Wetteranalyse: So stehen aktuell die Chancen auf Schnee an Weihnachten
Das Erwartbare tritt nun ein. Eine für den Winter ungünstige Konstellation führt jetzt zu Temperaturen, welche dem Frühling nicht nur nah sind, sondern mit +17 Grad mancherorts einen Frühlingstag möglich machen können. Wie lange erhält sich diese um bis zu 10 Grad zu warme Wetterentwicklung, kommt der Winter noch in der Vorweihnachtszeit und wie steht es um weiße Weihnachten mit Schnee und Frost? Das soll heute unser Schwerpunkt der Analyse sein.
Es sind noch rund 16 Tage bis Weihnachten und das Wetter zeigt sich aktuell alles andere als winterlich. Das Gegenteil ist mit einer in der Höhe strammen Südwestanströmung der Fall, was die Temperaturen bspw. in 1.500 Meter auf +3 bis +5 Grad und am 10. Dezember kurzzeitig auf bis +11 Grad ansteigen lassen kann. Starkes Tauwetter setzt sich bis in die höheren Lagen durch. Begleitet wird der Temperatursprung von einem Mix aus Sonne und Wolken und zeitweiligem Niederschlag, wobei die Wolken und der Niederschlag mehr über dem Norden und der Sonnenschein mehr über dem Süden zu verorten ist.
Die Entwicklung der Großwetterlage bis zum 3. Advent
Schauen wir zunächst einmal eine Woche in die Zukunft und bewerten die Stabilität der kommenden Wetterentwicklung anhand des Polarwirbels. Wir vergleichen einmal die aktuelle Vorhersage des amerikanischen, des europäischen und des deutschen Wettermodells.
Was sofort auffällt, ist der Erhalt der Anströmung warmer Luftmassen über Deutschland bis zum 3. Advent. Daran wird erst einmal kein Weg vorbeiführen. Beachtenswert sind jedoch die unterschiedlichen Berechnungen zum Zustand des Polarwirbels.

Zustand des Polarwirbels
Das europäische Wettermodell berechnet einen absolut stabilen Polarwirbel, das deutsche Modell ist dem Idealzustand sehr nah, während die Amerikaner das Strömungsmuster mit dem Aleutenhoch um 90 Grad kippen lassen. Entscheidend für den Winter in der Zeit vor Weihnachten wird sein, ob die Grundströmung innerhalb des Polarwirbels auch nachhaltig wird drehen können. Und da es vom 3. Advent nur noch 10 Tage bis Heiligabend sind, bleibt nicht mehr viel Zeit.
Die Stabilisierungsphase ist abgeschlossen
Noch ein kurzer Rückblick auf die vergangene Sonntagsanalyse (Verifizierung), bei der das Hop-oder-Top-Prinzip noch erwähnt wurde, das Kippmuster jedoch eindeutig in die deutlich bis extrem zu warme Richtung ging. Jetzt wird vielleicht auch klarer, warum wir das Hop-oder-Top-Prinzip
so benennen. Es geht um eine Richtungsentscheidung zwischen zwei Extremen (Schlüsselentwicklung), welche über einen längeren Zeitraum hinweg bestand haben kann. Jedenfalls erholt sich der Polarwirbel jetzt (das Erwartbare) und wird für einen Zeitraum von 7 bis 14 Tagen mit einer Südwestanströmung vergleichsweise warme Luftmassen in Richtung Mitteleuropa führen.
Schauen wir eine Woche weiter - zum 4. Advent. Der Polarwirbel verformt sich und wird instabiler, was ein wichtiges Signal für alle Freunde weißer Weihnachten
ist. Nein, dieses Signal ist nicht mit Schnee zum Fest oder einem Durchbruch des Winters gleichzusetzen, es handelt sich lediglich um ein Signal, dass sich in der Zeit vor Weihnachten eine andere Wetterlage einstellen kann.
Bewertet man die Gemeinsamkeiten der Vorhersage-Modelle und setzt diese ins Verhältnis zu den Kontrollläufen, so zeigt sich eine Hochdruckdominanz über dem westlichen Russland - das Kontinentalhoch. Und sollte es sich exakt so positionieren (also östlich von Europa), so wäre vom Winter auch über die Weihnachtstage nicht viel zu erwarten.
Zusammenfassung Wetterprognose der Vorhersagemodelle
- Polarwirbel bis Mitte Dezember im stabilen Zustand
- Über Deutschland hat ungewöhnlich warmes Wetter zur Folge
- Nach dem 15. Dezember nimmt die Unschärfe wieder zu
- Kontinentalhoch wird kräftiger simuliert
- Aus dieser Konstellation heraus ist jedoch nicht mit weißen Weihnachten zu rechnen

