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Update Super El Niño: Neue Messdaten zeigen eine außergewöhnliche Entwicklung im Pazifik

| C. Bertram

In einem Artikel wurde es bereits so wunderbar beschreiben - Es gibt Wetterkarten, die man täglich sieht und die einen kaum noch überraschen. Und dann gibt es Kurven, bei denen man zweimal hinschaut, bevor man begreift, was man da eigentlich vor sich hat. Die aktuelle Meeresoberflächentemperatur in der Niño-3.4-Region gehört in die zweite Kategorie. Alle Jahreslinien seit 1982 liegen brav in einem Band beieinander – bis auf eine. Die diesjährige Kurve hat dieses Band nicht nur nach oben durchbrochen, sie bewegt sich mittlerweile komplett außerhalb des bisher je gemessenen Bereichs. Zur Einordnung: Das ist keine Modellrechnung, keine Projektion für 2050. Das sind Messwerte von Bojen, Schiffen und Satelliten – Gegenwart, kein Szenario.

Super El Niño - Extremwerte im tropischen Pazifik werfen neue Fragen auf © https://climatereanalyzer.org
Super El Niño - Extremwerte im tropischen Pazifik werfen neue Fragen auf © https://climatereanalyzer.org

Warum diese eine Meeresregion das globale Wetter steuert? Die Niño-3.4-Region gilt zu Recht als Motor des globalen Zirkulationssystems. Verschiebt sich hier die Wärme, ändern sich Windmuster und Regenverteilung praktisch überall: Australien wird trockener und feueranfälliger, Teile Südamerikas bekommen Starkregen und Hochwasser, in Teilen Asiens setzt sich Dürre fest. Landwirtschaft, Wasserversorgung, ganze Volkswirtschaften hängen an diesem einen Datensatz.

El Niño an sich ist nichts Neues – das Muster gibt es seit Jahrtausenden. Neu ist die Basislinie, auf der es jetzt abläuft. Über neunzig Prozent der zusätzlichen Treibhausgas-Wärme landet im Ozean. Jeder neue El Niño startet damit auf einem höheren Energieniveau als der vorherige – ein Fundament, das es in dieser Form historisch noch nicht gab.

Die Kausalkette dahinter - Warum wärmere Ozeane Extremwetter immer weiter verstärken

Und genau hier wird es physikalisch simpel: Wärmere Ozeane verdunsten mehr, eine wärmere Atmosphäre hält mehr Feuchte – pro Grad rund sieben Prozent mehr Wasserdampf. Diese zusätzliche Energie muss irgendwo hin. Das Ergebnis: heftigere Niederschläge dort, wo es regnet, intensivere Dürre und Hitze dort, wo es nicht regnet. Der Klimawandel erfindet also keine neue Variabilität – er verschärft die vorhandene, und zwar an beiden Enden gleichzeitig.

Australien hat diesen Mechanismus längst am eigenen Leib erlebt: Black-Summer-Buschfeuer, wiederholte Korallenbleiche am Great Barrier Reef, marine Hitzewellen vor der Westküste. Alles Symptome desselben Grundmusters, das mit steigenden Ozeantemperaturen nicht seltener, sondern häufiger auftritt.

Kippelemente – Wie sich die Veränderungen auf das gesamte Klimasystem ausbreiten

Die Sache wird ungemütlicher, wenn man sich anschaut, wie vernetzt das Ganze ist. Atlantische Umwälzzirkulation, grönländisches Eisschild, westantarktische Gletscher, arktisches Meereis, Amazonas-Regenwald – das sind keine unabhängigen Baustellen, sondern Teile eines Systems, das sich gegenseitig beeinflusst. Verändert sich ein Kippelement, erhöht das den Druck auf die anderen. Genau diese Verkettung macht Prognosen so schwierig – und genau deshalb ist Aufmerksamkeit hier keine Panikmache, sondern schlicht angebracht.

Welche Folgen diese Entwicklung für Gesellschaft und Wirtschaft hat

Am Ende landet jede dieser Zahlen bei Menschen: höhere Lebensmittelpreise, teurere Versicherungen, knapperes Wasser, mehr Vertreibung – und wie immer trifft es zuerst die, die am wenigsten Puffer haben.

Diese Kurve beweist keine unausweichliche Katastrophe, und Wissenschaft liefert selten Absolutheiten. Sie zeigt aber ziemlich unmissverständlich: Wir verlassen gerade den klimatischen Rahmen, in dem unsere Infrastruktur, unsere Landwirtschaft und unsere Institutionen überhaupt entwickelt wurden. Ob wir das rechtzeitig ernst nehmen, bevor die Verkettungen zu groß und zu schnell werden, um sie noch zu managen – das ist die eigentliche Frage.

Wer mehr über die Folgen des wissen möchte: Super-El-Niño ist ein Szenario mit ernsthaften globalen Konsequenzen

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Regenradar Deutschland
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)

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