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Wetter Ostern 2024: Zusammenbruch des Polarwirbels mit absolut gestörter Zirkulation

| M. Hoffmann

Eine spannende Wetterentwicklung bahnt sich an. Ein Final-Warming lässt den Polarwirbel in Stratosphärenhöhe vollständig zusammenbrechen und es dauert nicht lange, bis sich das chaotische Verhalten in die unteren Schichten durchsetzt und so das Wetter bis Ostern - auch über Deutschland - auf den Kopf stellen kann.

Sorgt der Zusammenbruch des Polarwirbels für ein spätwinterliches Osterwetter?
Sorgt der Zusammenbruch des Polarwirbels für ein spätwinterliches Osterwetter?

Zwischen einem Hoch und einem Tief entwickelt sich in den kommenden Tagen über Deutschland eine schwachgradientige Wetterentwicklung mit wenig Dynamik. Nach einem Temperatursprung erfolgt eine Abkühlung mit zeitweiligen Niederschlägen, welche in ihrer Intensität regional unterschiedlich ausfallen können.

Sonne, Wolken und Regen

Nach Nebelauflösung zeigt sich heute häufiger die Sonne und lässt sich nach Norden, Osten und zum Nachmittag über dem Westen von vorüberziehenden Wolkenfeldern eintrüben. Mit Niederschlag ist nicht zu rechnen und die Temperaturen erreichen mit +14 bis +18 Grad und über dem Südwesten mit bis +20 Grad frühlingshafte Werte. Frühlingshaft warm verläuft auch noch der Freitag, doch verdichten sich von Westen bereits die Wolken und mit wiederholten Schauern ist zu rechnen, welche mancherorts von Gewittern begleitet werden können. Über das Wochenende stellt sich ein leicht unbeständiger Wettercharakter ein, wobei die erste Tageshälfte vom Sonntag noch trocken verlaufen kann, bevor von Westen das nächste Tiefdrucksystem aufzieht. Die Temperaturen gehen mit einem zunächst böigen Wind auf +10 bis +14 Grad zurück und können bei Regen auch unter der +10 Grad-Marke verweilen. Zum Start in die neue Woche zieht ein Niederschlagsfeld über Deutschland hinweg und bestätigt den anhaltend unbeständigen Wettercharakter, bevor zum Dienstag bei auflockernder Bewölkung häufiger die Sonne zum Vorschein kommen kann. Die Temperaturen pendeln sich auf +10 bis +14 Grad ein.

Eine schwachgradientige Wetterentwicklung
Die Wetterprognose der Vorhersage-Modelle: Eine schwachgradientige Wetterentwicklung © www.meteociel.fr

Polarwirbelsplit bis Ostern?

So extrem manche Berechnungen der Vorhersage-Modelle auch sein mögen, so ist erfahrungsgemäß ein gesundes Maß an Skepsis angebracht. Warum? Ganz einfach - es handelt sich um einen möglichen Zusammenbruch des Polarwirbels, welcher in diesem Jahr etwas früher stattfindet als üblich, doch keineswegs außergewöhnlich ist. Das launische Aprilwetter beginnt in diesem Jahr bereits im März und da der Ostersonntag am 31. März und der Ostermontag am 1. April stattfindet, ist dieser Zeitraum für turbulente und teils chaotische Wetterentwicklungen prinzipiell geeignet, doch müssen die Parameter hierfür stimmen.

Kommen wir kurz zur Ursache für die möglicherweise turbulente Wetterentwicklung. Mit einem Final-Warming in Stratosphärenhöhe erreichen die Winde in dieser Höhe bis zum 15. März ein vorläufiges Minimum von -70 km/h. Bis kurz vor Ostern erholt sich der Stratosphärenwirbel mit -6 km/h zwar etwas, doch bleibt die Ost-West-Strömung in der Höhe erhalten. Der Stratosphärenwirbel wird sich von diesem Warming nicht mehr vollständig erholen können und so sind alle Definitionen von einem Final-Warming erfüllt.

Da die Winde sich in den oberen Schichten über einen Zeitraum von 15 Tagen in eine entgegengesetzte Richtung drehen, wie die unteren Luftschichten, wirkt sich die negative Beschleunigung zwangsweise auf den kompletten Polarwirbel aus, der bis Ostern massive Stabilitätsprobleme bekommen wird.

Ein Final-Warming mit nachfolgendem Zusammenbruch des Stratosphärenwirbels  kurz vor Ostern
Ein Final-Warming mit nachfolgendem Zusammenbruch des Stratosphärenwirbels kurz vor Ostern © www.meteociel.fr

Zusammenbruch des Stratosphärenwirbels - Die Auswirkungen auf die Wetterentwicklung

Die Wetterprognose der Europäer berechnet noch bis zum 24. März eine anhaltend konservative Wetterentwicklung, bei der der Polarwirbel in den unteren Schichten weitgehend intakt bleibt. Die Störimpulse treten deutlich hervor und ein Durchbruch kalter Luftmassen ist an der Ostflanke eines Hochdrucksystems über dem Atlantik nicht auszuschließen.

