Turbulentes Weihnachtswetter: Weiße Weihnachten sind nicht unmöglich

| M. Hoffmann
Grüne oder Weiße Weihnachten?

Kurz vor Weihnachten wankt der Polarwirbel und führt aus nördlichen Richtungen kalte Luftmassen nach Deutschland. Doch auch die atlantische Frontalzone meldet sich zurück und beides zusammen kann über Weihnachten zu einem turbulenten Wetter führen.

Wolkenaufzug. Von Norden ziehen heute Wolkenfelder nach Deutschland und trüben den Sonnenschein nördlich einer Linie vom Saarland und Nürnberg ein. Vereinzelt ist mit etwas Niesel- oder Sprühregen zu rechnen, verbreitet bleibt es trocken. Zum Nachmittag bekommt die Wolkendecke vermehrte Lücken und die Sonne kommt - wie bereits nach Nebelauflösung über dem Süden - zum Vorschein. Der Wind frischt über Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin auf und kann direkt an den Küstenregionen von Nord- und Ostsee zu stürmischen Windböen führen. Weiter nach Süden bekommt man vom Wind nicht allzu viel mit. Die Temperaturen erreichen über dem Süden +4 bis +8 Grad und nach Norden sind bis +10 Grad zu erwarten. Örtlich können bis +12 Grad erreicht werden.

Sonne, Wolken und etwas Nieselregen

Grau und trüb zeigt sich der Himmel am 4. Advent (So. - 19. November) in einem breiten Streifen entlang einer Linie von Köln und Dresden. Hin und wieder kann sich ein Regentropfen aus der Bewölkung lösen, viel an Niederschlag ist nicht zu erwarten. Weiter nach Norden und Süden sind - nach Nebelauflösung - längere sonnige Abschnitte möglich. Der Wind frischt über dem Norden stark böig auf und kann im Schwerpunkt entlang einer Linie von Niedersachsen bis nach Sachsen über exponierten Lagen für stürmische Windböen sorgen. Die Temperaturen gehen mit +4 bis +8 Grad etwas zurück, bleiben aber für die Jahreszeit zu warm.

Das Wetter in der Vorweihnachtszeit

Ein Hochdrucksystem verlagert sich in der Vorweihnachtszeit raus auf den Atlantik und keilt zum 23. Dezember nach Norden - in Richtung Island und Grönland - auf. Dieser Hochdruckvorstoß ist gegenüber der atlantische Frontalzone als Störimpuls zu bewerten und versetzt der Großwetterlage einen meridionalen Strömungsimpuls (Nord-Süd, Süd-Nord).

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Es wird spürbar kälter und Schneefall ist möglich

Deutschland, Österreich und die Schweiz liegen in der Vorweihnachtszeit in einer Nord-Süd-Strömung. Die Bewölkung nimmt zu und sonnige Momente sind meist von kurzer Dauer. Hin und wieder gibt es etwas Niederschlag, der am Montag und Dienstag über den östlichen Mittelgebirgen als Schneegriesel niedergehen kann.

Am Mittwoch und Donnerstag ist etwa nördlich der Linie von Münster und Dresden mit zeitweiligem - vorwiegend leichtem - Niederschlag zu rechnen, der teils als Schnee, teils aber auch als Schneeregen oder nur als Regen niedergehen kann. Nasskalt trifft es besser. Ab den späten Nachtmittagsstunden vom Donnerstag zieht ein Niederschlagsfeld über dem Süden auf und kann für nennenswerten Niederschlag sorgen, der teils als Schnee, teils aber auch als Schneeregen oder Regen niedergehen kann.

Die Temperaturen erreichen am Montag +2 bis +6 Grad und sinken bis Donnerstag auf -2 bis +2 Grad ab. Über dem Norden und Südwesten und Westen können bis +4 Grad erreicht werden. In den Nächten bleibt es über Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern mit +0 bis +4 Grad überwiegend frostfrei, während weiter nach Süden die Werte auf -5 bis +0 Grad absinken können. Der Wind kommt schwach bis mäßig aus nördlichen Richtungen. Sind das die idealen Voraussetzungen für weiße Weihnachten?

Kurz vor Weihnachten kommt es zu einem Polarwirbelsplit und kalte Luftmassen werden nach Deutschland geführt
Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Kurz vor Weihnachten kommt es zu einem Polarwirbelsplit und kalte Luftmassen werden nach Deutschland geführt
© www.meteociel.fr

Weiße Weihnachten nicht unmöglich - aber sehr speziell

Komplex ist die Großwetterlage über Weihnachten. Man sieht auf der obenstehenden Wetterkarte, wie sich die kalte Luft kurz vor Weihnachten auf den Weg nach Deutschland macht. Was man aber auch erkennen kann, dass sich das Tief über Skandinavien anders verhält und nicht stringent von Nord nach Süd, sondern von Nordost nach Südwest zieht. Da Tiefdrucksysteme von Ost nach West ziehen ist untypisch, ist aber der Drehbewegung des Hochdrucksystems geschuldet.

