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Wetteranalyse: Wetter kippt zum Jahreswechsel - Schneesturm, unwetterartiger Schneefall oder doch nur ein Winterhauch

| M. Hoffmann

Der Winter kommt - doch wie nachhaltig ist die Entwicklung in Richtung Hochwinter? Die Cluster-Analyse vom vergangenen Sonntag hatte mit einer Wahrscheinlichkeit von 78 Prozent ein blockierendes Hoch zum Jahreswechsel auf dem Atlantik berechnet, was jetzt auch so kommt. Das Strömungsmuster meridionalisiert und setzt einen Prozess in Gang, welcher eisige Polarluft aus Skandinavien nach Süden - in Richtung der Alpen rauschen lässt. Auf dem Weg bis zu den Alpen müssen die Kaltluftmassen jedoch einige Hürden nehmen und auch die ungewöhnlich warmen Meere queren, was zwangsläufig zu Turbulenzen führen wird. Und diese Turbulenzen werden entscheidend sein, ob chaotisches Winterwetter mit unwetterartigem Schneefall oder nur ein winterliches Geplänkel über Deutschland hinwegziehen wird. Kurzum - es wird spannend und das Entwicklungsspektrum ist breit gestreut. Wir schauen in unserer Wetteranalyse einmal genauer hin und bewerten die wahrscheinlichen Wetterentwicklungen.

Der Winter nimmt Anlauf und kann unter bestimmten Voraussetzungen mit viel Schnee den Hochwinter nach Deutschland führen © Martin Bloch
Der Winter nimmt Anlauf und kann unter bestimmten Voraussetzungen mit viel Schnee den Hochwinter nach Deutschland führen © Martin Bloch

Ruhiges Wetter ist noch bis einschließlich dem 30. Dezember mit einem Wechselspiel aus Sonne, Wolken und Nebel zu erwarten. Ein paar Schnee- oder Regenschauer können gleich zu Beginn der Woche über dem Norden und Osten für etwas Abwechslung sorgen, doch wird nicht viel an Niederschlag zusammenkommen. Dennoch - die Temperaturen schwanken südlich einer Linie zwischen Köln und Rostock um den Gefrierpunkt und da reicht auch der wenige Niederschlag schon aus, um für gefährliche Glätte zu sorgen. Milder bleibt es mit +4 bis +8 Grad nördlich der Linie.

Die Entwicklung der Großwetterlage an Silvester und Neujahr

Interessant wird das Wetter zum Jahreswechsel. Das Hoch - und das erkennt man auf den untenstehenden Wetterkarten sehr gut - positioniert sich auf dem Atlantik als Blockadehoch und lässt polare Luftmassen über Skandinavien nach Süden rauschen. Die Kälte hat es in sich - so werden bspw. über Kiruna (Nordlappland) Tageshöchstwerte von -19 Grad simuliert, die sich auf dem Weg nach Süden erwärmen und über Stockholm noch Höchstwerte von -5 Grad bringen. Dann kommt die warme Nordsee und lässt die Temperaturen über Hamburg auf bis +6 Grad ansteigen und nach Süden bspw. München auf -2 bis +2 Grad abkühlen. Das ist zwar noch nicht das, was man unter Winterwetter versteht, doch setzt sich die Kälte zunächst einmal in der Höhe durch und mit entsprechender Durchmischung etwas später auch über den tieferen Lagen. So liegen am 1. Januar die Temperaturen in 1.400 Meter Höhe zwischen -6 und - 11 Grad. Zum Vergleich: Am Montag liegen die Höhenwerte noch bei bis +9 Grad.

Der Winter macht sich zum Jahreswechsel auf den Weg nach Süden
Der Winter macht sich zum Jahreswechsel auf den Weg nach Süden © www.meteociel.fr

Die Wetterentwicklung bis zum 6. Januar - Heilige Drei Könige

Die Turbulenzen, welche die Polarluft auf ihrem Weg nach Süden auslösen wird, sind nicht ohne. Auf den obenstehenden Wetterkarten erkennt man das, was aus Sicht der Freunde des Winterwetters wenig optimal ist. Die Polarluft erreicht die Alpen nicht direkt aus Nord, sondern wird durch das Blockadehoch zwischen dem europäischen Nordmeer in Richtung England transferiert und trifft erst nachfolgend auf Deutschland, was die Luftmassen über dem Meer weiter erwärmt.

