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Ist das Abschmelzen des Grönlandeisschildes nicht mehr zu stoppen?

  • M. Hoffmann
Grönländisches Eis © Xavier Balderas Cejudo
Grönländisches Eis © Xavier Balderas Cejudo

Nicht nur Deutschland schwitzt seit den letzten drei Sommern ordentlich und leidet in manchen Regionen unter einer extremen Dürre, sondern auch über anderen Regionen zeigt sich der Klimawandel in dramatischer Art und Weise und ist schon jetzt nicht mehr zu stoppen.

Normalerweise funktionieren Gletscher so, dass Eis an ihren Rändern abbricht oder abschmilzt und über dem Inland neues Eis nachgeschoben wird. Das funktioniert so lange, wie im Inland Schnee fällt und dieser zu Eis umgewandelt wird. Dieses Gleichgewicht hat der Klimawandel über Grönland nun aber massiv gestört und führt zu einer möglichweise dramatischen Wende.

Es wurde festgestellt, dass die Schneemenge, die sich an der Oberfläche der Eisdecke ansammelt nicht ausreicht, um die Menge an Eis, die in die Ozeane abgegeben wird, zu kompensieren. Michaela King, Ohio State University

Grönlandeis schmilzt schneller, als es nachwächst

Forscher der Ohio State University haben Satellitendaten der letzten 40 Jahre von 200 Orten aus Grönland ausgewertet. Überraschend ist das Ergebnis, dass das Grönlandeis immer schneller abschmilzt, zwar nicht, doch die eigentliche Überraschung ist, dass die aktuellen Temperaturbedingungen das Eis schneller abschmelzen lassen, als dass es nachwachsen kann. Anders formuliert wird das Grönlandeis von Jahr zu Jahr weiter abnehmen und nicht nachwachsen können.

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Bis 2000 war das System intakt

Eine weitere wichtige Erkenntnis ist, dass das System nach 2000 anfing zu kippen. In den 1980er und 1990er Jahren war das Gleichgewicht intakt. Damals wurden ca. 450 Milliarden Tonnen Eis an die Ozeane abgegeben. Aktuell sind es 500 Milliarden Tonnen. Bedingt durch die ansteigenden Temperaturen aber schmilzt nicht nur das Eis schneller, es fehlt auch an Zeitraum, an dem sich der Schnee zu Eis umwandeln kann und die 50 Milliarden Tonnen lassen sich nicht mehr kompensieren.

Immer weniger Eis

Schaut man sich die aktuellen Daten an und vergleicht diese mit den vorherigen Jahren, so wird schnell und sehr eindrücklich klar, was da über der Arktis los ist. Bemerkenswert ist der Rückgang arktischen Meereisschildes, der im Juli 2020 einen historischen Tiefstand erreicht und sich zwischenzeitlich etwas erholt hat, aber noch weit vom durchschnittlichen Wert von 1981-2010 entfernt ist.

Eine Folge des Klimawandels - die Ausdehnung des arktischen Meereises geht immer weiter zurück
Eine Folge des Klimawandels - die Ausdehnung des arktischen Meereises geht immer weiter zurück
© meereisportal.de

Point of no return: Abschmelzen des Grönlandeises unumkehrbar

Die Forscher stellen darüber hinaus fest, dass aus dem heutigen Stand eine Normalisierung, oder gar eine leichte Abkühlung des Klimas nicht mehr ausreicht, um den jährlichen Verlust des Grönlandeises zu stoppen.

Was, wenn das Grönlandeis komplett abschmilzt?

In 2019 gab es in zwei Monaten einen erheblichen Eisverlust, der ausreicht, um den Meeresspiegel um 2,2 mm ansteigen zu lassen. Im Schnitt ist die Grönlandeisfläche rund 1,5 km dick. An der höchsten Ansammlung hat das Eis eine Dicke von rund 3 Kilometer. Das braucht seine Zeit, um das Eis abschmelzen zu lassen. Rechnet man mit den bisherigen Daten einfach weiter, so könnte in Rund 1.000 Jahren das Grönland-Eis komplett abgeschmolzen sein. Im Umkehrschluss bedeutet das einen Anstieg des Meeresspiegels von rund sieben Meter!

Quellen: nature.com; Wikipedia; Meereisportal

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Das Wetter-Jahr 2020 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1981-2010 in Grad Nieder­schlag
Januar 2020 +3,2 +3,8 +2,9 45 l/m² - zu trocken
Februar 2020 +5,3 +4,9 +4,3 125 l/m² - zu nass
März 2020 +5,4 +1,8 +1,0 50 l/m² - zu trocken
April 2020 +10,4 +3,0 +2,2 17 l/m² - zu trocken
Mai 2020 +11,9 -0,2 -1,1 40 l/m² - zu trocken
Juni 2020 +16,8 +1,4 +1,1 90 l/m² - etwas zu nass
Juli 2020 +17,7 +0,74 -0,3 53 l/m² - zu trocken
August 2020 +19,9 +3,4 +2,4 90 l/m² - etwas zu nass
September 2019 +14,1 +0,8 +0,6 65 l/m² - zu nass
Oktober 2019 +10,9 +1,9 +1,7 80 l/m² - zu nass
November 2019 +5,2 +1,2 +0,8 60 l/m² - zu trocken
Dezember 2019 +3,7 +2,9 +2,5 60 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2020 +11,37 +2,4 +1,56 510 l/m² - zu trocken


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