Schnee zum Fest? So stehen die Chancen auf weiße Weihnachten

Schnee, Eis und Frost zum Weihnachtsfest 2021? © Martin Bloch

Schnee, Eis und Frost zum Fest? Elf Jahre ist das bereits her, als es über Deutschland an den Weihnachtsfeiertagen zu einer nahezu geschlossenen Schneedecke kam. Es ist also mal wieder an der Zeit, doch wie sieht die aktuelle Entwicklung aus - sind weiße Weihnachten möglich?

Nasskaltes Wetter ist in den kommenden Tagen zu erwarten und insbesondere in den Nächten ist auch über tieferen Lagen mit Schneefall zu rechnen, der regional noch den Vormittag in Form einer Schneedecke überdauern kann. Länger bleibt der Schnee ab Höhenlagen von 400 bis 600 Meter liegen und bis zum Wochenende kann jeden Tag noch etwas Neuschnee hinzukommen (Schneeprognose). Wie wir immer so schön zu sagen pflegen: Nasskaltes Wetter mit winterlichen Ambitionen, denn zu einem richtigen Wintereinbruch fehlt noch ein ganzes Stück. Kommt dieser aber vielleicht zu Weihnachten?

Kommt der Winter?

Der Wettertrend der letzten Tage bestätigte - trotz einiger Unsicherheiten - immer wieder auf das Neue eine Milderung für die zweite Dezemberdekade, die sich heute im Tagesverlauf gleich mehrfach bestätigt hat. Es führt somit kein Weg an einer Milderung vorbei und die nasskalte Witterung endet mit dem 12. Dezember. Bis zum 24. Dezember (Heiligabend) ist es aber noch ein ganzes Stück und da kann noch viel passieren.

Das wird richtig warm

Als Beispiel wollen wir heute einmal die Wetterprognose der Amerikaner nehmen, die heute Morgen noch eine nach Norden verschobene Hochdruckzone berechneten, die mit einem Displacement des Polarwirbels zu einer Ostwetterlage geführt hätte. Winterliche Temperaturen wären demnach möglich gewesen, doch mit dem Blick auf die Kontrollläufe wurde schnell klar, dass es sich um einen kalten Ausreißer handelte. Heute Abend nun wurde die kalten Varianten einkassiert und die Amerikaner wechseln auf mild bis supermild.

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Die Temperaturen können bspw. am 18. Dezember +4 bis +8 Grad und mit Sonnenschein bis +12 Grad betragen. Das ist im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert um +4 bis +6 Grad zu warm - deutlich zu warm. Gestützt wird diese Milderung im Übrigen auch von den Kontrollläufen, sodass es daran kaum mehr Zweifel gibt. Um es noch deutlicher zu machen: der Mittelwert aller Kontrollläufe liegt am 17. Dezember um +2 bis +4 Grad im zu warmen Bereich und die Temperaturen in 1.400 Meter Höhe betragen bis zu +4 Grad. Zum Vergleich: damit ein Wintereinbruch bis auf tiefere Lagen überhaupt in Erwägung gezogen werden kann, müssten die Höhentemperaturen im Bereich zwischen -5 und -7 Grad liegen. Anders formuliert ist das Temperaturspektrum dem Frühling näher als dem Winter und das zum Beginn der Vorweihnachtszeit!

Alle Hoffnungen auf Schnee an Weihnachten begraben?

An Weihnachten selbst noch nicht - dafür ist es in der Tat noch zu lange hin, doch sieht es danach aus, als ob der Winter in der Vorweihnachtszeit einen klaren Rückzieher macht, wenn man überhaupt von einem Rückzieher sprechen kann, denn verbreitet gab es in über Deutschland in der Wintersaison 2021/22 noch keinen Winter.

Schaut man sich die Großwetterlage bis zum 20. Dezember nach den Kontrollläufen und nach dem Wettermodell der Amerikaner an, so erkennt man den Grund der Milderung und das ist ganz klar die Reaktivierung der atlantischen Frontalzone mithilfe eines gewaltigen Kaltluftvorstoßes über dem östlichen Kanada, was die Tiefdruckdynamik auf dem Atlantik regelrecht explodieren lässt.

Und je gewaltiger die Tiefdrucksysteme auf dem Atlantik toben, desto kräftiger wird die Gegenreaktion des Hochdrucksystems ausfallen und da diesem eine Daseinsberechtigung auf dem Atlantik verwehrt wird, wölbt es sich eben über Europa auf und wird zu dem besagten Betonhoch, das wir in den letzten Tagen immer wieder einmal erwähnt haben.

Die atlantische Frontalzone explodiert auf dem Atlantik regelrecht, während sich über Europa ein Hochdrucksystem aufbauen kann
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufen (li.) und dem amerikanischen Wettermodell (re.): Die atlantische Frontalzone explodiert auf dem Atlantik regelrecht, während sich über Europa ein Hochdrucksystem aufbauen kann
© www.meteociel.fr

Wie kann es aber mit dem Winter zu Weihnachten doch noch was werden?

Gleich vorweg - weiße Weihnachten ist ein Ereignis, dass in 100 Jahren 11 Mal vorkommt. Mit der Klimaerhitzung wird das noch seltener der Fall sein, was man in der Statistik ganz klar erkennen kann. Es muss also schon was ganz besonders passieren, damit Schnee zu den Weihnachtsfeiertagen möglich werden kann.