Der Winter wird großräumig abgeblasen

Geht es nach der Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells, so erreicht die Polarluft Deutschland am 3. und 4. Januar und lässt die Temperaturen tagsüber um den Gefrierpunkt herum schwanken. Erst zum 5. Januar setzt sich die Höhenkälte mit -6 bis -1 Grad auch über den tieferen Lagen durch.

Doch kaum ist die Kaltluft angekommen, zersetzt sich das Konstrukt. Das Blockadehoch auf dem Atlantik kippt nach Osten ab und verlagert sich ab dem 6. Januar über Deutschland. Die Polarluft zieht nach Osten weiter und unter Hochdruckeinfluss kommt über Deutschland häufiger die Sonne zum Vorschein, was die Temperaturen bis zum 8. Januar auf +5 bis +10 Grad ansteigen lassen kann. Dieser Prozess ist nicht ohne und kann gerade über dem süddeutschen Raum unwetterartigen Schneefall mit katastrophalen Auswirkungen nach sich ziehen, doch im Hinblick auf die Nachhaltigkeit des Winters ist da nicht viel zu erwarten.

Hochwinter mit unwetterartigem Schneefall und eisiger Kälte

Läuft jedoch für den Hochwinter alles perfekt, so advehiert nach der Vorhersage des europäischen Wettermodells die Polarluft auf den warmen Meeren genügend Feuchtigkeit, was am südlichen Gradienten des Troges ein Randtief entstehen lässt, das mit dem Feuchtepaket über die Alpen zieht und die Kaltluftmassen weiter nach Süden führt.

Das hat zur Folge, dass die gesamte Polarfront nach Süden rutscht und sich in einem Sektor zwischen Neufundland, Island und der Mittelmeerregion positioniert. Das reicht aus, um immer wieder Feuchtpakete zu advehieren, was im Zeitraum vom 1. bis 10. Januar immer wieder zu Schneefall führen kann - teils länger andauernd, teils ergiebig und regional unwetterartig.

Die Temperaturen erreichen am 5. Januar -4 bis +2 Grad und am 7. Januar -10 bis -1 Grad - wohlgemerkt die Höchstwerte.

Zwischen Winter-Top und Winter-Flop
Zwischen Winter-Top und Winter-Flop © www.meteociel.fr

Zwischen Winter-Top und Winter-Flop

Viele von Ihnen kennen unseren wissenschaftlich präzisen Ausdruck des erhobenen Zeigefingers, der immer dann zuckt, wenn der Winter ernst machen will. Warum wird er erhoben? Das liegt in der Erfahrung - direkte Polarluftvorstöße nach Deutschland sind zwar potenziell möglich und hat es immer wieder gegeben, doch häufiger sorgen die Turbulenzen im letzten Moment dafür, dass aus einem ehemals (simulierten) brachialen und chaotischen Durchbruch der eisigen Polarluft allenfalls ein winterliches Lüftchen wird.

Und schaut man sich die obenstehenden Wetterkarten noch einmal genauer an, so bilden diese jeweils ein Extrem ab, welches in den kommenden Stunden mit einer hohen Wahrscheinlichkeit wieder verworfen wird. Das liegt einfach in der Natur der Sache und auch in den kommenden Tagen ist mit weiteren Verschiebungen und Korrekturen - sowohl in die eine wie auch die andere Richtung - zu rechnen.

Das Wetter, das wahrscheinlich ist

Das ist auch einer der Gründe, warum wir zwar die möglichen Wetterabläufe analysieren, doch geht es uns nicht um die Möglichkeiten, sondern um die Entwicklung, welche am wahrscheinlichsten ist und somit das höchste Potential hat.

