Weiße Weihnachten 2021? Erste Gedankenspiele zum Weihnachtswetter

Eine romantische Winterlandschaft an Weihnachten © Martin Bloch
Eine romantische Winterlandschaft an Weihnachten © Martin Bloch

Schnee zu Weihnachten oder doch wieder mildes Wetter? Das Wetter stellt sich in den kommenden Tagen um und hat Anfang Dezember eine deutlich erhöhte Neigung zu nasskalten Temperaturwerten. Örtliche Schneeschauer sind nicht auszuschließen und manch eine Wetterprognose berechnet ab den mittleren Lagen die Ausbildung einer Schneedecke. Klingt doch winterlich - oder!?

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Damit gleicht sich das Wetter in etwa dem Jahreszeit-typischen Mittelwert von 1961 bis 1990 an. Schnee an Weihnachten aber liegt nun schon elf Jahre zurück und gemäß Statistik sind weiße Weihnachten längst überfällig. Das Problem: Das Wetter hält nichts von Statistiken - und erst recht nicht in Zeiten des Klimawandels.

Doch wer jetzt schon eine detaillierte Wettervorhersage für das Weihnachtswetter macht oder sich darauf verlässt, ist zu früh dran - schließlich sind es noch knapp fünf Wochen bis zum Fest und das ist definitiv zu lang für eine adäquate Wettervorhersage. Details sind aufgrund unsicherer Großwetterlagen häufig noch nicht einmal ein bis zwei Tage vor Heiligabend möglich. Aber nicht nur das - momentan ist für die erste Dezember-Dekade so gut wie jede Wetterlage noch möglich: mehr dazu: Wetter Dezember 2021 | Winter 2021/2022.

Gedankenspiele zum Wetter Weihnachten 2021

Was aber geht, sind erste Gedankenspiele und Thesen rund um das Weihnachtswetter aufzustellen. Diese ersten Gedankenspiele werden in den kommenden Tagen und Wochen bis zum 24. Dezember durch Wettertrends, Wetterprognosen und letztlich von Wettervorhersagen ergänzt, bzw. fortgeführt. Die Frage lautet: Weiße Weihnachten 2021 - ja oder nein - was lässt sich zum heutigen Stand erkennen?

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Statistik: Schnee ist selten

Geht es nach der Wahrscheinlichkeit, so ist in den Niederungen eine geschlossene Schneedecke vom 24. bis 26. Dezember in nur rund 12 Prozent der Fälle möglich. Anders formuliert sind nur alle 8,5 Jahre weiße Weihnachten zu erwarten. Letztmalig war das 2010 der Fall. Anders sieht es in den mittleren Lagen (400 bis 800 Meter) aus, da liegt die Wahrscheinlichkeit bei rund 15 bis 50 Prozent (etwa alle 2 bis 7 Jahre, je nach Höhenlage) und über den südlichen und östlichen Regionen ist etwa alle 3 Jahre Schneefall an Weihnachten möglich. Wer mehr über die Statistik wissen will, kann dies in der Rubrik - Wetter Weihnachten - nachlesen.

Parallelen 2010 und 2021?

Dieses Thema greifen wir - aufgrund zahlreicher Anfragen und Hinweise gerne mal auf, da die Parallelen auffällig sind. 2010 gab es an Heiligabend eine geschlossene Schneedecke über fast ganz Deutschland zu bestaunen. Örtlich mit 30 cm und mehr. Vorausgegangen war eine Entwicklung der Großwetterlage, welche der aktuellen sehr ähnlich ist. Das Strömungsmuster war gestört, der Winter setzte nach einem deutlich zu warmen November in der letzten Dekade ein und dominierte das Wettergeschehen im Dezember und auch über Weihnachten. Der Unterschied zu diesem Jahr aber ist, dass am 24. November über den höheren Lagen bereits eine Schneedecke von bis 30 cm vorhanden war. Bis zum 28. November konnte sich auch über tieferen Lagen eine Schneedecke ausbilden und der Mittelwert der Höchsttemperatur lag bei -1 Grad!

Am 6. Dezember (Nikolaus) betrug die mittlere Schneehöhe über Deutschland dann schon 13,1 cm! Nein, eine solch frühe Einwinterung ist 2021 zwar nicht auszuschließen und man muss die Entwicklung des Troges noch abwarten, doch zu erkennen ist das nicht und somit lassen sich keinerlei Rückschlüsse und Ähnlichkeiten zu 2010 ableiten oder herstellen. Nur mit sehr viel Wohlwollen, kann man eine entfernte Ähnlichkeit feststellen, die Qualität der gestörten Zirkulation war 2010 eine völlig andere.

