tiefsten Winter, mit einer Schneedecke von bis zu 30 cm in tieferen Lagen und Frost von bis zu -10 Grad (wie 2010), oder aber mit Föhneinfluss können frühlingshaft milde Werte - wie bspw. 2012 - mit +20,7 Grad über München und 2013 mit +18,3 Grad in Waldbronn erreicht werden.

Aber auch einen Orkan gab über die Feiertage schon zu bestaunen, wie bspw. Lothar am 2. Weihnachtsfeiertag 1999. Das Wetter an Weihnachten hat allerhand zu bieten und nicht selten ist die Vorweihnachtszeit für Meteorologen und Wetterbegeisterte eine ganz besonders spannende Zeit.

Wie stehen die Chancen auf Schnee in diesem Jahr, das möglicherweise das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden kann?

Schnee an Weihnachten: letztmalig vor zwölf Jahren

In unserer Rubrik Wetter Weihnachten haben wir alle Daten und Fakten zum Fest aufgelistet. Das Interessante:
Gemäß Statistik gab es nach dem Klimamittelwert von 1961 und 1990 über Berlin und München etwa alle drei Jahre Schnee an Heiligabend, sonst war in tieferen Lagen alle sieben bis neun Jahre und über mittleren Lagen alle fünf bis sieben Jahre mit einer Schneedecke zum Fest zu rechnen.

Kälte und Schnee sind überfällig

Geht es nach der Singularität, sollte bereits im Jahr 2018 wieder Schnee vom Himmel rieseln. Doch davon war nichts zu sehen und in den Jahren 2019, 2020 und 2021 war es für Schnee zu mild, bzw. war dieser in Ermangelung an Niederschlag erst gar nicht vorhanden. Immerhin gab es 2020 und 2021 regional ein paar Schneereste zu bestaunen. Das Problem aber mit den Singularitäten ist, dass sie eintreten können, oder auch nicht. Das Wetter hält sich nicht an Statistiken - schon gar nicht in Zeiten der Klimaerhitzung.

Umso spannender ist die aktuelle Wetterentwicklung im November, die mit einer Regenerierung einer möglichen meridionalen oder gestörten Zirkulation schon frühzeitig die Weichen für den Winter, aber auch für den Dezember und damit das Weihnachtswetter stellen kann.

Wettertrend

Ist ein Wettertrend überhaupt schon möglich? Nein, definitiv nicht. Das Wetter an Weihnachten lässt sich im günstigen Fall vierzehn Tage im Voraus bestimmen. Ist die Wetterlage - bspw. mit einer Luftmassengrenze - knifflig, ist eine Wetterprognose noch nicht einmal für die kommenden 24 Stunden möglich. Aber es gibt Wahrscheinlichkeiten, die einen Ausblick ermöglichen.

Da wäre zum einen das Weihnachtstauwetter, dass sich gerne mit dem Beginn der letzten Dezemberdekade durchsetzt und pünktlich zum 24. Dezember für Tauwetter sorgt, sofern es überhaupt etwas zu tauen gibt.

Zum anderen gibt es die Klimaerhitzung, was nicht nur die Dezembermonate, sondern den Winter insgesamt wärmer und die Schneeereignisse seltener werden lässt. Den Flachlandwinter kennen manche Kinder nur aus den Erzählungen der Erwachsenen.

Wir haben einmal die Weihnachtsfeiertage der letzten 60 Jahre untersucht und jeweils die durchschnittliche Schneehöhe in Flächenmittel am ersten Weihnachtsfeiertag miteinander verglichen. Die Signifikanz ist deutlich und in den letzten 10 Jahren besonders gravierend.

Die Schneehöhe am ersten Weihnachtsfeiertag
Zeitraum Mittlere Schneehöhe im Flächenmittel
1961 bis 1990 3,46 cm
1991 bis 2020 2,26 cm
2011 bis 2021 0,49 cm
Weiße Weihnachten - die Schneehöhe am ersten Weihnachtsfeiertag über Deutschland
Weiße Weihnachten - die Schneehöhe am ersten Weihnachtsfeiertag über Deutschland

Die Wetterprognosen der Langfristmodelle

Die Langfristprognose der Vorhersage-Modelle, welche anhand der aktuellen Wetterdaten weiter in die Zukunft rechnen und mit anderen Faktoren und Variablen einen Langfristtrend ermitteln, lassen zwar keine detaillierte Wetterprognose zu, doch eine grobe Richtung kann abgeleitet werden. Da das aber experimentell ist, sind Langfristprognosen mit einem gewissen Maß an Skepsis zu bewerten. Zudem wird nicht das Wetter an Weihnachten 2022 berechnet, sondern der Dezember.