Hilfreich sind hier die Kontrollläufe mit ihrer Temperaturprognose in 1.400 Meter Höhe. Der Mittelwert schwankt an Neujahr zwischen -5 und -6 Grad und sinkt bis zum 6. Januar auf -6 (Europäer) bis -8 Grad (Amerikaner) ab. Damit der Flachlandwinter überhaupt eine Relevanz hat, sollten die Höhenwerte zwischen -5 und -7 Grad liegen. Für den Hochwinter mit mäßigem Dauerfrost sollten die Höhenwerte um die -10 Grad-Marke schwanken.

Um es auf den Punkt zu bringen, die Kontrollläufe sind im Hinblick auf den Flachlandwinter und den Hochwinter grenzwertig. Der erhobene Zeigefinger ist absolut berechtigt. Ist der Winter damit abgeblasen? Nein, keineswegs. Der Winter wird nach den Kontrollläufen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nach Deutschland durchbrechen und Lagen oberhalb von 200 bis 600 Meter in ein winterliches Kleid packen können. Es geht aber auch um die Frage, ob dem Winter der Sprung bis auf das Flachland herb gelingt und das gilt es im Moment noch mit einem gesunden Maß an Skepsis zu bewerten.

Zusammenfassung Wetterprognose der Vorhersagemodelle

  • Blockadehoch auf dem Atlantik
  • Vollständig gestörte Zirkulation mit meridionalem Verlauf
  • Polarluft dehnt sich bis zum 4. Januar nach Süden und damit nach Deutschland aus
  • Turbulenzen nehmen zu
  • Unwetterartige Neuschneemengen mit chaotischen Zuständen sind möglich
  • Grundsätzlich aber unterscheiden sich die Vorhersage-Modelle fundamental und sind somit weniger verlässlich
  • Der Wettertrend zeigt eine normal winterliche Wetterentwicklung, bei der sich ab den tieferen mittleren Lagen der Winter bis zum 6. Januar durchsetzen kann
Der Mittelwert berechnet vergleichsweise normales Winterwetter mit einer phasenweise dünnen Schneedecke über den tieferen Lagen und einer mäßigen ab den mittleren Lagen
Der Mittelwert berechnet vergleichsweise normales Winterwetter mit einer phasenweise dünnen Schneedecke über den tieferen Lagen und einer mäßigen ab den mittleren Lagen © www.meteociel.fr || wxcharts.com

So stehen die Randfaktoren zum (Hoch)Winter

Der NAO-Index, welcher vereinfacht das Verhältnis zwischen Islandtief und Azorenhoch beschreibt, ist im Moment deutlich negativ (stark abgeschwächte zonale Zirkulation mit erhöhter Blocking-Neigung). Ab dem 1. Januar aber gibt es eine extreme Spreizung zwischen deutlich negativen, aber auch positiven Entwicklungen. Im Grunde bestätigt der NAO-Index damit das Spektrum, welches die Vorhersage-Modelle bereits berechneten.

Kippt das Blockadehoch nach Osten ab und etabliert sich erneut ein kräftiger Druckgradient über dem Nordatlantik, kann der NAO-Index positiv werden. Bleibt das Blockadehoch bestehen, so wird der NAO-Index negativ bleiben und verlagert sich das Blockadehoch noch weiter in Richtung Grönland, so hat das auch Auswirkungen auf den AO-Index.

Und ja, der AO-Index hat ebenfalls ein breites Entwicklungsspektrum von deutlich negativen als auch positiven Werten.

Der AO-Index beschreibt das Verhältnis des Luftdrucks zwischen der Arktis und den mittleren Breiten der Nordhemisphäre und damit die Stärke der zonalen Westwindzirkulation. Ein positiver AO-Index steht für einen starken, kompakten Polarwirbel, während ein negativer AO-Index auf einen geschwächten oder gestörten Polarwirbel mit stärker meridionaler Strömung hindeutet.

Damit spiegeln die Randfaktoren fast schon lehrbuchmäßig die Unsicherheiten der kommenden Wetterentwicklung wider, was den erhobenen Zeigefinger im Hinblick auf den Hochwinter erneut zucken lässt. Oder anders formuliert, bestätigen die Randfaktoren die Entwicklung des Winter-Flops oder Winter-Tops.

