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Wie wird der Winter 2020/2021 - Ein Blick auf die Langfristprognosen

  • M. Hoffmann
Wie wird der Winter 2020/2021 - Ein Blick auf die Langfristprognosen
Wie wird der Winter 2020/2021 - Ein Blick auf die Langfristprognosen

Hoher Luftdruck dominiert das Wetter über Deutschland mit Sonne, Wolken und Nebel noch bis Mitte November. Das Zirkulationsmuster ist gestört und wird es auch noch eine Weile bleiben. Wie reagieren die Wetterprognosen der Langfristmodelle darauf?

Die Herbstmonate September und Oktober waren im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert um +1,5 Grad, bzw. um +1,2 Grad zu warm. Der November 2020 ist zum aktuellen Stand um 6,26 Grad zu warm. Der Temperaturüberschuss wird sich zwar bis Mitte November etwas abbauen können, doch mit Hilfe des hohen Luftdrucks wird die erste November-Hälfte dennoch deutlich zu warm ausfallen können. Mehr dazu: Winter 2020/2021.

Aber nicht nur das - ein zu kalter oder normaler Herbst ist bereits jetzt schon nicht mehr möglich. Es ist wenig wahrscheinlich, dass die letzte November-Dekade deutlich zu kalt ausfallen wird. Doch gilt das auch für den Winter - Denn die Großwetterlage ist alles andere als typisch?

Die gestörte Zirkulation

Die gestörte Zirkulation ist und bleibt ein Thema. Der atlantischen Frontalzone gelingt es nicht, sich bis nach Mitteleuropa durchzusetzen. Stattdessen fließen über dem östlichen Kanada kalte Luftmassen nach Süden in Richtung Neufundland ab und nageln die atlantischen Tiefdruckgebiete regelrecht zwischen Neufundland, Grönland und Island fest. Das System ist derart gut strukturiert, dass es sich von alleine immer wieder erneuert. Unterstützend kommt das Hoch über Mitteleuropa ins Spiel und in Kombination aus allem stabilisiert sich das Strömungsmuster zusehends, was der Wetterentwicklung bis zum 20. November kaum Spielraum lässt. Die Druckanomalien zeigen das heute sehr gut.

Die gestörte Zirkulation: Ein weiterhin klares Statement gegen die Westwetterlage
Die gestörte Zirkulation: Ein weiterhin klares Statement gegen die Westwetterlage © climatereanalyzer.org

Wie wird der Winter?

Grundsätzlich ist die gestörte Zirkulation in 75 Prozent der Fälle gut für eine winterliche Entwicklung. Zumindest ergeben sich aus einer gestörten Zirkulation häufiger winterliche Wetterlagen, als das bei einer zonalen Entwicklung der Fall sein kann. Auch wenn aktuell für Freunde des Winterwetters das Hoch an der falschen Stelle sitzt, grundsätzlich passen die Rahmenbedingungen. Wenn es also um die Beurteilung der Winterprognose geht, sollte das immer im Hinterkopf behalten werden. Was aber berechnen die Langfristmodelle für ein Wetter im Winter 2020/2021?

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Wettervorhersage Winter 2020/2021 nach den Langfristmodellen

Langfristprognosen sind so zu bewerten, wie sie sind - es sind Berechnungen für die Zukunft, die einen groben Überblick darüber geben, ob die kommenden Monate und Jahreszeiten tendenziell zu warm oder zu kalt, zu nass oder zu trocken ausfallen können. Entscheidend jedoch für die Langfristprognosen sind die Anfangsparameter und die können sich jederzeit ändern. In Zeiten des Klimawandels aber wird eine Jahreszeitenprognose zunehmend einfacher.

Langfristwetter nach dem Deutschen Wetterdienst

Die aktuelle Wetterprognose des DWD simuliert den Winter mit einer Abweichung von +0,8 bis +1,8 Grad im Vergleich zu 1961-1990 zu warm. Auffällig ist, dass der Osten von Europa mit einer Abweichung von bis +3 Grad deutlich zu warm ausfallen kann, während der Westen von Europa nur leicht zu mild simuliert wird. In der Niederschlagsprognose zeigt sich über Deutschland eine durchschnittliche Niederschlagstätigkeit. Anders sieht das über Nordeuropa aus. Dort liegen die Niederschlagssummen etwas über dem Sollwert, während der Süden von Europa etwas zu trocken ausfallen soll.

In der Interpretation etabliert sich nach der Langfristprognose des Deutschen Wetterdienstes eine überwiegend westlich orientierte Grundströmung. Winterliche Phasen sind möglich, doch überwiegt über weite Strecken der nasskalte Einfluss des Atlantiks.

Wettertrend Winter nach dem Langfristmodell der NASA

Ganz ähnlich fällt der Wettertrend der NASA aus. Die Wintermonate von Dezember 2020 bis Januar 2021 sollen mit einer Abweichung von +1 bis +2 Grad zu warm ausfallen. Der Februar 2021 sticht hier mit einer Abweichung von -0,5 bis +1 Grad etwas hervor. Sieht so aus, als ob der Dezember und Januar noch von einer zonalen Wetterlage dominiert wird, bevor im Februar eine meridionales Strömungsmuster für winterliche Abwechslungen sorgen kann.

