Weiße Weihnachten 2021? Weitere Gedankenspiele zum Weihnachtswetter

Winter Wunderland an Weihnachten 2021? © Martin Bloch

Wie wird das Wetter an Weihnachten 2021 - kalt und schneereich, nasskalt bis mild mit Tauwetter oder gar trocken mit frostigen Temperaturen? Mit entscheidend wird sein, wie sich die Großwetterlage in der zweiten Dezember-Dekade entwickeln kann - und da ist in Sachen Winter und Schnee noch nicht Hopfen und Malz verloren.

Pünktlich zum 1. Advent ist es mit einer nördlichen Grundströmung spürbar kühler geworden und die ersten Schneeflocken rieselten auf Deutschland herab. Das war zwar jetzt kein Wintereinbruch im klassischen Sinne, aber immerhin - etwas Winter.

Nasskalt

Der ganz große Wurf gelingt dem Winter in der ersten Dezember-Dekade noch nicht. Die Temperaturwerte werden verbreitet einen nasskalten Charakter annehmen. Winterwetter bleibt den Lagen oberhalb etwa 400 bis 600 Meter vorbehalten. Wie aber sieht die Wetterentwicklung in der zweiten Dezember-Dekade aus und lassen sich schon Muster erkennen, die eine Aussage über das Wetter an Weihnachten 2021 ermöglichen?

Was sich über das Wetter ganz allgemein sagen lässt

  • Klimatologisch wird das Wetter zunehmend wärmer, was Schnee an Weihnachten wenig wahrscheinlich macht. Siehe Mythos Weihnachtstauwetter.
  • Im rechnerischen Schnitt gibt es alle 8,5 Jahre flächendeckend weiße Weihnachten - Schnee zum Fest ist überfällig (letztmalig Flächendeckend 2010)
  • Das Wetter hält sich nicht an Statistiken
  • Der Dezember ist in den letzten 20 Jahren im Schnitt um +1,2 Grad wärmer geworden
  • Die Schneefallgrenze hat sich in den letzten 20 Jahren um 120 bis 180 Meter nach oben verschoben
  • Schnee bis über das Flachland ist nur mit außergewöhnlichen Großwetterlagen möglich
  • Die Großwetterlage verläuft im Jahr 2021 anders als in den Jahren zuvor

Was spricht gegen weiße Weihnachten?

Wie das Wetter an Weihnachten 2021 ausfallen mag, lässt sich zum heutigen Stand noch nicht sagen, aber die Wahrscheinlichkeiten sprechen einfach dagegen. Da muss viel passieren, damit im Zeitraum von 24. bis 26. Dezember der Schnee vom Himmel fällt und für ein Winter Wunderland sorgen kann. Anders formuliert: Ist Schnee an den Weihnachtstagen per se schon ein schwieriges Unterfangen, so trägt der Klimawandel nicht zu einer Besserung bei.

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Was für Schnee an Weihnachten spricht

Das Setup ist derzeit ein völlig anderes, als in den Jahren zuvor. Pünktlich mit dem Dezember setzte in den letzten Jahren die Zonalisierung ein und der Kaltluftzustrom über dem östlichen Kanada war dermaßen gut ausgebildet, dass die Hoffnungen auf Schnee an Weihnachten frühzeitig begraben werden mussten.

In diesem Jahr hält sich die gestörte Zirkulation bis mindestens in die zweite Dezember-Dekade hinein und sorgt für die Möglichkeit einer Ostwetterlage oder mithilfe eines Troges für eine meridional verlaufende Grundströmung - die sowohl warm, aber auch winterlich kalt sein kann.

