Schnee zum Fest oder doch wieder Tauwetter? Das Wetter stellt sich in den kommenden Tagen in eine frühwinterliche bis nasskalte Wetterlage um. Örtlich sind auch Schneeschauer zu erwarten und für mittleren Lagen zeigt sich eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für die Ausbildung einer Schneedecke.

So ist es nicht verwunderlich, dass wir vermehrte Anfragen erhalten, ob wir nicht die Wetterprognose zum Wetter Weihnachten 2018 aktualisieren können? ist ja schon eine Weile her. Was zu diesem Zeitpunkt nicht geht, ist eine detaillierte Wettervorhersage für das Weihnachtsfest zu machen. Dafür ist es noch zu lange hin. Details sind aufgrund unsicherer Großwetterlagen häufig noch nicht einmal ein bis zwei Tage vor Heiligabend möglich. Was wir aber machen können, sind erste Gedankenspiele und Theorien rund um das Weihnachtwetter aufzustellen. Diese ersten Gedankenspiele werden in den kommenden Tagen und Wochen bis zum 24. Dezember durch Wettertrends, Wetterprognosen und letztlich von Wettervorhersagen ergänzt, bzw. fortgeführt werden. Die Fragestellung lautet: Weiße Weihnachten 2018 - ja oder nein - was lässt sich zum heutigen Stand erkennen?

Ein Traum vieler Menschen - Weiße Weihnachten 2018
Ein Traum vieler Menschen - Weiße Weihnachten 2018 © Martin Bloch

Statistik: Schnee ist selten

Geht es nach der Wahrscheinlichkeit, so ist in den Niederungen eine geschlossene Schneedecke über die Weihnachtsfeiertage in nur rund 12 Prozent der Fälle möglich. Anders formuliert sind nur alle 8,5 Jahre weiße Weihnachten zu erwarten. Letztmalig war das 2010 der Fall. Anders sieht es in den mittleren Lagen (400 bis 800 Meter) aus, da liegt die Wahrscheinlichkeit bei rund 15 bis 50 Prozent (etwa alle 2 bis 7 Jahre, je nach Höhenlage) und in den südlichen und östlichen Regionen sind etwa alle 3 Jahre Schnee an Weihnachten möglich.

Parallelen 2010

Dieses Thema greifen wir in den letzten Tagen häufiger mal auf, da die Parallelen zum damaligen Dauerschneefall zu den Feiertagen auffällig sind. Damals gab es an Heiligabend eine geschlossene Schneedecke in fast ganz Deutschland zu bestaunen. Örtlich mit 30 cm und mehr. Vorausgegangen war eine Entwicklung der Großwetterlage, welche der aktuellen sehr ähnlich ist. Damals war der November ebenfalls sehr warm, bevor am 20. November ein Kälteeinbruch über Deutschland erfolgte und bis Ende Dezember anhielt. Verantwortlich hierfür war eine ausgeprägte Erhaltungsneigung, ausgehend von einem Hochdrucksystem zwischen Island und Grönland. Nachfolgend die Prognose-Karte des amerikanischen Vorhersage-Modells von heute:

Gestörte Zirkulation 2018

Berechnung der Großwetterlage nach dem amerikanischen Prognose-Modell: Gestörte Zirkulation 2018 © www.meteociel.fr

Vergleicht man diese Vorhersage-Karte mit dem Archiv aus dem Jahre 2010, so zeigen sich erstaunliche Parallelen. Auch damals wurde Ende November eine ganz ähnliche Großwetterlage berechnet. Am Ende war der Dezember 2010 um -4,5 Grad gegenüber dem langjährigen Mittelwert zu kalt ausgefallen. Der Haken daran: Das Wetter hält sich selten an Ähnlichkeiten oder Statistiken. Auffällig aber ist es allemal und eine solch ausgeprägte Störung des Zirkulationsmusters gibt es nicht alle Tage.

Gestörte Zirkulation 2010

Berechnung der Großwetterlage nach dem amerikanischen Prognose-Modell aus dem Archiv: Gestörte Zirkulation 2010 © www.meteociel.fr

Alle 8,5 Jahre Schnee

So der Durchschnitt, wann es an Weihnachten Schneefall, bzw. eine Schneedecke gibt. Die letzten Winter waren aber allesamt deutlich zu warm und mit Schnee über die Feiertage war nicht zu denken, auch wenn es in manchen Jahren recht knapp war. Lange rede kurzer Sinn - man kommt nun wieder in einen Bereich, wo es nach der Statistik über die Festtage wieder schneien sollte.