Die Großwetterlage am 2. Dezember 2010 und 2021 - eine Ähnlichkeit ist nicht zu erkennen und somit sind auch keine Rückschlüsse auf das Wetter an Weihnachten zu ziehen
Die Großwetterlage am 2. Dezember 2010 und 2021 - eine Ähnlichkeit ist nicht zu erkennen und somit sind auch keine Rückschlüsse auf das Wetter an Weihnachten zu ziehen
© www.meteociel.fr

Das Wetter hält sich eben nicht an Parallelen. Anders formuliert: war das Wetter schon einmal ähnlich, so ist der weitere Ablauf alles andere als gleich. Sowohl 2010, wie auch 2018, 2019 und 2020 verläuft das Strömungsmuster mal meridional mit einem Hochdruckkeil auf dem Atlantik und mal in Form der gestörten Zirkulation mit einem Hoch über Skandinavien. Doch sowohl im Jahr 2018, als auch 2019 kippte der Hochdruckkeil nach Osten ab- und nachfolgend setzte sich der Westdrift durch, der sich im wahrsten Sinne des Wortes gewaschen hatte und mit milden Temperaturwerten das Wetter bis Weihnachten dominierte. Ein ähnliches Szenario lässt sich auch für den Dezember 2021 diskutieren.

Worauf es ankommen wird

Wer also frühzeitig wissen will, ob es im Jahre 2021 über Deutschland für Schnee an Weihnachten reichen wird, der muss beobachten, ob sich auf dem Atlantik die Zonalisierung durchsetzen oder ob die Erhaltungsneigung für ein meridionales oder gestörtes Strömungsmuster sorgen wird. Mit entscheidend dazu beitragen kann der Arctic Outbreak der kommenden Woche.

Die aktuelle Wetterprognose

Interessant sind die aktuellen Wetterprognosen allemal und lassen die Optionen für Winterwetter ab den mittleren Lagen offen. Schaut man sich den Mittelwert aller Kontrollläufe an, so wird bis zum 10. Dezember eine zonale Struktur mit nordwestlicher Ausprägung als eine wahrscheinliche Wetterlage berechnet. Die Abwandlungen hiervon ist die West- und die Trogwetterlage. Spannend wird sein, wie die Lücke zwischen den beiden Hochdrucksystemen von der atlantische Frontalzone genutzt wird.

Nasskalter Dezembertrend mit winterlichen Optionen ab den mittleren Lagen

Das Temperaturspektrum schwankt nach den Kontrollläufen vom 1. bis 10. Dezember zwischen +2 bis +6 Grad. Die Temperaturen in 1.400 Meter Höhe schwanken zwischen -10 und +5 Grad und weisen damit eine Differenz von bis zu 15 Grad aus. Nebenbei bemerkt: für eine Wettervorhersage ist eine Differenz von 2 bis 4 Grad und für eine Wetterprognose von 2 bis 6 Grad wünschenswert. Das unterstreicht nochmals die Unsicherheiten der Wetterentwicklung der kommenden Tage!

Der Mittelwert der Kontrollläufe favorisiert erst einen Trog und im Dezember eine Hochdruck-, respektive Nordwestwetterlage
Der Mittelwert der Kontrollläufe favorisiert erst einen Trog und im Dezember eine Hochdruck-, respektive Nordwestwetterlage
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Was lässt sich über das Wetter an Weihnachten sagen?

Entscheidend ist also, ob sich die Zonalisierung oder das gestörte Zirkulationsmuster durchsetzen kann. Schaut man sich die aktuellen Randfaktoren an, so hat sowohl der NAO-, als auch AO-Index einen ab dem 2. Dezember positiven Trend. Das ist ein klarer Fürsprecher für eine Stabilisierung des Polarwirbels und damit einer westlich orientierten Grundströmung. Das sieht nicht gut für einen Wintereinbruch in der ersten Dezemberdekade aus.

Die Druckanomalien von heute sprechen eine ebenfalls deutliche Sprache und deuten nicht gerade auf eine zonal verlaufende Westwetterlage hin. Die Lücke ist gefunden und wird aller Voraussicht nach auch ausgenutzt. Entscheidend, ob Winter oder nicht, ist letztlich die Position des Troges. In der nachfolgenden Wetterkarte wäre mit einer gemäßigt warmen Südanströmung zu rechnen. Der Trog liegt zu weit westlich.

Wetterprognose Weihnachten 2021 nach den Kontrollläufen

Hinsichtlich einer Schneeballschlacht an Weihnachten sollte man skeptisch sein. Schaut man sich das - mögliche - Temperaturspektrum an Weihnachten an, so liegen die Werte über dem Süden und Osten bei +2 Grad und über dem Norden und Westen um die +4 Grad. Rein rechnerisch ist über tieferen Lagen nicht mit einer weißen Weihnacht zu rechnen. Aber - und das sei an dieser Stelle ausdrücklich erwähnt - diese Berechnungen entstammen den heutigen Daten und es wird schnell klar, dass diese sich bis zum 24. Dezember noch mehrfach verändern können. Es bestätigt lediglich eine höhere Wahrscheinlichkeit einer nasskalten Witterung, bei der für den Winter noch nicht Hopfen und Malz verloren ist.