Zusammenfassung Analyse Zustand des Polarwirbels

  • AO-Index aktuell negativ
  • Bis Neujahr hat der AO-Index einen positiven Trend, bleibt aber bis zum 10. Januar leicht negativ
  • Schwankendes Spektrum zwischen deutlich positiven und negativen Ausschlägen
  • Ähnlich der NAO-Index - aktuell negativ
  • Positiver Entwicklungstrend des NAO-Index zum 10. Januar, bleibt mit seinem Mittelwert jedoch negativ
  • Beide Randfaktoren haben eine große Spreizung - keine stabile Regimekopplung
  • Ein nachhaltiger Durchbruch einer stabilen Westwetterlage ist derzeit wenig wahrscheinlich
  • Die großräumigen Randfaktoren sprechen derzeit nicht gegen winterliche Entwicklungen
  • Hochwinter ist möglich, doch vakant
  • Weder ein negativer AO- und NAO-Index garantieren Kälte, Schnee oder den Dauerwinter - es sind Randfaktoren (diagnostische Großskalenparameter), welche helfen, die Unschärfe besser einzuordnen
Die Bandbreite zwischen positiven/negativen NAO- und AO-Index
Wetterprognose nach ausgesuchten Kontrollläufen: Die Bandbreite zwischen positiven/negativen NAO- und AO-Index © www.meteociel.fr

Zwischenfazit: Der Winter bekommt eine Chance

Das Zwischenfazit der vergangenen Wetteranalyse gilt auch heute noch. Der Winter hat gute bis sehr gute Voraussetzungen, sich zum Jahreswechsel bis auf die tieferen mittleren Lagen durchzusetzen.

Zwar haben die Randfaktoren eine breite Spreizung, bleiben jedoch bis zum 10. Januar negativ, was einen nachhaltigen Durchbruch einer stabilen Westwetterlage derzeit wenig wahrscheinlich macht und grundsätzlich nicht gegen eine winterliche Entwicklung spricht.

Bewertet man die Wahrscheinlichkeiten, so hat der Winter ab den mittleren Lagen (400 bis 800 Meter) vom 1. bis 7. Januar aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 87 Prozent, der Winter ab den tieferen mittleren Lagen (200 bis 500 Meter) von 76 Prozent und der Flachlandwinter (0 bis 300 Meter) eine Wahrscheinlichkeit von 62 Prozent.

Die Wahrscheinlichkeit einer Schneedecke liegt am 7. Januar über tieferen Lagen zwischen 30 und 60 Prozent, ab den mittleren Lagen zwischen 50 und 90 Prozent.

Heute Abend steigen wir tiefer in die Analyse ein und schauen uns die Cluster-Analyse, den Zustand des Polarwirbels, den QBO-Ost und dessen Auswirkungen auf den Stratosphärenwirbel sowie die aktuellen Prognosen der Vorhersage-Modelle an. Bis dahin wünschen wir Ihnen einen wunderbaren Sonntag.

Nächste Aktualisierung

  • 20:15 Uhr: Aktualisierung der Sonntagsanalyse an dieser Stelle

Update der Wetterprognose von 20:27 Uhr

Beginnen möchten wir das abendliche Update mit der Cluster-Analyse, welche bereits in der vergangenen Woche mit einer Wahrscheinlichkeit von 78 Prozent das sich nun einstellende Blocking auf dem Atlantik im Januar simuliert hatte. Das Blockadehoch ist deshalb so wichtig, da es erst die Grundlagen für winterliche Wetterverhältnisse über Deutschland ermöglicht.

Die Clusteranalyse mit überragenden Signalen

Wir erinnern uns kurz an die obenstehende Analyse von heute Nachmittag - der NAO- und der AO-Index haben eine breite Streuung, sind im Mittelwert bis zum 14. Januar jeweils negativ.

Das stützt die Cluster-Analyse mit nur noch drei möglichen Varianten. 66 Prozent entfallen auf eine Großwetterlage mit negativem NAO-Index und 34 Prozent auf ein Blocking über dem Atlantik.