Langfristmodell: Dezember wird kälter berechnet

Noch eine gute Nachricht für alle die sich Schnee zu Weihnachten wünschen. Die aktuelle Wetterentwicklung hinterlässt ihre Spuren im Wettertrend des Langfristmodells. Über Wochen hinweg wurde des Dezember mit einer Abweichung von +1 bis teilweise +3 Grad deutlich zu warm berechnet. Seit Tagen aber erfolgen Korrekturen - und zwar nach unten. Zum aktuellen Stand soll das Wetter Dezember 2018 mit einer Abweichung von -0,5 bis +0,5 Grad gegenüber dem langjährigen Mittelwert normal ausfallen. Entlang der Alpen zeigt sich im Trend mit einer Abweichung von +1 Grad eine leicht zu milde Entwicklung.

Eine normale Entwicklung ist nach den zuletzt viel zu warmen Monaten (darunter zwei Rekordmonate) schon etwas Besonderes. Aber auch in der Niederschlagsentwicklung scheint der Bann der ewig zu trockenen Monate gebrochen werden zu können. Die aktuelle Niederschlagsprognose ist gegenüber dem vieljährigen Sollwert unauffällig und im Trend leicht zu nass.

Das lässt keinen direkten Rückschluss auf das Wetter an Weihnachten 2018 zu. Doch erhöht ein potentiell normaler Monat eben die Chancen auf Schneefall und die Ausbildung einer Schneedecke. Die Durchschnittstemperatur liegt im Dezember bei rund +0,8 Grad (Durchschnitt Tag- & Nachtwerte).

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Kein Schnee zum Fest

Kommen wir zu den Punkten, die Schnee an Weihnachten weniger wahrscheinlich machen. Dazu zählt in erster Linie der Klimawandel. Betrachtet man die letzten 20 Jahre, so wurden die Dezembermonate im Schnitt um +1 Grad wärmer als der langjährige Mittelwert. Betrachtet man die letzten 10 Jahre, so waren der Dezember im Schnitt um +1,3 Grad zu warm. Eine Abweichung von 1,3 Grad bedeutet, dass die Schneefallgrenze etwa um 150 Meter angehoben wird. Das macht einen Flachlandwinter weniger wahrscheinlich. Anders formuliert war in den letzten 10 Jahre der Dezember in 70 Prozent der Fälle zu warm, 20 Prozent normal und in nur 10 Prozent zu kalt.

Ein weiterer - nicht unwichtiger Punkt - ist die Wettersingularität des Weihnachtstauwetters. Egal wie viel Schnee vorher lag, eine kräftige West- bis Südwestströmung sorgte nicht selten für milde Temperaturen und kräftiges Tauwetter bis in höhere Lagen

Weiße Weihnachten 2018?

Was ist unsere Wetterprognose? Bislang ist das nicht mehr als ein Bauchgefühl und mehr ist aktuell auch nicht möglich. Doch das Wetter hat uns seit Februar 2018 immer wieder überrascht. Grund war das Major-Warming in Stratosphärenhöhe, welches unserer Meinung nach auch für die sehr imposante Erhaltungsneigung im Jahr 2018 mit immer wiederkehrenden Hochdrucksystemen über dem skandinavischen Raum verantwortlich war und für diese lang anhaltenden Hitze- und Dürreperioden sorgte. Es wird nun sehr stark darauf ankommen, ob sich eine Erhaltungsneigung (kaltes Wetter, weniger Niederschlag), oder ein Ausgleichsverhalten (nass und milder) einstellen wird. Je nachdem was kommt, sind weiße Weihnachten 2018 möglich oder auch nicht. Wir tendieren dazu, dass es eine knappe Kiste wird. Jedenfalls sind die Voraussetzungen (auch geringe Sonnenaktivität) in diesem Jahr deutlich besser wie in den letzten Jahren.

In den kommenden Tagen aktualisieren wir unseren Wettertrend in zunächst unregelmäßigen Abständen. Ende November und Anfang Dezember erfolgen in regelmäßigen Abständen aktuelle Wettervorhersagen zum Wetter Weihnachten 2018. Die nächste Aktualisierung erfolgt heute Abend gegen 20:00 Uhr in der Wetterprognose Winter 2018/19.

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