Aktuelle Weihnachtsprognose: Zusammenbruch des Polarwirbels oder die Westwetterlage?

Schnee, Eis und Frost zu Weihnachten? © Martin Bloch

Bringt ein Polarwirbelsplit den Winter zu Weihnachten nach Deutschland, oder bläst die atlantische Frontalzone milde Luft nach Europa? Der Störimpuls in Form eines Hochdrucksystems wird für das Weihnachtswetter definitiv zu einem Unruhestifter.

Sonnige Momente werden in den kommenden Tagen zahlreicher werden, doch mancherorts bleibt der Nebel zäh und es können sich Wolkenfelder mit untermischen, sodass gelegentlicher Sprüh- oder Nieselregen nicht ausgeschlossen werden kann. Sonst bleibt es trocken.

Zurückgehende Temperaturen

Die Temperaturen erreichen bis zum 4. Advent +4 bis +8 Grad und können über dem Nordwesten und Westen mithilfe des Sonnenscheins bis +12 Grad erreichen. Zum Start in die neue Woche gehen die Werte auf +0 bis +5 Grad zurück und können oberhalb etwa 400 bis 600 Meter in den Dauerfrostbereich absinken. In den Nächten ist ab dem Wochenende zunächst über dem Süden und Osten mit leichtem Nachtfrost zu rechnen, der sich zum Beginn der neuen Woche ach Nordwesten ausdehnen kann. Weitere Informationen in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter Dezember. In der Vorweihnachtszeit wird es kühler - aber reicht es für weiße Weihnachten?

Ein Hoch verlagert sich nach Westen und ermöglich über Deutschland den Zustrom kühlerer Luftmassen
Wetterprognose nach dem europäischen Vorhersage-Modell: Ein Hoch verlagert sich nach Westen und ermöglicht über Deutschland den Zustrom kühlerer Luftmassen
© www.meteociel.fr

Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells: So wird das nichts mit dem Schnee zum Fest

Erst waren die Amerikaner mit ihren Wetterprognosen um Weihnachten deutlich zu kalt und in der gestrigen Winterprognose zeigte sich eine Variante, die zu einer Zonalisierung hätte führen können. Das ist aber nur dann möglich, wenn das Hoch - das sich auf den Atlantik verlagert - nach Osten abkippt und so den Weg für die atlantische Frontalzone nach Mitteleuropa frei macht.

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Das Wetter in der Vorweihnachtszeit

Im Zeitraum vom 21. bis 23. Dezember stellt sich das Hoch auf dem Atlantik immer weiter in Richtung Island und Grönland auf und versucht eine Verbindung zum Hoch über Alaska und den Aleuten aufzubauen. Das mag aber nicht so recht gelingen

Gleichzeitig wird der aktive Teil des Polarwirbels über der Barentssee nach Süden abgeleitet. Durch den Umstand aber, dass das Hoch seine Achse nach Südosten - und nicht nach Süden - ausdehnt, wird der Trogvorstoß über das östliche Europa an Deutschland, Österreich und der Schweiz vorbeigeleitet.

Die Temperaturen sinken zwar mit -1 bis +4 Grad noch etwas ab und ab den mittleren Lagen ist mit Dauerfrost zu rechnen, doch ist - aufgrund der Hochdruckdominanz - nicht mit Niederschlag zu rechnen.

Das Weihnachtswetter

In der Zeit vom 24. bis 26. Dezember (Heiligabend - 2. Weihnachtsfeiertag) lässt sich die Hochdruckachse von einer kräftigen Tiefdruckdynamik auf dem Atlantik weiter nach Osten abdrängen und bis zum 2. Weihnachtsfeiertag positioniert sich das Hoch über Skandinavien.

Über Deutschland, Österreich und der Schweiz hat das über Weihnachten einen ruhigen und weitgehend trockenen Wettercharakter zur Folge. Lösen sich die nächtlichen Nebelfelder auf, kommt verbreitet die Sonne zum Vorschein und bei schwachen Windbewegungen erreichen die Temperaturen -2 bis +2 Grad. Über dem Süden und Osten kann sich verbreitet Dauerfrost einstellen und in den Nächten sinken die Werte auf -6 bis -1 Grad ab. Doch fehlt für eine weiße Weihnacht schlichtweg der Schnee.

