Der Winter hat es auch in 2015 nicht leicht - immer wieder strömen kalte Luftmassen über dem östlichen Kanada in Richtung Neufundland und fachen die Tiefdruckproduktion immer wieder von neuem an. Die Zugbahn ist zumeist die gleiche - Neufundland, Island/England bis nach Skandinavien. Deutschland liegt somit auf der südlichen Gradientenseite der Tiefdrucksysteme, so dass sich daraus eine zumeist milde bis warme Südwestwetterlage entwickeln kann. So ist es kaum verwunderlich, dass das erste Dezember-Drittel nach der aktuellen Wettervorhersage zu mild bis zu warm ausfallen wird.

Etwas spannender bleibt da die Wetterentwicklung zum Beginn des zweiten Dezember-Drittels (s. Wetterprognose Winter), bei der sowohl kühle als auch milde Wetterentwicklungen in Aussicht gestellt werden. Insbesondere die Position des Hochdrucksystems spielt eine maßgebliche Rolle, ob sich das Wetter im Verlauf des zweiten Dezember-Drittels in Richtung nasskalt/kalt oder weiterhin mild/warm entwickeln kann.

Um das Wetter, bzw. das Temperaturverhalten für die Vorweihnachtszeit bis zum 18. Dezember zu beschreiben, ziehen wir die Verhältnisse der Kontrollläufe von zu kalt (<-1) / normal (+0/+5) / zu warm (>+6) heran, welche am 14. Dezember bei 10/40/50 und am 18. Dezember bei 10/30/60 liegen. Das ist und bleibt eine ernüchternde Ausgangssituation für das zweite Dezember-Drittel für alle, die sich sehnlichst den Winter mit viel Schneefall herbei wünschen.

Rein statistisch gesehen ist es durchaus normal, dass die ersten 10 Dezember-Tage zu mild ausfallen, ebenso normal, dass häufig in den zweiten 10 Dezember-Tagen ein Wintereinbruch nachfolgt, welcher pünktlich vor/um Weihnachten herum von der Singularität des Weihnachtstauwetter "hinweggefegt" wird.

Das scheint - zumindest zum heutigen Stand - in 2015 etwas anders zu sein. Denn nach den aktuellen Wetterprognosen fallen die ersten 18 Dezember-Tage zu mild, bzw. leicht zu mild aus und auch das Langfristmodell korrigiert seine Wetterprognose für Dezember etwas nach oben und simuliert einen Temperaturüberschuss gegenüber dem Langjährigen Mittelwert von +1/+3 Grad (zuvor +1/+2 Grad) - auch das ist für Freunde des Winterwetters nicht gerade ermutigend und zeigt, dass der Temperaturüberschuss allenfalls noch durch das letzte Dezember-Drittel abgemildert oder etwas abgebaut werden könnte.

Und das bringt uns in den noch immer spekulativen Bereich der Gedankenspiele, wie das Wetter vor, bzw. um Weihnachten sich entwickeln und ob sich daraus auch weiße Weihnachten ergeben könnten. In der ersten Variante kann man davon ausgehen, dass eine aktive West- bis Südwestwetterphase nicht ewig anhalten wird, bzw. auch von Schwankungen unterbrochen werden kann. Im Wesentlichen unterscheidet man zwischen Erhaltungsneigung und Ausgleichsverhalten. Der kritische Punkt zwischen beiden ist die Unterscheidung, wann welche Phase Eintritt - denn auch in der warmen Erhaltungsneigung sind kühle Zwischenphasen möglich. Halten die kühlen Phasen aber über einen längeren Zeitraum an, so kommt es zur Übergangsphase des Ausgleichsverhaltens. Was ist eine Erhaltungsneigung, bzw. Ausgleichsverhalten? Kurz und knapp an einem Beispiel beschrieben: ist es lange Zeit mild und nass, folgt eine trockene und kühle Wetterphase nach. Und solch eine Möglichkeit des Ausgleichsverhalten besteht mit fortschreitender Dauer der milden West- bis Südwestwetterlage durchaus für das letzte Dezember-Drittel.

In der zweiten Variante dominiert die Erhaltungsneigung, wie es bspw. auch in den letzten beiden Wintern der Fall war. Allerdings mit dem Unterschied, dass im letzten Winter die Zeit nach Weihnachten bis zum neuen Jahr vielerorts eine Schneedecke vorzufinden war und weiße Weihnachten nur knapp verfehlt wurden. Im Fall einer weiter andauernden Erhaltungsneigung wäre auch das letzte Dezember-Drittel davon betroffen und Weihnachten 2015 würde mit höherer Wahrscheinlichkeit grün ausfallen.

Die Indikatoren von AO- und NAO-Index, welche auf winterliche Witterungsverhältnisse hindeuten können, bleiben im zweiten Dezember-Drittel weitgehend im positiven Bereich, lediglich der AO-Index, welcher - vereinfacht ausgedrückt - den Zustand des Polarwirbels beschreibt, hat eine Tendenz zu einer Neutralität ab dem 15./16. Dezember. Es ist also noch vieles möglich und aufgrund der spannenden Wetterentwicklung zum zweiten Dezember-Drittel erfolgt heute Abend gegen 20:45 Uhr eine Aktualisierung der Winterprognose.

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