Das ist äußerst auffällig - doch welche Auswirkungen hat das auf das Wetter und den Winter über Deutschland? Wenn die Cluster-Analyse zu 66 Prozent einen negativen NAO-Index und zu 34 Prozent ein Blocking auf den Atlantik zeigt, sprechen die Wahrscheinlichkeiten klar gegen eine dauerhaft zonale Westlage und für erhöhte Chancen auf winterliche Wetterlagen über Deutschland.

Ein negativer NAO-Index begünstigt blockierende Hochdruckgebiete in höheren Breiten und damit Kaltluftzufuhr aus Nord oder Ost, während ein Blocking auf dem Atlantik zwar ebenfalls die Westdrift abschwächt, Winterwetter in Deutschland aber stärker von der genauen Lage und Neigung des Hochdruckrückens abhängt - ganz ähnlich, wie es zum Jahreswechsel der Fall ist.

In Summe bedeutet diese Verteilung: Die Chancen auf zumindest zeitweise winterliches Wetter sind erhöht, ein flächendeckender oder nachhaltiger Winterdurchbruch ist jedoch nicht gesichert, sondern bleibt abhängig von der konkreten synoptischen Ausgestaltung der Blockierung.

Zusammenfassung der Cluster-Analyse

  • Es gibt keine Berechnungen für ein Blocking über Europa oder dem Durchbruch einer Westwetterlage
  • Mehrheitlich bestätigt sich ein Hoch im Bereich zwischen Grönland, Kanada oder Island
  • Das begünstigt bis auf weiteres einen meridionalen Verlauf der Grundströmung
  • Die Grundlagen für Winterwetter über Deutschland sind gut bis sehr gut
  • Doch hängt das mögliche Winterwetter sehr von der Positionierung der Blockadesysteme ab

Bringt der QBO den Hochwinter im Januar?

Der QBO befindet sich seit Wochen klar in der Ostphase. Die NOAA/PSL QBO-Zeitreihe zeigt negative Werte der äquatorialen 30 hPa-Winde, typisch für QBO-Ost, die Tendenz ist nach unten im Stratosphärenprofil gerichtet (also in die unteren Schichten wandernd). Die Ost-Phase ist stabil und ausgeprägt und gilt für den Winter 2025/26 als aktiv.

Weil die QBO-Phase großskalig ist und sich über Monate hinweg nach unten deszendiert, ist sie bereits jetzt im unteren Stratosphärenbereich relevant und wird diesen Zustand typischerweise über den Winter beibehalten - also auch im Januar und Februar 2026.

Warum bewerten wir den QBO-Ost?

Die QBO-Ost-Phase beeinflusst die Stratosphäre über mehrere Mechanismen und verändert die Stratosphäre so, dass planetare Rossby-Wellen leichter aufsteigen und den Polarwirbel stören können (Holton-Tan-Mechanismus). Statistisch treten plötzliche Stratosphärenerwärmungen (SSW; Major-Warming) häufiger in den Ost-Phasen Wintern auf, weil der Polarwirbel bei QBO-Ost konditionell anfälliger ist (häufiger abgeschwächt). Diese Modulation ist Wahrscheinlichkeitserhöhung, kein automatischer Auslöser eines Major-Warmings.

Kurzum: Ein QBO-Ost macht den Polarwirbel anfälliger für Störungen, aber löst selbst kein Major-Warming aus, er begünstigt jedoch die Rahmenbedingungen.

Was sind die Folgen eines QBO-Ost?

Es gibt Tendenzen zu höherer Blocking-Wahrscheinlichkeit über den nördlichen Breiten, was zu normal bis unterdurchschnittlichen Temperaturen in großen Teilen Europas führen kann. Der zeitliche Ablauf sieht vor, dass im Dezember eine Wirkung möglich, aber noch gedämpft ist, da der Polarwirbel über weite Strecken stabil war. Im Januar und Februar sieht das wieder anders aus. In diesem Zeitraum ist die höchste Wirksamkeit des QBO-Einflusses zu erwarten. Und hier tritt ein Major-Warming statistisch gesehen am häufigsten in QBO-Ost-Wintern auf.

Welche Auswirkungen sind mit dem QBO-Ost bereits sichtbar?