So wird das nichts mit dem Schnee zum Fest - Das Hoch verlagert sich in der Weihnachtszeit vom Atlantik über Europa
Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell am 23. (li.) und 26. Dezember (re.): So wird das nichts mit dem Schnee zum Fest - Das Hoch verlagert sich in der Weihnachtszeit vom Atlantik über Europa
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Die Wettervorhersage der Europäer: Ein kaltes und verbreitet weißes Weihnachtsfest

Dass sich das Wetter über Weihnachten auch in eine komplett andere Richtung entwickeln kann, zeigt die Wetterprognose der Europäer, die einer weißen Weihnacht zunächst skeptisch gegenüberstanden, heute aber eine Variante berechnen, bei der es für den Winter gar nicht besser laufen kann.

Der Winter nimmt Anlauf

Im Zeitraum vom 21. bis 23. Dezember dringt das Hoch auf dem Atlantik immer weiter in den Polarwirbel hinein vor und baut eine Querverbindung zum Kontinentalhoch über Sibirien auf. Das hat zur Folge, dass der aktive Teil des Polarwirbels nicht über das östliche Europa nach Süden abgeleitet wird, sondern in Richtung Deutschland, Österreich und der Schweiz zieht. Die Temperaturen gehen bis zum 23. Dezember auf -4 bis +0 Grad zurück und können über den tieferen Lagen über dem Süden und Westen bis +3 Grad in den positiven Bereich ansteigen. Mit leichtem Schneefall ist über den östlichen Bundesländern zu rechnen.

Polarwirbelsplit mit Arctic Outbreak zu Weihnachten?

Dahinter muss ein großes Fragezeichen gesetzt werden. Die aktuelle Wetterprognose der Europäer aber will es so haben. Das Hoch dehnt sich zwischen Island und Grönland immer weiter aus und zieht an seinem südlichen Gradienten den Trog von der Barentssee über Skandinavien in Richtung Deutschland, England und Frankreich.

Im Zeitraum vom Heiligabend bis zum 2. Weihnachtsfeiertag fluten die kalten Luftmassen Deutschland, Österreich und die Schweiz, was die Temperaturen über die Weihnachtsfeiertage auf -4 bis +0 Grad absinken lässt. Da die kalte Luft aber auf die warme Mittelmeerregion und den Atlantik trifft, nimmt die Tiefdruckdynamik zu. Wolken schieben sich vor die Sonne und es kommt zu zeitweiligem - meist leichtem Schneefall. In der Nacht können die Temperaturen auf -9 bis -2 Grad absinken. Weiße Weihnachten sind möglich.

Ob es zu einem Polarwirbelsplit kommt, bleibt abzuwarten, doch wird der aktive Teil des Polarwirbels weit nach Süden geführt
Wetterprognose nach einzelnen Kontrollläufen: Mithilfe eines Polarwirbelsplits sind über Weihnachten tiefwinterliche Varianten möglich
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Polarwirbelsplit?

Wie wir seit Tagen immer wieder betonen, ist das Vordringen des Hochdrucksystems in den Polarwirbel hinein für den Winter Chance und Risiko zugleich und auch wenn der Wettertrend der Europäer einen für den Winter nahezu optimalen Verlauf hat, so sollte man sich die Wetterkarte noch einmal genauer anschauen. Man kann gar nicht so schnell schauen, wie sich daraus eine Zonalisierung ergeben kann.

Der Grund hierfür ist denkbar einfach. Das Hoch verliert seine Hochdruckachse nach Süden und bietet der atlantische Frontalzone eine breite Angriffsfläche, um sich mit dem Wirbel über Europa zu verbinden und geschieht das, so spielt das Hoch bei Island und Grönland keine große Rolle mehr.