Das gestörte Zirkulationsmuster

Deutlicher zeigt sich das gestörte Zirkulationsmuster in Form einer meridional verlaufenden Trogwetterlage. Die Hochdruckzone zwischen Kanada und Sibirien ruht für den Moment. Das Azorenhoch keilt auf dem Atlantik auf und kann keinen Keil in Richtung Europa entsenden. Da der hohe Luftdruck über Europa fehlt, können die Tiefdrucksysteme nach Süden austrogen und im Verbund mit dem Hoch kalte Luftmassen polaren Ursprungs nach Deutschland führen. Diese Wetterprognose steht bis zum 6. Dezember, sodass der Nikolaus schon einmal auf dem Schlitten daher kommen kann.

Simuliert werden vom amerikanischen Wettermodell heute Abend Tageshöchstwerte von -3 bis +3 Grad und bei wechselnder Bewölkung können regional ein paar Schneeschauer niedergehen.

Links die Druckanomalien, rechts die winterlichen Aussichten des amerikanischen Wettermodells
Links die Druckanomalien, rechts die winterlichen Aussichten des amerikanischen Wettermodells
© www.meteociel.fr | www.climatereanalyzer.org

Nasskalt mit winterlichen Optionen

Apropos amerikanisches Wettermodell. Das hat die winterliche Wetterentwicklung mit der vollständig gestörten Zirkulation heute mehrfach bestätigt, bildet jedoch im Vergleich zu den Kontrollläufen die kälteste Variante ab und ist mit Vorsicht zu genießen. Sollte sich die Wetterprognose der Amerikaner jedoch durchsetzen können, so wäre im Zeitraum vom 6. bis 14. Dezember mit einer überwiegend nasskalten und kurzzeitig winterlichen Witterung zu rechnen.

So betragen die Temperaturen bspw. am 9. Dezember -5 bis +0 Grad, am 12. Dezember zwischen -1 bis -7 Grad und am 14. Dezember zwischen +0 bis +5 Grad. Zeitweiliger Schneefall ist möglich, der jedoch erst ab den mittleren Lagen so richtig zur Geltung kommen kann.

Die vollständig gestörte Zirkulation nach dem amerikanischen Wettermodell bis zum 14. Dezember
Die vollständig gestörte Zirkulation nach dem amerikanischen Wettermodell bis zum 14. Dezember
© www.meteociel.fr

Münzt man das auf das Weihnachtswetter um, so ist in der Vorweihnachtszeit keine Zonalisierung zu erwarten und das meridionale Nord-Süd, Süd-Nord Strömungsmuster bleibt vorerst erhalten. Und da sich das Temperaturspektrum im weitesten Sinne in dem Bereich bewegt, der nach dem Klimamittelwert von 1961 und 1990 im normalen Bereich liegt. Die Kontrollläufe sind in den letzten 12 Stunden etwas kühler geworden. Das sind jedenfalls bessere Voraussetzungen, als in den Jahren zuvor.

Die Randfaktoren

Ob sich das meridionale Strömungsmuster aber erhalten wird, bleibt - zum aktuellen Stand - noch infrage zu stellen. Sowohl der AO-, als auch NAO-Index werden nach dem 6. Dezember positiv bewertet. Das spricht in erster Linie für ein Tief über Island, was für winterliche Wetterverhältnisse nicht optimal sind. Im Gegenteil - das spricht für eine westliche gelagerte Grundströmung (West, Nordwest und Südwest).

Der Polarwirbel

Mit dem Polarwirbel in Stratosphärenhöhe ist alles in Ordnung und erfreut sich einer ungestörten Vitalität. Erst zum 12. Dezember zeigt sich mal ein schwaches Minor-Warming, das aber hat keinerlei Auswirkungen auf die unteren Luftschichten. Die Windgeschwindigkeiten betragen weiterhin +150 km/h und liegen deutlich über dem, was für den 10. Dezember mit +120 km/h normal wäre. Mit anderen Worten ist im Verlauf der ersten Dezemberdekade eine Stabilisierung des Polarwirbels in den unteren Luftschichten anzunehmen. Das allein schließt eine winterliche Wetterlage nicht aus, spricht aber für die Zonalisierung.

