Wetteraussichten: Die Schafskälte bleibt zu Pfingsten optional

Die Schafskälte zu Pfingsten?

Kommt die Schafskälte zu Pfingsten, oder setzt sich ein Sommerhoch durch? Beides ist möglich und vieles hängt davon ab, wo sich ein Hochdrucksystem positioniert.

Abkühlung. Mit den gestrigen Unwettern hat sich ein Luftmassenaustausch ergeben. Die Temperaturen erreichen heute noch +18 bis +24 Grad und örtlich bis +26 Grad und gehen in den kommenden Tagen noch etwas weiter zurück. Das Wetter normalisiert sich etwas und der Sommer hat vorerst einen Dämpfer erhalten.

Unbeständiges Wetter

Bei starker bis wechselnder Bewölkung kommt es ab Montag zu nennenswerten Niederschlag, der sich nach Osten ausdehnt und bis zur Wochenmitte immer wieder für Schauer sorgen kann. Regional können die Schauer kräftiger ausfallen und von Gewittern begleitet werden. Der Wind frischt weiter auf und kann zur Wochenmitte über den Küsten von Nord- und Ostsee stürmisch aus nordwestlichen Richtungen kommen. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter Mai 2022.

Ein unbeständiger und nur mäßig warmer Wettercharakter
Wetterprognose nach dem europäischen (li.) und amerikanischen (re.) Vorhersage-Modell: Ein unbeständiger und nur mäßig warmer Wettercharakter © www.meteociel.fr

Vollständig gestörtes Zirkulationsmuster

In der Wetterprognose der Vorhersage-Modelle zeichnete sich in den letzten Tagen ein zunehmend einheitliches Muster ab. Eine hohe Wellenbewegung entlang der Polarfront und je weiter das Hoch nach Norden aufkeilt und die Tiefdrucksysteme nach Süden austrogen, desto gestörter zeigt sich die Zirkulation. Als gestört wird eine Zirkulation dann bezeichnet, wenn das normale (West) Strömungsmuster nicht möglich ist. Eine vollständig gestörte Zirkulation gilt dann, wenn eine Zonalisierung unmöglich ist und sich stattdessen eine Ostwetterlage einstellt.

Allein schon der Wettertrend eines meridionalen Strömungsmusters der Vorhersage-Modelle, lässt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Westwetterlage bis Pfingsten (5. und 6. Juni) ausschließen.

Eine meridional verlaufende Wetterlage wird durch eine hohe Wellenbewegung entlang der Polarfront hervorgerufen. Ob warmes und trockenes, oder kühles und nasses Wetter über Deutschland vorherrschend sein wird, hängt von der Amplitude der Wellenbewegung ab und da diese variabel ist, verwundert es auch nicht, dass sich die Vorhersagemodelle in ihren Prognosen alles andere als einig sind.

In der nachfolgenden Gegenüberstellung sieht man die unterschiedlichen Muster deutlicher und zeigt, worauf es ankommen wird.

Links der kühle Trog, in der Mitte ein Sommerhoch und rechts liegen Deutschland, Österreich und die Schweiz zwischen den Fronten
Wetterprognose nach ausgesuchten Kontrollläufen: Links der kühle Trog, in der Mitte ein Sommerhoch und rechts liegen Deutschland, Österreich und die Schweiz zwischen den Fronten © www.meteociel.fr

Wie wird das Wetter bis Pfingsten?

Jetzt weiß man, dass das Wetter an Pfingsten von Impulsen und deren Amplituden abhängig sein wird und auf den obenstehenden Wetterkarten erkennt man gut, wie nah eine Schafskälte und ein Sommerhoch beieinander liegen können.

Betrachtet man die Wetterentwicklung bis Juni, so baut sich die meridional verlaufende Großwetterlage auf und es zeigt sich mit einer zunehmenden Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland, Österreich und die Schweiz zunächst am östlichen Hochdruckgradienten und damit in einer nördlichen Grundströmung liegen. Eine hochsommerliche Hitze ist erst einmal nicht mehr zu erwarten. Stattdessen werden Temperaturen von +16 bis +21 und örtlich bis +23 Grad vorherrschend sein, die mit Regen auf bis +14 Grad abkühlen können. Das ist typisch für den Mai und der Norden fällt tendenzieller kühler als der Süden aus. Anders ausgedrückt: Ein zu Schauern neigendes und mäßig warmes Wetter ist bis Juni mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zu erwarten.

Die Großwetterlage bis Anfang Juni: keine stabile Wetterlage
Wetterprognose nach ausgesuchten Kontrollläufen: Die Großwetterlage bis Anfang Juni: keine stabile Wetterlage © www.meteociel.fr

Was an Pfingsten möglich ist

Die obenstehenden Wetterkarten zeigen eindrucksvoll, wie weit das Hoch nach Norden aufstreben und sich bspw. nach der Wetterprognose der Amerikaner quer legen kann. Daraus kann schnell ein autarkes Hochdrucksystem über Skandinavien entstehen, das seine Achse in diesem Fall von Island bis über die Barentssee ausdehnen und damit zu einer vollständig gestörten Zirkulation zu Pfingsten sorgen kann. Eine gemäßigt warme und leicht wechselhafte Ostwetterlage ist nicht auszuschließen.

Betrachtet man die Randfaktoren, so ist der NAO-Index ist den kommenden Tagen deutlich positiv bewertet und neutralisiert sich bis Pfingsten. Welchen Rückschluss lässt das zu? Ein negativer NAO-Index hätte hohen Luftdruck über Island und tiefen Luftdruck über den Azoren zur Folge. Ein neutraler Trend stellt einen Kompromiss dar, bei dem sich weder die atlantische Frontalzone, noch das Hoch richtig durchsetzen kann.