In der Niederschlagsprognose fällt der Dezember im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert unauffällig, der Januar deutlich zu nass und der Februar zu trocken aus.

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Wetterprognose Herbst und Winter nach dem CFSv2 Modell

Leichte Korrekturen hat es in den letzten Tagen in der Wetterprognose des CFSv2 Modells gegeben. Der Dezember soll mit einer Differenz von +1 bis +3 Grad gegenüber dem vieljährigen Mittelwert von 1961-1990 deutlich zu warm ausfallen können. Der Januar aber, der vor wenigen Tagen noch mit eine Abweichung von bis +4 Grad extrem zu warm berechnet wurde, liegt zwischenzeitlich bei einer Abweichung von +0,5 bis +2 Grad im gemäßigt zu warmen Bereich. Der Februar hingegen wird mit einer Differenz von +2 bis +4 Grad weiterhin deutlich zu warm simuliert.

Hochwinterliche - wenn auch kurze - Phasen sind im Januar nicht auszuschließen. In Summe aber soll der Winter 2020/21 nach dieser Wetterprognose mit einer Differenz von +1,5 bis +2,5 Grad deutlich zu warm ausfallen können. Die Niederschlagsprognose zeigt sich gegenüber dem vieljährigen Sollwert unauffällig.

Der Winter nach dem Wettertrend des europäischen Langfristmodells

Der Dezember wird mit einer Abweichung von +0,5 bis +1,5 Grad nur leicht zu warm berechnet und bildet nach der Wetterprognose des europäischen Wettermodells zugleich den kältesten Wintermonat ab. Der Januar und der Februar 2021 wird mit einer Differenz von +1 bis +2 Grad und örtlich bis +2,5 Grad deutlich zu warm Simuliert. In Summe damit ein zu warmer Winter

Die Niederschlagsprognose ist gegenüber dem vieljährigen Sollwert als unauffällig zu bewerten.

Abweichungen der Temperaturen im Herbst und Winter gegenüber dem langjährigen Mittelwert (1961-1990) und in Klammern der neue Mittelwert (1991-2020)
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
September 2020 +1,5 Grad (+1,0 Grad) Zu trocken
Oktober 2020 +1,2 Grad (+0,8 Grad) Zu nass
November 2020 +1 bis +2 Grad (+0,2 bis +1,3 Grad) Extrem trocken
Dezember 2020 +1,0 bis +3,0 Grad (+0,0 bis +2,0 Grad) Trend: normal bis leicht zu nass
Januar 2021 +0,5 bis +2,0 Grad (-0,5 bis +1,0 Grad) Trend: normal bis zu nass
Februar 2021 +2,0 bis +4,0 Grad (+1,1 bis +2,9 Grad) Trend: normal bis leicht zu nass
Diagramm der Temperaturentwicklung Herbst/Winter 2020/2021  vom 6.11.2020
Diagramm der Temperaturentwicklung Herbst/Winter 2020/2021 vom 6.11.2020

Auf den Punkt gebracht

Die Langfristprognosen haben sich im Verlauf der letzten Wochen nur unwesentlich verändert. Der Wintertrend bleibt nach wie vor zu mild, was in Zeiten des Klimawandels auch keine großartige Überraschung darstellt. Nichtsdestotrotz können mit dem Kaltluftzustrom über dem östlichen Kanada schon frühzeitig die Weichen für einen zu milden Winterverlauf gestellt werden. Gelingt das aber nicht, so besteht für den Winter durchaus Hoffnung, wenn auch nur in Phasen.

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Das Wetter-Jahr 2020 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1981-2010 in Grad Nieder­schlag
Januar 2020 +3,2 +3,8 +2,9 45 l/m² - zu trocken
Februar 2020 +5,3 +4,9 +4,3 125 l/m² - zu nass
März 2020 +5,4 +1,8 +1,0 50 l/m² - zu trocken
April 2020 +10,4 +3,0 +2,2 17 l/m² - zu trocken
Mai 2020 +11,9 -0,2 -1,1 40 l/m² - zu trocken
Juni 2020 +16,8 +1,4 +1,1 90 l/m² - etwas zu nass
Juli 2020 +17,7 +0,74 -0,3 53 l/m² - zu trocken
August 2020 +19,9 +3,4 +2,4 90 l/m² - etwas zu nass
September 2020 +14,8 +1,5 +1,3 50 l/m² - zu trocken
Oktober 2020 +10,2 +1,2 +1,0 79 l/m² - zu nass
November 2019 +5,2 +1,2 +0,8 60 l/m² - zu trocken
Dezember 2019 +3,7 +2,9 +2,5 60 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2020 +11,56 +2,17 +1,48 633 l/m² - etwas zu trocken


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