Polarwirbelsplit bereits in der Mittelfrist

Der Wettertrend der Amerikaner favorisierte bereits in den vergangenen Tagen immer wieder einen Polarwirbelsplit und hat diese Prognose heute nicht nur betätigt, sondern bringt diesen Prozess bereits in der Mittelfrist zum Abschluss.

Ursache für den Polarwirbelsplit ist ein Hochdruckzentrum über Mitteleuropa, welches zum 22. März weit nach Norden aufstrebt und eine Querverbindung zu einem Hoch über Alaska aufbaut. Der Polarwirbelsplit ist bereits zum 23. März abgeschlossen und teilt den Polarwirbel in zwei Cluster auf. Der eine erstreckt sich über Sibirien und der andere dehnt sich zwischen Kanada und Grönland aus.

Die absolut gestörte Zirkulation zum Osterfest

Die Hochdruckzone - quer durch den Polarwirbel - bleibt bis Ostern zwar erhalten, doch zentralisiert sich der Hochdruckkern im Bereich zwischen Grönland, Island, dem europäischen Nordmeer und Skandinavien. Mehr kann eine Zirkulation nicht gestört sein, doch neigt dieses Hoch dazu, an seinem südlichen Gradienten von Tiefdrucksystemen unterwandert zu werden.

Die Konsequenzen für das Osterwetter ist eine Osterwetterlage, bei der auch ein Kaltlufttropfen eine Rolle spielen kann. So ist im Zeitraum vom 22. bis 26. März mit einem Wechselspiel aus Sonne, Wolken und gelegentlichem Niederschlag eine schwachgradientige Wetterentwicklung zu erwarten, bei der sich die Temperaturen mit +10 bis +15 Grad dem frühlingshaft warmen Bereich annähern können. Ab dem 26. März dreht der Wind auf östliche Richtungen und sorgt bis Ostern für einen markanten Rückgang der Temperaturen auf +2 bis +6 Grad. Da Höhenkälte eine Rolle spielt, können über das Osterfest Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer nicht ausgeschlossen werden. In den Nächten ist mit leichtem Frost zu rechnen.

Der Zusammenbruch des Polarwirbels mit einer absolut gestörten Zirkulation an Ostern
Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells: Der Zusammenbruch des Polarwirbels mit einer absolut gestörten Zirkulation an Ostern © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wie wahrscheinlich sind Schneeschauer?

Grundsätzlich sind bei einem sich destabilisierenden Polarwirbel - der zudem vor dem Zusammenbruch steht - alle Berechnungen und Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Mit anderen Worten formuliert steht eine unsichere Wetterentwicklung bevor, bei der alles möglich und nichts auszuschließen ist.

Deutlicher zeigt sich das im Mittelwert aller Kontrollläufe, welche den Zeitraum bis zum 22. März mit einer Temperaturanomalie von +3 bis +7 Grad deutlich zu warm berechnen. Überdies bestätigen die Kontrollläufe den Trend der vergangenen Tage, bei der sich ein Rückgang der Anomalie auf +1 bis +3 Grad abzeichnet. Möglich ist zwar vieles, doch in der Wahrscheinlichkeit zeichnet sich - auch über Ostern - ein zu warmes Wetter ab.

Varianten mit Temperaturen von bis -10 Grad in 1.500 Meter werden zwar in den Kontrollläufen auch heute wieder berücksichtigt, doch sind diese in den vergangenen 24 Stunden rückläufig. Die -10 Grad in 1.500 Meter Höhe würden ausreichen, um auch über tieferen Lagen für Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer zu sorgen. Der Mittelwert aller Kontrollläufe in 1.500 Meter Höhe schwankt jedoch zwischen +0 und +4 Grad und gibt somit eine klare Richtung vor.

Die Niederschlagsprognose

Die Niederschlagsprognose ist im Zeitraum vor und auch über Ostern leicht erhöht. Eine stabile Wetterentwicklung ist wenig wahrscheinlich. Kräftiger kann der Niederschlag um den 16., 19. und 26. März ausfallen. Schaun mer mal, was die Vorhersage-Modelle in den kommenden Stunden noch so an möglichen Varianten berechnen werden. Langweilig wird es nicht!

Das Osterwetter nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe - alles kann, nichts muss
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Das Osterwetter nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe - alles kann, nichts muss © www.meteociel.fr

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