Polarwirbelsplit? Nein, so etwas wird derzeit nicht berechnet. Doch schaut man sich den Mittelwert aller Kontrollläufe an, so erkennt man das Resultat eines missglückten Polarwirbelsplits und Form eines Displacements, bei der das Hoch über Sibirien eine Hauptrolle spielt. Und sollte in irgendeiner Form die Hochdruckverbindung mit Skandinavien zustande kommen, dann kann man über Winterwetter diskutieren. Kommt die Hochdruckverbindung nicht zustande, so liegen Deutschland, Österreich und die Schweiz zwischen den Fronten in einer südwestlichen Anströmung der Luftmassen, was mit dem Winter wenig gemeinsam hat.

Links der Polarwirbel in Stratosphärenhöhe - ein schwaches Minor-Warming ist zu erkennen. Rechts der Mittelwert aller Kontrollläufe mit einem möglichen Displacement des Polarwirbels
Links der Polarwirbel in Stratosphärenhöhe - ein schwaches Minor-Warming ist zu erkennen. Rechts der Mittelwert aller Kontrollläufe mit einem möglichen Displacement des Polarwirbels
© www.meteociel.fr

Der ganz weite Blick in die Zukunft - die Wetterprognose Weihnachten 2021 nach den Kontrollläufen

Die Grundvoraussetzungen für eine Verhinderung der zonalen Westwetterlage sind und bleiben im Jahr 2021 so gut wie schon lange nicht mehr, auch wenn das noch nicht mit einer weißen Weihnacht gleichzusetzen ist.

Schaut man sich das - mögliche - Temperaturspektrum über die Weihnachtsfeiertage an, so liegen die Werte über dem Westen und Norden zwischen +3 bis +5 Grad und über dem Osten und Süden zwischen +1 bis +3 Grad. Diese Werte sind jedoch ein direkter Modelloutput und zeigen lediglich, was sich aus der heutigen Wetterlage theoretisch bis Weihnachten entwickeln kann.

Die Weihnachtsprognose der Wettermodelle
Tag Temperatur Wetter
24. Dezember / Heiligabend +1 bis
+4 Grad
Leichter Niederschlag
Erster Weihnachts­feiertag +1 bis
+4 Grad
Leichter Niederschlag
Zweiter Weihnachts­feiertag +2 bis
+4 Grad
Leichter Niederschlag

Korrektur in der Langfristprognose Dezember 2021

Über Wochen hinweg wurde der Dezember nach dem Langfristmodell mit einer Differenz von +1 bis +3 Grad gegenüber dem vieljährigen Mittelwert deutlich zu warm berechnet. Das hat sich in den letzten Tagen etwas verändert und die Abweichung beträgt +0,5 bis +1,5 Grad und über Norddeutschland im Trend bis +2,5 Grad. Das ist zwar noch immer zu mild, doch reagiert das Langfristmodell auf die aktuelle Wetterentwicklung. In der Niederschlagsprognose zeigt sich ein deutlich zu nasser Trend.

Betrachtet man Europa, so wird der Bereich von Spanien bis über die östliche Mittelmeerregion zu trocken simuliert, was wiederum auf eine Hochdruckzone hindeutet. Nördlich der Alpen zeichnet sich eine zu nasse Wetterentwicklung ab, was man als Indiz für eine Zonalisierung werten kann.

Auf den Punkt gebracht

Wie das Wetter an Weihnachten 2021 im Detail verlaufen wird, lässt sich zum derzeitigen Stand nicht sagen. Was sich aber sagen lässt, ist, dass die Grundvoraussetzungen im Jahr 2021 völlig andere als in den Jahren zuvor sind.

In den kommenden Tagen aktualisieren wir unseren Wettertrend für Weihnachten in zunächst unregelmäßigen Abständen. Anfang Dezember erfolgen in regelmäßigen Abständen aktuelle Wettervorhersagen zum Wetter Weihnachten 2021.

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2021 +16,5 -0,06 -1,4 102 l/m² - zu nass
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +10,3 +2,4 +1,2 355 l/m² - extrem zu trocken
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