Andererseits ist das Hoch innerhalb des Polarwirbels ein mächtiger Störimpuls, der unter bestimmten Voraussetzungen dem Wirbel selbst noch ordentlich zusetzen und zu einem vollständigen Zusammenbruch des Polarwirbels führen kann. Wir haben die extremen Varianten einmal gegenübergestellt.

Links die beiden Varianten, die zu einer Zonalisierung führen können. Rechts ein Polarwirbelsplit mit einem völlig desolaten Polarwirbel
Wetterprognose nach einzelnen Kontrollläufen am 24. Dezember: Links die beiden Varianten, die zu einer Zonalisierung führen können. Rechts ein Polarwirbelsplit mit einem völlig desolaten Polarwirbel
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Auf den Punkt gebracht: Weihnachten im Schnee?

Die Vorhersage-Modelle sind in ihrer Weihnachtsprognose genauso konträr, wie die Kontrollläufe und ermöglichen zum aktuellen Stand noch ein breites Entwicklungsspektrum.

Temperatursturz kurz vor Weihnachten

Die milde Wetterlage findet zum 20./21. Dezember ihr Ende. In der Höhe von 1.400 Meter sackt das Temperaturspektrum von +8 Grad auf -6 Grad ab. Das ist ordentlich - doch auch nachhaltig?

Temperatursprung zu Weihnachten

Im Vergleich zu den letzten 24 Stunden sind die Kontrollläufe heute - deutlich - milder geworden. Das Temperaturspektrum reicht von Heiligabend bis zum 2. Weihnachtsfeiertag in der Höhe von 1.400 Meter von -8 bis +5 Grad und pendelt sich über dem Norden auf -5 Grad, über dem Osten auf -6 bis -7 Grad, über dem Westen auf -2 bis -4 Grad und über dem Süden auf +0 bis -3 Grad ein. Zum Vergleich: für Winterwetter bis auf tiefere Lagen herab sollten die Höhentemperaturen zwischen -5 bis -7 Grad liegen und für weiße Weihnachten bis auf mittlere Lagen herab, sollten die Werte zwischen -4 und -6 Grad betragen. Gerade über dem Süden bedeutet die Wetterprognose der Kontrollläufe eine grüne Weihnacht und zeigt, dass am Trend der Zonalisierung etwas dran ist und dieser beachtet gehört.

Kurz vor Weihnachten wird es kälter (li.), doch lauert die Zonalisierung über Weihnachten (re.)
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Kurz vor Weihnachten wird es kälter (li.), doch lauert die Zonalisierung über Weihnachten (re.)
© www.meteociel.fr

Die Weihnachtsprognose der Wettermodelle
Tag Spektrum Temperatur Wetter
24. Dezember - Heiligabend -6 bis
+8 Grad
+1 bis
+3 Grad
Leichter Niederschlag
25. Dezember - Erster Weihnachtsfeiertag -6 bis
+12 Grad
+2 bis
+4 Grad
Leichter Niederschlag
26. Dezember - Zweiter Weihnachtsfeiertag -8 bis
+12 Grad
+2 bis
+4 Grad
Leichter Niederschlag

Große Unsicherheiten

Man sieht, dass nichts gesichert ist. Zwischen Vollwinter, einem ruhigen Hochdruckwetter und einer Zonalisierung ist alles möglich. Die kommenden Stunden werden zeigen, wohin sich der Wettertrend geht. Was sich im Tagesverlauf für Varianten ergeben haben und welche Großwetterlage daraus als Favorit hervorgeht, erläutern wir heute Abend in einer Aktualisierung der Wetterprognose zum Wetter Winter 2021/2022 gegen 20:15 Uhr.

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2021 +10,4 -1,4 -2,4 96 l/m² - zu nass
Juni 2021 +18,6 +3,6 +2,6 94 l/m² - etwas zu nass
Juli 2021 +18,4 +1,4 +0,0 103 l/m² - zu nass
August 2021 +16,5 -0,06 -1,4 102 l/m² - zu nass
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +5,0 +2,4 +1,1 208,7 l/m² - zu trocken
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