Wetter Dezember 2022 nach dem CFSv2 Modell

Das Wetter im Dezember 2022 soll mit einer Abweichung von +1 bis +2 Grad und im Trend von bis +2,5 Grad gegenüber dem vieljährigen Mittelwert von 1961 und 1990 zu warm ausfallen. Im Vergleich zur - wärmeren - Referenzperiode von 1991 und 2020 liegt die Abweichung zwischen +0,0 und +1,5 Grad. In der Niederschlagsprognose soll der Dezember normal und im Trend leicht zu trocken ausfallen können.

NASA: der Lichtblick am Winterhimmel

Seit einigen Wochen schon berechnet die NASA einen Dezember, der im Vergleich zum Mittelwert von 1961 und 1990 mit einer Differenz von -0,5 bis +1,0 Grad nur leicht zu mild ausfallen kann (91/20: -1,5 bis +0,0 Grad). In der Niederschlagsprognose soll der Dezember normal und im Trend etwas zu trocken ausfallen können.

Europäisches Wettermodell: nur etwas zu warm

Geht es nach dem Wettertrend des europäischen Wettermodells, so soll der Dezember mit einer Abweichung von +0,5 bis +1,5 Grad etwas zu warm ausfallen können (91/20: -0,5 bis +0,5 Grad). Die Niederschlagsprognose ist gegenüber dem vieljährigen Sollwert als unauffällig zu bewerten.

Temperaturabweichung gegenüber dem Mittelwert 1961-90 im Dezember 2022 nach den Langfristmodellen (in der Klammer der Mittelwert 91/20)
Modell Abweichung Temperatur Niederschlag
Wettertrend CFSv2 +1 bis +2,5 Grad
(+0,0 bis +1,5 Grad)
Normal bis etwas zu trocken
Europäischer Langfristtrend +0,5 bis +1,5 Grad
(-0,5 bis +0,5 Grad)
Normal bis etwas zu trocken
Wettervorhersage der NASA -0,5 bis +1,0 Grad
(-1,5 bis +0,0 Grad)
Normal bis leicht zu trocken

Die zonale Zirkulation oder die meridionale Grundströmung?

Mit Spannung kann man die Wetterentwicklung der kommenden Tage innerhalb des Polarwirbels beobachten. Details sind im Moment weniger entscheidend, vielmehr geht es um die Frage, ob sich das meridionale Strömungsmuster im Dezember wird erhalten können, oder nach längerer Abstinenz die Westwetterlage zurückkehren kann. Eine Westwetterlage schmälert bspw. die Aussichten auf weiße Weihnachten und bei einem meridionalen Strömungsmuster kommt es ganz darauf an, ob Deutschland, Österreich und die Schweiz auf der warmen Süd-Nord- oder auf der kalten Nord-Süd-Strömung liegen.

Worauf man achten sollte? Auf die Achse innerhalb des Polarwirbels. Verläuft diese von Sibirien nach Kanada, ist eine Zonalisierung wahrscheinlicher. Verläuft die Achse bspw. zwischen den Aleuten und dem europäischen Nordmeer, sieht die Sache schon ganz anders aus. Wir haben diese zwei Varianten einmal gegenübergestellt.

Auf den Achsverlauf innerhalb des Polarwirbels ist zu achten. Links eine Entwicklung, die mit einer meridionalen Wetterlage den Winter nach Deutschland bringen kann, rechts eine Variante, die eine Zonalisierung zur Folge hat.
Auf den Achsverlauf innerhalb des Polarwirbels ist zu achten. Links eine Entwicklung, die mit einer meridionalen Wetterlage den Winter nach Deutschland bringen kann, rechts eine Variante, die eine Zonalisierung zur Folge hat.
© www.meteociel.fr

Das verflixte Weihnachtstauwetter lässt den Schnee dahinschmelzen

Nochmals zurück zur Statistik: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent hält im zweiten Dezemberdrittel oftmals der Winter mit dem ersten richtigen Schneefall Einzug und mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 75 Prozent setzt kurz vor, bzw. über die Weihnachtsfeiertage Tauwetter ein.

