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Vom Schnee-Hammer zur Schockprognose und dem nicht mehr enden wollenden Winter

  • L. Ristow
Was ist vom Winterhammer, Schneebomben, Horrorwinter, Russenpeitsche und Schockprognosen zu halten?
Was ist vom Winterhammer, Schneebomben, Horrorwinter, Russenpeitsche und Schockprognosen zu halten?

Viele Fragen erreichen uns - meist aus einer Verunsicherung heraus. Da gibt es Medien, die behaupten, dass dieser Winter ein Rekordwinter mit großem Schockpotential wird. Doch da steckt weniger Wahrheit und mehr Kalkül dahinter.

Es sind Schlagzeilen, die einem den Atem rauben: Bringt Weihnachtstief Schnee-Hammer zum Fest? Expertin sieht danach Chaos-Wetterlage, Rekordwinter droht – Experte macht "Schockprognose" oder Der Winter kommt und bleibt!

Aber ist dem wirklich so? Kommt ab und nach Weihnachten der große Schnee inklusiver großer Kälte und nistet sich flächendeckend in Deutschland und Europa ein? Jein und es bedarf ein wenig Aufklärung.

Der Laie kann mit den oben aufgeführten Schlagzeilen selbstverständlich, aufgrund des fehlenden Hintergrundwissens, wenig anfangen und glaubt dem so. Viele lesen noch nicht einmal den kompletten Artikel, in dem die Überschrift sogar aufgeklärt wird und die Verwirrung verschwinden kann. Das Ziel solcher Artikel ist klar und soll zum Klicken verleiten. Deshalb nennt man diese Überschriften auch Clickbait und jeder Klick spült Werbeeinnahmen in die Kasse.

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Es sollte definiert sein, für wen der Winter kommt und bleibt und das sollte auch schon in der Überschrift geklärt werden. Für ganz Deutschland, Österreich und die Schweiz ist dies nämlich nicht wahr. Davon mal abgesehen, ist es, Stand jetzt, auch noch überhaupt nicht sicher, wie die Details der Wetterlage um den Jahreswechsel, aber vor allem darüber hinaus aussehen werden, wie das hier auch jeden Tag in sämtlichen Artikeln immer wieder aufs Neue erwähnt wird. Dafür schwanken alle führenden Wettermodelle (GFS, ECMWF, GEM) in jeder neuen Berechnung viel zu stark.

Womit die Schlagzeilenersteller jedoch recht haben ist, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass die kommende Witterung nah am Durchschnittswert der Jahre 1961 und 1990 liegt und im Mittel der Jahre 1981 und 2010 sogar leicht zu kalt ausfallen kann. Demnach wäre es also Winterwetter, da es das Mittel ja auch hergibt. Von der Schnee-Bombe, dem Horror-Winter oder einem Rekordwinter ist aber nichts zu sehen! Wie es um das neue Klimamittel (1991-2020), das 2021 in Kraft treten wird, steht, schauen wir uns in der kommenden Woche zwischen Weihnachten und Silvester einmal genauer an.

Nun weiß aber selbst der Laie, dass es in den vergangenen Jahren immer wärmer wurde und in Deutschland der Durchschnitt sowieso kein Winterwetter (bis ins Flach- und Tiefland) bringt. Tiefwinterliche Lagen sind demnach, zumindest für die nächsten 10 Tage, flächendeckend auszuschließen.

Es kann allerdings sein, dass es punktuell, vor allem ab den mittleren bis hin zu den höheren Lagen und mit einer Schneedecke, kalt wird und längere Abschnitte mit Dauerfrost möglich sind. Das aber ist - im Winter - normal.

Gleiches gilt für weiße Weihnachten -> punktuell, aber vor allem weiter oben. Im Flachland: Klare Fehlanzeige. Es wird zwar durchaus hier und da mal einen Schneeschauer bis ganz unten geben können, auch über Weihnachten, aber mit weißen Weihnachten hat das, zumindest spreche ich da jetzt für mich, wenig bis gar nichts zu tun.

Niemand ist perfekt und das geht beim Wetter auch nicht - und schon gar nicht in der Vorhersage - das liegt einfach in der Natur der Sache. Für Aufsehen aber sorgt man nicht, wenn man eine Hammer-Schlagzeile nach der Anderen dropt und damit immer weiter den Bezug zur Realität verliert. Aufsehen und mit der Zeit dann auch für Ansehen sorgt man, indem man qualitativ hochwertige, gut recherchierte und vor allem realitätsnahe Artikel schreibt (lege artis) und dem Leser so die Magie und Faszination des Wetters näherbringt.

In diesem Sinne möchte ich mich bei Ihnen für die zahlreichen Klicks der letzten Monate bedanken und hoffe, dass ich Sie vor der einen oder anderen Verwirrung im Wetterbusiness retten konnte. Ein ganz besonderer Dank gilt Herrn Hoffmann. Danke, dass Sie mich so zeitig und herzlich ins Team aufgenommen haben!

Allen wünsche ich nun ein besinnliches Weihnachtsfest und, sofern ich mir auch etwas abseits des Wetters wünschen darf, viel Gesundheit!
L. Ristow.

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Das Wetter-Jahr 2020 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1981-2010 in Grad Nieder­schlag
Januar 2020 +3,2 +3,8 +2,9 45 l/m² - zu trocken
Februar 2020 +5,3 +4,9 +4,3 125 l/m² - zu nass
März 2020 +5,4 +1,8 +1,0 50 l/m² - zu trocken
April 2020 +10,4 +3,0 +2,2 17 l/m² - zu trocken
Mai 2020 +11,9 -0,2 -1,1 40 l/m² - zu trocken
Juni 2020 +16,8 +1,4 +1,1 90 l/m² - etwas zu nass
Juli 2020 +17,7 +0,74 -0,3 53 l/m² - zu trocken
August 2020 +19,9 +3,4 +2,4 90 l/m² - etwas zu nass
September 2020 +14,8 +1,5 +1,3 50 l/m² - zu trocken
Oktober 2020 +10,2 +1,2 +1,0 79 l/m² - zu nass
November 2020 +6,0 +2,0 +1,6 18,7 l/m² - zu trocken
Dezember 2020 +3,0 +2,2 +1,8 57 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2020 +10,4 +2,2 +1,5 710 l/m² - zu trocken


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