Der Polarwirbel

Der Polarwirbel in Stratosphärenhöhe zeigt keinerlei Störungen. Und so bleibt das auch bis zum Beginn der zweiten Dezemberdekade. Die Windgeschwindigkeiten betragen aktuell +149 km/h und erreichen am 2. Dezember mit +200 km/h einen absoluten Höhepunkt. Normal sind Anfang Dezember Windgeschwindigkeiten von rund +100 km/h. Bis zum 10. Dezember erfolgt dann ein Absturz auf +80 km/h. Das aber liegt lediglich in der normalen Schwankungsbreite. Eine gravierende Schwächung des Polarwirbels ist daraus nicht abzuleiten, könnte aber dennoch ein Indiz für ein Minor-Warming sein - das ist für den Moment zu spekulativ.

Damit der Polarwirbel ernsthafte Schwierigkeiten bekommt, müsste in Stratosphärenhöhe die Windgeschwindigkeit rapide abnehmen und in die negative Richtung drehen. Man nennt diesen Vorgang Major-Warming oder die plötzliche Stratosphärenerwärmung. Anders formuliert ist von oben herab nicht so schnell mit einer gravierenden Veränderung zu rechnen. Die extremen Winde sprechen eher für eine Stabilisierung des Polarwirbels in den unteren Luftschichten.

Allenfalls ein schwaches Minor-Warming ist im Ansatz zu erkennen
Wetterprognose des Polarwirbels in Stratosphärenhöhe: Allenfalls ein schwaches Minor-Warming ist im Ansatz zu erkennen
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Langfristprognose: ein Lichtblick für den Dezember

Nach der Wetterprognose des Langfristmodells ist der Winter im Dezember nicht vollständig abzuschreiben. Mit einer Abweichung von +0,5 bis +1,5 Grad ist im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert von 1961 bis 1990 ein gemäßigt milder Dezember zu erwarten. Das schließt Schnee zum Weihnachtsfest somit nicht aus.

Weniger Niederschlag

Der Wettertrend des Langfristmodells simuliert für Süddeutschland einen deutlich zu trockenen Dezember, der sich nach Norden normalisiert. Betrachtet man Europa, so wird der Norden deutlich zu nass und der Süden deutlich zu trocken berechnet. Möchte man das interpretieren, so berechnet das Langfristmodell für den Dezember eine zunehmend zonal agierende Westwetterlage, bei der das Hoch von Süden dagegen drückt.

Weiße Weihnachten 2021?

Auch wenn es derzeit nicht gerade rosig für einen Wintereinbruch aussieht, so hängt doch vieles von dem Trog der kommenden Woche ab. Es gilt den Vorstoß kalter Luftmassen polaren Ursprungs abzuwarten und schauen was passiert. Häufiger kommt es zu Turbulenzen, die im Vorfeld noch nicht zu erkennen waren. Entscheidend wird sein, ob sich das meridionale Strömungsmuster wird behaupten können, oder sich die Westwetterlage - nach 20-monatiger Abstinenz - wieder zurückmelden kann.

Auf den Punkt gebracht

Wie lautet unsere Wetterprognose? Bislang ist das nicht mehr als ein Bauchgefühl und mehr ist aktuell auch nicht möglich. Wir gehen von einer Möglichkeit aus, die seit Jahren schon nicht mehr vorkam. Das Wetter an Weihnachten hat im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert von 1961 bis 1990 gute Chancen normal auszufallen. Das wird aber nicht für weiße Weihnachten reichen, zumindest nicht für die tieferen Lagen. Normal sind an Weihnachten Temperaturen von +1 bis +5 Grad.

In den kommenden Tagen aktualisieren wir unseren Wettertrend für Weihnachten in zunächst unregelmäßigen Abständen. Anfang Dezember erfolgen in regelmäßigen Abständen aktuelle Wettervorhersagen zum Wetter Weihnachten 2021.

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Das Wetter-Jahr 2021 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2021 +0,6 +1,1 -0,3 78 l/m² - zu nass
Februar 2021 +1,8 +1,4 +0,3 48 l/m² - leicht zu trocken
März 2021 +4,8 +1,3 +0,2 46 l/m² - zu trocken
April 2021 +6,1 -1,3 -2,9 33 l/m² - zu trocken
Mai 2021 +10,4 -1,4 -2,4 96 l/m² - zu nass
Juni 2021 +18,6 +3,6 +2,6 94 l/m² - etwas zu nass
Juli 2021 +18,4 +1,4 +0,0 103 l/m² - zu nass
August 2021 +16,5 -0,06 -1,4 102 l/m² - zu nass
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2020 +6,0 +2,0 +1,1 18,7 l/m² - zu trocken
Dezember 2020 +3,0 +2,2 +1,2 57 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2021 +10,31 +0,84 -0,24 694 l/m² - etwas zu trocken

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