Selbst Schneehöhen von bis zu 30 cm über mittleren Lagen wurden binnen weniger Stunden dahingerafft, denn das Weihnachtstauwetter kommt zumeist mit Regen und viel Wind, was mit einer prächtigen Durchmischung der Luftmassen in etwa den gleichen Effekt hat, wie wenn man einen Föhn an den Schnee hält. Schon so mancher bedauerte, dass der tollste Pulverschnee sich binnen kürzester Zeit in grauen Schneematsch verwandelt hat. Eine wahre - matschige - Bescherung. Wir haben dieses Phänomen einmal näher untersucht: Was ist dran am Mythos des Weihnachtstauwetters?

Klimaerhitzung - welche Auswirkungen hat das auf den Schnee an Weihnachten?

Was früher einmal galt, hat in Zeiten der Klimaerhitzung kaum mehr Bestand. Aus diesem Grund sollte man Singularitäten aus der Vergangenheit mit einem gesunden Maß an Skepsis begegnen. Der Deutsche Wetterdienst hat sich der Sache einmal angenommen und die Wahrscheinlichkeiten von weiße Weihnachten im Zeitraum vom 1961 und 1990, sowie von 1991 und 2020 einmal näher angeschaut und die Differenz daraus gebildet.

Wahrscheinlichkeit hat deutlich abgenommen

Das Erste, was man erkennen kann, dass die Wahrscheinlichkeit für ein schneereiches Fest südlich einer Linie vom Schwarzwald und Nürnberg zwischen 15 und 35 Prozent abgenommen hat. Und so ergibt sich ein Gesamtbild, das über weite Teile von Deutschland Schnee nur in 0 bis 15 Prozent zulässt. Über den tieferen mittleren Lagen liegt die Wahrscheinlichkeit bei 0 bis 20 Prozent und über den höheren mittleren Lagen (bis 800 Meter) zwischen 30 und 50 Prozent. Mit jeden Höhenmeter steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Schneedecke weiter an und liegt oberhalb etwa 1.500 Meter zwischen 80 und 100 Prozent. Das sah im Zeitraum von 1961 und 1990 noch ganz anders aus, doch ist zu vermuten, dass sich das in Zeiten der Klimaerhitzung nicht mehr in die andere Richtung drehen lassen wird.

Weiße Weihnachten - die Schneehöhe am ersten Weihnachtsfeiertag über Deutschland
Weiße Weihnachten - die Schneehöhe am ersten Weihnachtsfeiertag über Deutschland © Deutscher Wetterdienst

Wetterextreme an Weihnachten (Betrachtung fällt auf den 24.12. - Heiligabend)

Gerade die Umwälzungen von Kalt auf Warm haben turbulente Wetterentwicklungen zur Folge.

Wetterextreme an Weihnachten
Weihnachten Ereignis
2012 München +20,7 Grad
2010 Höchste Schneemenge tiefere Lagen (0 bis 400 Meter): Hohn (Schleswig-Holstein) 41 cm und 39 cm in Greifswald an der Ostsee
2001 Hermaringen - Allewind -28,5 Grad
1999 Orkan Lothar am zweiten Weihnachtsfeiertag mit Spitzenwind von 272 km/h auf dem Hohentwiel bei Singen
1983 Höchste Nachttemperatur: Müllheim +11,8 Grad
1981 Höchste Schneemenge (Zugspitze): 4,60 Meter
1962 Höchste Schneemenge mittlere Lagen (400 bis 800 Meter): Reit im Winkl 1,40 Meter und 65 cm in Veilsdorf
1952
1974
Höchste Schneemenge höhere Lagen (oberhalb 800 Meter): Brocken 2,33 Meter und Schwarzwald 2,22 Meter

Wie auch immer das Wetter Weihnachten 2022 ausfallen mag, wir berichten an dieser Stelle ab dem letzten Novemberdrittel in regelmäßigen Abständen bis hin zu täglichen Wettervorhersagen, wie das Wetter zwischen dem 24. und 26. Dezember ausfallen kann.

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2022 +13,4 +0,1 -0,4 98,9 l/m² - zu nass
Oktober 2022 +12,53 +3,53 +3,13 49,5 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +11,7 +2,3 +1,3 546,5 l/m² - zu trocken
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