Und schnell wird klar, dass sich der Wettertrend der letzten Tage heute erneut bestätigt. Eine Großwetterlage, bei der Deutschland zwischen den Fronten liegen kann, zeigt sich als eine sehr wahrscheinliche Wetterentwicklung. Dass sich das Hoch über Pfingsten westlich von Europa befindet und so einen Kaltluftvorstoß über Deutschland möglich machen kann, zeigt sich im Mittelwert aller Kontrollläufe. Der Mittelwert zeigt aber auch, dass zu einer hochsommerlichen Wetterlage nicht viel fehlt. Im Trend aber treffen die Kontrollläufe exakt das, was vom 5. und 6. Juni zu erwarten ist.

Deutschland zwischen den Fronten. Kalte und warme Luftmassen liegen eng beieinander
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Deutschland zwischen den Fronten. Kalte und warme Luftmassen liegen eng beieinander © www.meteociel.fr

Kommt - ausreichend - Regen?

Zum Schluss noch ein Blick auf die Regenprognose. Der Frühling hat sein Niederschlagssoll erst zu rund 49 Prozent erfüllt und ist erheblich zu trocken. Dazu noch die ungewöhnliche Hitze im Mai, was im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert bislang zu einem Temperaturüberschuss von +2,8 Grad führte (91/20: +1,8 Grad). Eine Abkühlung und Regen wären - insbesondere für die Natur - sehr willkommen.

Doch der regional unwetterartige Starkregen der letzten Stunden floss auf der Oberfläche in die Flüsse ab und konnte nicht tiefer in den Boden eindringen. Was dringend nötig ist, ist mehrtägiger Landregen, oder immer wiederkehrende Schauer. Doch Schauer haben die Eigenschaft, nur punktuell niederzugehen. Und schaut man sich die Regenprognose der Kontrollläufe bis Pfingsten an, so ist ein mehrtägiger Landregen nicht zu erkennen. Stattdessen zeigt sich eine über dem Süden und Westen vom 25. Mai bis 2. Juni weitgehend trockene Wetterentwicklung, während über dem Norden und Osten zeitweilige Schauer für Abwechslung sorgen können.

Bis Pfingsten steigt das Niederschlagsniveau über dem Süden und Westen in den leicht erhöhten Bereich an und bestätigt so das leicht unbeständige Wetter. Ausreichend Regen aber, der wird nicht simuliert. Dafür wird das Hoch zu nah an Deutschland berechnet.

Die nachfolgende Regenprognose beider Vorhersage-Modelle ist mit einer gewissen Skepsis zu bewerten und zeigt lediglich die zu erwartenden Niederschlagsschwerpunkte, die in diesem Fall über den Alpen, den Mittelgebirgen und Norddeutschland liegen können.

Links die Regenprognose der Europäer und rechts die der Amerikaner: Schauer sorgen für einen abwechslungsreichen Wettercharakter, aber nicht für ausreichend Niederschlag
Links die Regenprognose der Europäer und rechts die der Amerikaner bis zum 1. Juni: Links die Regenprognose der Europäer und rechts die der Amerikaner: Schauer sorgen für einen abwechslungsreichen Wettercharakter, aber nicht für ausreichend Niederschlag © windy.com

Statistik: Was an Pfingsten zu erwarten ist

Betrachtet man die letzten 20 Jahre für den Zeitraum vom 5. bis 6. Juni, so lag der tiefste Durchschnittswert bei +10,1 Grad und der höchste bei +22,8 Grad. Der durchschnittliche Tageswert (ohne Nachtwerte) liegt bei +21,64 Grad. Betrachtet man die Niederschlagstätigkeit, so gab es in 45 Prozent der Fälle nennenswerten Niederschlag und zu 55 Prozent blieb es weitgehend trocken. Grundsätzlich neigte das Wetter in den letzten 20 Jahren am 5. und 6. Juni generell zu einer erhöhten Schauer- und Gewitterneigung.

In der Sonnenscheinbilanz gab es in 35 Prozent einen sonnigen und in 65 Prozent der Fälle einen bewölkten Tag.

Vergleich statistische Betrachtung der letzten 20 Jahre mit der aktuellen Pfingstprognose
  Statistik 20 Jahre Aktuelle
Pfingstprognose
Temperatur­spektrum
5. und 6. Juni
+10,1 bis +22,8 Grad +12 bis +27 Grad
Temperatur­mittelwert +21,64 Grad +19,0 bis +21,0 Grad
Niederschlag 45 % Regen, 55 % trocken Durchwachsen
Höchsttemperatur +35,0 Grad
(5. Juni 2015)
 
Tiefsttemperatur +0,0 Grad
(5. Juni 2006)
 

Wettertrend Juni des Langfristmodells

Das CFSv2 Modell berechnet das Wetter im Juni mit einer Abweichung von +1,0 bis +2,0 Grad gegenüber dem langjährigen Mittelwert von 1961 und 1990 weiterhin zu warm (91/20: +0,0 bis +1,0 Grad). Tendenziell zeigt sich über dem Südwesten eine Abweichung von bis +3 Grad. Die Niederschlagsbilanz ist gegenüber dem langjährigen Sollwert über dem Osten und Süden deutlich bis erheblich zu trocken, über dem Westen zu trocken und über dem Norden neutral. Ein Hochdrucksystem wird nach dem Langfristmodell im Juni eine dominierende Rolle spielen können.

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2021 +18,6 +3,6 +2,6 94 l/m² - etwas zu nass
Juli 2021 +18,4 +1,4 +0,0 103 l/m² - zu nass
August 2021 +16,5 -0,06 -1,4 102 l/m² - zu nass
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +6,9 +2,3 +1,0 254,7 l/m² - zu trocken
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