Ja, das zeigt sich im Aufbau des Stratosphärenwirbels. Besonders auffällig ist das Aleutenhoch, welches ein blockierendes Hochdruckgebiet im Nordpazifik (oft Winterhalbjahr) ist. Es steht in engem Zusammenhang mit den planetaren Wellen (v. a. Welle-1), der pazifischen Zirkulation (PNA-Muster) und der Kopplung Troposphäre–Stratosphäre. Ein starkes Aleutenhoch ist kein Zufallsprodukt, sondern Ausdruck einer gestörten zonalen Zirkulation.

Schaut man sich die nachfolgende Struktur genauer an, so erkennt man die Schwächung der oberen Strukturen und das starke Aleutenhoch. Nein, das ist kein Major-Warming, doch begünstigt dieses Setup eine anhaltend gestörte Zirkulation.

Zusammenfassung Analyse: Quasi-biennial Oscillation (QBO)

  • QBO-Ost ist aktiv und wird zwischen Januar und Februar das Auftreten von Major-Warmings in Stratosphärenhöhe begünstigen
  • Anzeichen sind ein strukturell geschwächter Polarwirbel und das Hoch über den Aleuten
  • Erste - mögliche - Auswirkungen eines QBO-Ost lassen sich bereits erkennen
Die ersten - möglichen - Auswirkungen des QBO-Index in Stratosphärenhöhe: Aleutenhoch und Schwächung der Gesamtstruktur
Die ersten - möglichen - Auswirkungen des QBO-Index in Stratosphärenhöhe: Aleutenhoch und Schwächung der Gesamtstruktur © www.meteociel.fr

Fazit: So schlecht sieht es für den Winter nicht aus

Die Winde in Stratosphärenhöhe betragen im Moment +108 km/h, steigen zum 8. Januar auf rund +160 km/h an und sinken zum 15. Januar auf +85 km/h ab. Erst wenn die Winde in Stratosphärenhöhe ein negatives Vorzeichen annehmen, wird es richtig interessant. Im Moment aber lässt sich lediglich eine schwache Struktur des Stratosphärenwirbels feststellen.

Was fehlt, sind noch die abendlichen Prognosen der Vorhersage-Modelle. Beide simulieren heute Abend bis zum 7. Januar eine anhaltend gestörte Zirkulation mit einem Blockadehoch auf dem Atlantik, welches sich mit seinem Kern im Bereich zwischen Grönland und Island eindreht. Der negative NAO-Index wird somit bestätigt.

Doch trotz der nahezu perfekten Voraussetzungen für Winterwetter über Deutschland bleibt der Zeigefinger erhoben. Der Grund ist offensichtlich, da sich die Hochdruckachse auf dem Atlantik etwas dreht und den Hauptstrom der Polarluft zwischen dem europäischen Nordmeer und England niedergehen lässt.

Deutschland, Österreich und die Schweiz liegen am östlichen Gradienten der Kaltluft, was - wenn es aus Sicht der Freunde des Winterwetters richtig blöd läuft - warme Luftmassen aus südwestlichen Richtungen advehiert. Das kann dazu führen, dass bspw. die Temperaturen am 4. Januar über dem Süden auf bis +12 Grad ansteigen können (amerikanisches Wettermodell) und sich erst nachfolgend mit -2 bis -6 Grad in Richtung Winter verschieben.

Die Prognose des europäischen Wettermodells bleibt bis zum 7. Januar auf einem winterlichen bis hochwinterlichen Kurs. Zwar kann auch hier aus südwestlichen Richtungen die warme und feuchte Luftmasse angezapft werden, doch begünstig die Struktur vielmehr die Zufuhr kalter Luftmassen und den Schneefall über Deutschland, der Schweiz und Österreich.

Während die Rahmenbedingungen und die Struktur der kommenden Großwetterlage klar sind, gibt es hinsichtlich der Details noch viel Spannung. Schaun mer mal, was der Winter in den kommenden Tagen daraus machen wird.

Die Entwicklung der Großwetterlage und die Schneeprognose beider Vorhersage-Modelle bis zum 7. Januar
Die Entwicklung der Großwetterlage und die Schneeprognose beider Vorhersage-Modelle bis zum 7. Januar © www.meteociel.fr || wxcharts.com
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