Das führt jedenfalls dazu, dass das Hoch am südlichen Gradienten vom tiefen Luftdruck unterwandert wird und Kontakt zur atlantische Frontalzone aufnimmt und so - binnen 24 Stunden - eine Zonal geprägte Großwetterlage initialisiert - ja, die Westwetterlage zeigt nach einem Polarwirbelsplit und zu Weihnachten nach 20-monatiger Abstinenz wieder ihr Gesicht. Jeder, der sich mit dem Wetter auskennt, der wird die Ironie darin erkennen. Aber so ist das Wetter - immer wieder für Überraschungen gut.

Wie auch immer - der Wetterwechsel vollzieht sich am 24. Dezember - Heiligabend. Bereits in der Nacht zieht über dem Süden ein Niederschlagsfeld nach Deutschland und trifft auf die kalten Luftmassen, die weiterhin von Norden nach Deutschland einströmen. Der Niederschlag geht bei Temperaturen von -1 bis +3 Grad südlich einer Linie von Köln und Dresden anfangs noch als Schnee nieder, doch die Schneefallgrenze steigt über dem Süden rasch auf über 1.000 Meter an. Kniffliger bleibt die Situation zwischen Köln und Dresden, wo die Grenze zur Kaltluft liegt. Dort kann der Niederschlag bis zu den Nachmittagsstunden als Schnee niedergehen und für ordentliche Neuschneemengen sorgen. Nördlich der Linie bleibt es weitgehend trocken und zum Nachmittag lockert die Bewölkung auf und ein paar sonnige Momente sind bei schwachen Windbewegungen möglich. Im Tagesverlauf steigen die Temperaturen über dem Süden bei einem kräftigen Wind auf +4 bis +8 Grad und über den Gebieten nördlich der Linie vom Saarland und Nürnberg auf -1 bis +3 Grad an.

Grenzwetterlage an den Weihnachtsfeiertagen

Die Linie von Köln und Dresden wird aus der heutigen Sicht eine wichtige Rolle spielen können. Denn die Kaltluft lässt sich dort nicht so schnell vertreiben. Und sowohl nach dem europäischen, als auch dem amerikanischen Vorhersage-Modell pendeln sich die Temperaturen dort auf -2 bis +2 Grad und in Richtung der Mittelgebirge auf bis +4 Grad ein.

Weiter nach Süden steigen die Werte weiter an und erreichen zum zweiten Weihnachtsfeiertag +4 bis +8 Grad und über dem Südwesten örtlich bis +10 Grad. Niederschlag fällt über dem Süden in flüssiger Form und geht entlang der Mittelgebirge als Schneeregen und nördlich einer Linie von Essen - Köln -Dortmund - Kassel - Erfurt - Leipzig und Dresden als Schnee nieder, sodass die Chancen auf weiße Weihnachten dort am höchsten sind.

Wie viel Schnee ist zu erwarten?

Simuliert werden über dem Norden Neuschneemengen zwischen 1 und 5 cm und mancherorts bis 15 cm. Weiter nach Süden bleibt es grün.

Auf den Punkt gebracht: Schneefall ist möglich

Es wird - wie immer auf die Details ankommen. Deutlich zeigt sich die Wucht der Umstellung der Großwetterlage über die Weihnachtsfeiertage. Das große Rad beginnt sich zu drehen, doch die Details werden entscheidend sein. Und so eine Grenzwetterlage ist für sich alleine schon eine knifflige Angelegenheit und so ist die aktuelle Weihnachtsprognose ein grober Trend.

Details lassen sich erst vorhersagen, wenn das Hoch seinen Weg in den Polarwirbel hinein gefunden hat und das Tief nach Westen zieht. Denn dieser Prozess ist der eigentliche Punkt, an dem der Überraschungseffekt am größten sein wird. Abwarten!

Eine über Weihnachten nicht ganz einfache Wetterlage - Luftmassengrenze über Deutschland macht weiße Weihnachten optional
Wetterprognose nach dem europäischen (li.) und dem amerikanischen (re.) Wettermodell: Eine über Weihnachten nicht ganz einfache Wetterlage – Luftmassengrenze über Deutschland macht weiße Weihnachten optional
© www.meteociel.fr

Die Weihnachtsprognose der Wettermodelle
Tag Spektrum Temperatur Wetter
24. Dezember - Heiligabend -4 bis
+8 Grad
+1 bis
+3 Grad
Mäßiger Niederschlag
25. Dezember - Erster Weihnachtsfeiertag -4 bis
+9 Grad
+2 bis
+4 Grad
Mäßiger Niederschlag
26. Dezember - Zweiter Weihnachtsfeiertag -4 bis
+10 Grad
+1 bis
+4 Grad
Leichter Niederschlag

Ob sich der Winter nach Weihnachten noch einmal durchsetzen wird, oder ob die Westwetterlage seine Dominanz wiedererlangt, erläutern wir gegen 13:00 Uhr in einer Aktualisierung der Wetterprognose zum Wetter Winter 2021/2022. Was sich im Tagesverlauf für Veränderungen ergeben haben, erläutern wir heute Abend gegen 20:15 Uhr in einer Aktualisierung der Winterprognose.

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2022 +13,4 +0,1 -0,4 98,9 l/m² - zu nass
Oktober 2022 +12,53 +3,53 +3,13 49,5 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +11,7 +2,3 +1,3 546,5 l/m² - zu trocken
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