Für den Zeitraum vom 12./17. Dezember berechnen die Wettermodelle - auch heute Nachmittag - eine Hochdruckposition im Bereich über Mitteleuropa, mit der Tendenz den Hochdruckkern über Deutschland zu positionieren. In Folge dessen würden weite Teile des zweiten Dezember-Drittels von einem zu Nebel und Hochnebel neigenden Wettercharakter dominiert werden können. Bei den Temperaturen käme es im Detail darauf an, wie sich das Hochdrucksystem positioniert, denn das wäre wiederum entscheidend, aus welcher Richtung die bodennahen Luftmassen herangeführt werden können.

Für tiefere Lagen ist bei einem Hochdrucksystem im Winter die simulierte Höhentemperatur weniger wichtig. Warum? Diese liegt bspw. am 17. Dezember in ca. 1.500 Meter Höhe zwischen +4/+8 Grad. "Normalerweise" sagt man, dass im Winter die Temperatur um +0,6 Grad je 100 Meter Höhenunterschied nach unten zunimmt. So könnten die Höchstwerte am 17. Dezember auf Meereshöhe rein rechnerisch zwischen +13/+17 Grad liegen. Tatsächlich liegen diese in der Simulation bei -1/+8 Grad, was u.a. an der Hochdruckposition liegt und mit Hilfe der Inversion die oberen Luftschichten mild/warm und darunter liegenden Luftschichten verhältnismäßig kühler bleiben können. Alles in allem ist und bleibt das Ganze unwinterlich und schmälert die Chancen/Wahrscheinlichkeiten auf eine weiße Vorweihnachtszeit.

Welche Auswirkungen kann das auf das Wetter an Weihnachten haben? Zwei Optionen: entweder es kommt zu einem "Betonhoch", welches sich über Tage bis Wochen über Deutschland halten kann, oder das Hochdrucksystem verhält sich "fluide" und weicht nach Westen oder Osten aus. Weicht es nach Osten aus, so wäre mit einem milden Südwestwetter zu rechnen, weicht es nach Westen aus, so wären winterliche Optionen möglich.

Das amerikanische Wettermodell berechnete heute Morgen und heute Mittag jeweils eine Variante, bei der sich das Hochdrucksystem nach Westen auf den Atlantik positionieren könnte und zugleich den Tiefdrucksystemen über Skandinavien die Möglichkeit eröffnet, sich nach Süden auszudehnen. Mit anderen Worten handelt es sich bei dieser Simulation bis kurz vor Weihnachten um eine Trogwetterlage Mitteleuropa, welche weiße Weihnachten zumindest mal in den optional möglichen Bereich stellen.

Führt man die Berechnungen des amerikanischen Wettermodells bis Weihnachten weiter, so würde sich der Trog aber nicht lange halten können. Das Hochdrucksystem kippt mit seiner von Nord nach Süd gerichteten Hochdruckachse auf eine von West-Ost verlaufenden Hochdruckachse weg, so dass von Atlantik her sich mildere Luftmassen kurz vor Weihnachten durchsetzen könnten. So liegen - zum heutigen Stand - die simulierten Tageshöchstwerte an Heilig Abend zwischen +4/+12 Grad, am 1. Weihnachtsfeiertag zwischen +0/+5 Grad und am 2. Weihnachtsfeiertag zwischen -2/+5 Grad. Weiße Weihnachten bis in tiefere Lagen wären zum heutigen Stand und nach dieser Simulation weniger wahrscheinlich.

Wie ist das zu bewerten - ist eine grüne Weihnacht gesichert? Von gesichert kann 17 Tage vor Eintreffen nicht die Rede sein, bis dahin kann noch viel passieren - vor allem beim Wetter und hinsichtlich der unsicheren Hochdruckposition. Und auch der Polarwirbel hat da noch etwas mit zu bestimmen. So strebt in den Simulationen das Hochdrucksystem über den Aleuten immer wieder einmal in Richtung Nordpolzentrum vor. Hypothetisch wäre demnach auch ein kompletter Durchbruch zum Hoch über Mitteleuropa nicht auszuschließen, was zu einer Dipolausbildung des Polarwirbels und letztlich zu einem Polarwirbelsplit führen kann. In Folge daraus wäre die Karten gänzlich neu zu mischen. Der AO-Index - welcher den Zustand des Polarwirbels beschreibt - hat heute bei einer Skala von 6/-6 einen Spread von 4/-4 vorzuweisen und liegt im Trend im normalen bis negativen Bereich. Es bleibt also spannend, ob sich der Polarwirbel im zweiten Dezember-Drittel stabilisieren kann oder nicht.

Warum wäre das wichtig für das Wetter Weihnachten? Ein stabiler Polarwirbel hat intakte zonale Winde von West nach Ost zur Folge, was wiederum westlich orientierte Großwetterlagen an Weihnachten wahrscheinlicher machen kann. Diese können dann mit einer Nordwestwetterlage im nasskalten, oder mit einer südwestlichen Grundströmung auch im milden bis warmen Bereich liegen. Ein instabiler Polarwirbel neigt zu Wellenbewegungen entlang der Polarfront, so dass häufiger ein meridionales Grundmuster vorliegt (Trog). Es würde im Detail noch auf die exakte Position des Troges ankommen, häufiger sind es im Winter aber nasskalte Nordwest- bis kalte bis Nordwetterlagen.

Und wie stehen zum heutigen Stand die Chancen auf weiße Weihnachten? In der theoretischen Betrachtungsweise stünden die Chancen auf weiße Weihnachten bei etwa 50 Prozent - berücksichtigt man jetzt noch die Singularität des Weihnachtstauwetters, so sinken die Chancen auf etwa 20-30 Prozent in mittleren Lagen und auf 10-20 Prozent in tieferen Lagen ab, was auch dem statistischen Mittelwert entspricht. Veränderungen sind in den nächsten Tagen aber vorprogrammiert. Die nächste Aktualisierung erfolgt heute Abend gegen 20:45 Uhr in einer kurzen Aktualisierung der Wetterprognose zum Wetter Winter 2016/17.



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