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Klimawandel - Keine guten Aussichten für den deutschen Wald

  • P. Stratmann
Waldsterben Bayerischer Wald - Bild von Felix Mittermeier auf Pixabay
Waldsterben Bayerischer Wald - Bild von Felix Mittermeier auf Pixabay

Während ich den Beitrag schreibe hat es +14 Grad, es ist grau und trüb und es nieselt etwas. Mal stärker, mal schwächer. Meine Katzen schauen mich anklagend an und überlegen sich zweimal, ob sie das warme Sofaplätzchen gegen nasse Pfoten tauschen sollen. Man könnte meinen, der 16. Juli 2020 war ein Herbsttag im November.

 

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Und in den Nachrichten häufen sich Meldungen über den Zustand unseres deutschen Waldes: Wald unter Stress, Waldsterben 2.0. Im Februar 2020 hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft einen Bericht veröffentlicht, dass 180.000 Hektar Wald zerstört seien; dies wurde dann nochmal auf 245.000 Hektar korrigiert und 160 Millionen Tonnen Schadholz seien angefallen. Waldsterben wegen saurem Regen war doch in den 1980ern?!

Woran das Waldproblem liegt

In den letzten zwei Jahren fiel zu wenig Niederschlag. Nicht nur ein bisschen weniger, sondern auch in Deutschland hatten wir Dürrejahre. Dann kamen auch noch Hitzeperioden im Sommer dazu. Allein durch die letzten zwei Jahre ist der Wald extrem geschwächt. 160 Jahre alte Bäume sind innerhalb von einem Jahr vertrocknet und abgestorben. Auch weil bei uns der Wald nicht nur Wald ist, sondern gewinnbringend bewirtschaftet wird. Hierfür wurde auf schnellwachsende Hölzer gesetzt, die mit dem Wassermangel schlecht zurechtkommen. Dazu die milden Winter (von denen die letzten neun zu warm waren) und die Sturmschäden. Das sind ideale Bedingungen für die Vermehrung des Borkenkäfers. Befallene Bäume müssen so schnell wie möglich entfernt werden, was jedoch durch die hohe Anzahl praktisch kaum zu bewältigen ist. Forstmitarbeiter wurden die letzten Jahre zunehmend eingespart; jetzt fehlt es deutschlandweit an Fachleuten.

Und auch wenn es wie am 16. Juli 2020 ein grauer und trüber Tag ist, konnte sich der Grundwasserspiegel insgesamt durch zu wenig Regen- und Schneefall auch im Jahr 2020 noch nicht wieder normalisieren. Was fehlt ist lang anhaltender Regen, denn kurzer und heftiger Starkregen aus Schauern und Gewittern wird zwar in der Regensumme bilanziert, kann aber von den trockenen Böden nur bedingt aufgenommen werden.

Wir haben also

  • milde Winter, die Schädlinge kaum eindämmen,
  • Stürme, die für umgefallene Bäume sorgen und diese Brutparadiese für Schädlinge darstellen,
  • Dürrephasen, während Bäume wachsen wollen
  • Hitzephasen, bei denen die Bäume viel Wasser benötigen
  • Starkregen auf trockenen Böden, der mehr schadet als nutzt und
  • Versuche, mit Setzlingen dem Waldsterben Einhalt zu gebieten mancherorts durch fehlenden Regen und zu viel Wild, das sofort die zarten Pflänzchen an- und abknabbert zum Scheitern verurteilt.

Was man tun kann

Nach wie vor ist wichtig, dass sich jeder für ein umweltbewussteres Verhalten entscheidet. Dazu zählt auch im kleinen, familiären Bereich sparsam mit Papier und Holz umzugehen, ebenso Energieeinsparungen bei Strom und Heizung, Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und auch als Konsument Energie einsparen durch verpackungsarmen Einkauf und vegetarischen Alternativen.

Der Klimawandel führt zweifelsfrei zu längeren Trocken-Phasen.

Als Waldbesucher sollte es selbstverständlich sein, auf den Wegen zu bleiben, keinen Müll zu hinterlassen, Bäume und Sämlinge nicht zu beschädigen und Feuer unbedingt zu vermeiden. Und lauter denn je die Wichtigkeit des Themas von der Politik einzufordern: Der Klimawandel führt zweifelsfrei zu längeren Trocken-Phasen. Der Wald ist Lebensraum, Sauerstoffspender, CO2-Lager, Ökosystem, Windschutz, Erdhalter, Lärmschutz, Holzlieferant, Arbeitgeber und Freizeitort.

Bäume sind eine gute Idee

Bäume binden nicht nur CO2 (1 Baum = ca. 10 kg CO2/Jahr), sie filtern Staub aus der Luft (ca. 5 kg) und setzten gleichzeitig Sauerstoff (ca. 130 kg) frei. Durch Evatranspiration sorgen sie für Wolkenbildung und damit für Niederschlag und kühlen unsere Erde.

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Das Wetter-Jahr 2020 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1981-2010 in Grad Nieder­schlag
Januar 2020 +3,2 +3,8 +2,9 45 l/m² - zu trocken
Februar 2020 +5,3 +4,9 +4,3 125 l/m² - zu nass
März 2020 +5,4 +1,8 +1,0 50 l/m² - zu trocken
April 2020 +10,4 +3,0 +2,2 17 l/m² - zu trocken
Mai 2020 +11,9 -0,2 -1,1 40 l/m² - zu trocken
Juni 2020 +16,8 +1,4 +1,1 90 l/m² - etwas zu nass
Juli 2019 +18,9 +2,0 +0,9 55 l/m² - zu trocken
August 2019 +19,09 +2,53 +1,53 65 l/m² - zu trocken
September 2019 +14,1 +0,8 +0,6 65 l/m² - zu nass
Oktober 2019 +10,9 +1,9 +1,7 80 l/m² - zu nass
November 2019 +5,2 +1,2 +0,8 60 l/m² - zu trocken
Dezember 2019 +3,7 +2,9 +2,5 60 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2020 +8,81 +2,45 +1,71 367 l/m² - zu trocken


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