Wir haben uns einmal umgeschaut und die Wetterentwicklungen herausgesucht, die vom Ablauf der kommenden Entwicklung sehr ähnlich sind, aber in Richtung Weihnachten den Winter zur Folge haben können.

Der Polarwirbelsplit

Ja, wir haben dieses Phänomen der Teilung des Polarwirbels bereits gestern behandelt, möchten das aber noch einmal erwähnen, da diese Variante in der Zwischenzeit weiteren Zuspruch erhalten hat. Dass ein Polarwirbelsplit aber nicht immer zu winterlichen Bedingungen führen muss, zeigt sich in der folgenden Gegenüberstellung der Varianten. Genauer gesagt führt nur eine der Varianten zu einem Wintereinbruch über Deutschland.

Die Verschiedenen Variationen eines Polarwirbelsplits
Die Verschiedenen Variationen eines Polarwirbelsplits
© www.meteociel.fr

Gibt es Hinweise auf einen Polarwirbelsplit?

So ein Split bedeutet immer eine Schwächung des Polarwirbels, der sich - in der Regel - sieben Tage vorher schon erkennen lässt. Und ja, ganz vorsichtig - wirklich vorsichtig - kann man einen langsam negativ werdenden AO-Index in der Vorweihnachtszeit erkennen. Der AO-Index ist so etwas wie der Indikator vom Zustand des Polarwirbels. Im Zeitraum vom 10. bis 16. Dezember ist dieser Wert ausgesprochen positiv und die Folgen daraus sind bereits weiter oben beschrieben worden.

Ein zweiter Hinweis ist der NAO-Index, der das Verhältnis von Azorenhoch zu Islandtief beschreibt. Damit ein für Europa winterlicher Polarwirbelsplit - oder zumindest ein Trog - möglich ist, sollte sich auf dem Atlantik ein Hoch nach Island aufstellen und die atlantische Frontalzone nicht nur stören, sondern vollständig blockieren und so ein meridionales Strömungsmuster herbeiführen. Kurzum müsste der NAO-Index negativ werden und tatsächlich gibt es - sogar mehrheitlich - neutrale bis negative Berechnungen. Das wird bis Weihnachten noch eine spannende Angelegenheit werden können.

Der Stratosphärenwirbel

Das schwache Minor-Warming wird für den 22. Dezember bestätigt. Das wird aber keinerlei Auswirkungen auf das Wetter - geschweige denn für das Weihnachtswetter haben. Warum? Ein Minor-Warming kommt im Verlauf des Winters häufiger vor und es reicht nicht aus, um die unteren Luftschichten zu beeinflussen. Da passiert nichts. Sollte sich bis Weihnachten bspw. ein Major-Warming in Stratosphärenhöhe entwickeln können, so wird dies um 7 bis 14 Tage zeitversetzt in den unteren Luftschichten Wetterwirksam und spielt somit für das Wetter zum Fest keine Rolle. Das kann man vorerst abhaken.

Bis zum 18. Dezember zeigt sich der Stratosphärenwirbel frei von Störungen (li.) und erst zu Weihnachten deutet sich ein schwaches und nicht wetterwirksames Minor-Warming ab (re.)
Bis zum 18. Dezember zeigt sich der Stratosphärenwirbel frei von Störungen (li.) und erst zu Weihnachten deutet sich ein schwaches und nicht wetterwirksames Minor-Warming ab (re.)
© www.meteociel.fr

Der ganz weite Blick in die Zukunft - die Wetterprognose Weihnachten 2021 nach den Kontrollläufen

Schaut man sich das - mögliche - Temperaturspektrum über die Weihnachtsfeiertage nach dem heutigen Stand an, so liegen die Werte über dem Westen und Norden zwischen +2 bis +5 Grad und über dem Osten und Süden zwischen +2 bis +4 Grad. Diese Prognosen entstammen dem direkten Modelloutput und zeigt, was mit den heutigen Daten für ein Wetter an Weihnachten möglich wäre. Das ist mit einer hohen Ungenauigkeit behaftet und wird sich noch mehrfach ändern können.

Die Weihnachtsprognose der Wettermodelle
Tag Temperatur Wetter
24. Dezember - Heiligabend +2 bis
+5 Grad
Leichter Niederschlag
25. Dezember - Erster Weihnachtsfeiertag +2 bis
+4 Grad
Leichter Niederschlag
26. Dezember - Zweiter Weihnachtsfeiertag +2 bis
+4 Grad
Leichter Niederschlag

Auf den Punkt gebracht: Weiße Weihnachten?

Würde man heute mit den aktuellen Wetterkarten das Fazit für das Wetter an Weihnachten ziehen müssen, so wäre auch im elften Jahr hintereinander kein weißes Weihnachtsfest zu erwarten. Zwar ist die aktuelle Wetterlage mit einem Trog und einer meridionalen Struktur absolut top für eine winterliche Wetterlage, doch dieses Kippmuster auf dem Atlantik treibt einem Winterfan tiefe Sorgenfalten auf die Stirn. Mal sehen, wie sich das in den kommenden Tagen weiterentwickelt.

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2021 +16,5 -0,06 -1,4 102 l/m² - zu nass
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +10,3 +2,4 +1,2 355 l/m² - extrem zu trocken
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