Zustandsanalyse - Störungen des Polarwirbels möglich?
Die Prognosemodelle stimmen mit dem Kontinentalhoch gut überein, was auch vom Mittelwert aller Kontrollläufe gestützt wird. Das kann man einmal so zur Kenntnis nehmen. Schauen wir ein Stockwerk höher und bewerten die Gesamtstruktur des Polarwirbels.
Minor-Warming in Stratosphärenhöhe
Aktuell gibt es in der Stratosphäre ein Minor-Warming, was im Winter häufiger vorkommt und keinerlei Relevanz für das Wetter in den unteren Schichten hat. Das hat sich bereits vor rund 14 Tagen so bestätigt und ein Übergang zu einem Major-Warming war nicht zu erkennen und somit auch nicht eine Störung des gesamten Systems, wie man aktuell am stabilen Polarwirbel erkennen kann.
Dennoch schwächelt der Stratosphärenwirbel in diesem Winter, was sich an den Winden von aktuell +54 km/h und am 20. Dezember von +108 km/h schlussfolgern lässt. Normalerweise bläst der Wind in dieser Höhe vor Weihnachten zwischen +140 bis +170 km/h von West nach Ost. Einerlei - ob schwach oder kräftig. Solange die Winde von West nach Ost wehen, ist von oben herab nicht mit einer Störung zu rechnen.
Randfaktor AO-Index - keine klaren Signale
Der Zustand des Polarwirbels lässt sich stark vereinfacht mit dem AO-Index bemessen. Kurze Erklärung: Ist der AO-Index positiv, so ist der Luftdruck über der Arktis niedrig und über den mittleren Breiten hoch. Der Polarwirbel ist stark, kompakt, wenig gestört. Das fördert ein stabiles Westwindband (Jetstream) und verläuft relativ gerade (zonal), was aber nicht immer so sein muss.
Die Folgen eines positiven AO-Index auf das Wetter über Deutschland sind häufigere West- oder Südwestwetterlagen, mildes, feuchtes und windiges Wetter über West- und Mitteleuropa. Die Schneefallgrenze beschränkt sich auf die höheren Lagen. Die Frontalzone regiert
.
Ist der AO-Index neutral, so ist die Druckverteilung ausgeglichen, der Polarwirbel weder besonders stark noch besonders schwach und das Zirkulationsmuster ist oft variabel. Die Auswirkungen auf das Wetter über Europa: Wechsel zwischen zonalen und meridionalen Phasen, Übergangslagen, häufige Musterwechsel. Keine klare Tendenz zu Extremen.
Ist der AO-Index negativ, ist der Polarwirbel schwach oder gestört. Hoher Luftdruck über der Arktis, tiefer über den mittleren Breiten. Der Jetstream wird mäandrierend, was Blockings über Grönland, Skandinavien oder Eurasien sowie negative NAO-Phasen mit Schneefalltendenz über Mitteleuropa (abhängig von Feuchtequellen) möglich macht.
Wichtig dabei zu verstehen ist, dass der AO-Index nur das großräumige Muster, nicht aber das lokale Wetter beschreibt. Deshalb ist er ein Randfaktor.
Aktuell ist der AO-Index noch negativ, nimmt zum 10. Dezember einen neutralen Zustand an und entwickelt sich ab dem 15. Dezember in den positiven Bereich.
Zusammenfassung Analyse Zustand des Polarwirbels
- Windgeschwindigkeit nimmt in Stratosphärenhöhe zu
- Gesamtsystem in halbwegs stabilem Zustand
- Minor-Warming, kein Major-Warming, keine Auswirkungen auf das Wetter
- AO-Index leicht positiv mit Schwankungen
- Polarwirbel zeigt Schwächen vor Weihnachten

Analyse der Randfaktoren
Bewertet man das, was möglich sein kann, muss man sich die Randfaktoren anschauen. Der AO-Index ist einer dieser Randfaktoren, ein zweiter ist der NAO-Index (Verhältnis Azorenhoch zu Islandtief). Dieser ist im Moment negativ, entwickelt sich jedoch parallel zum AO-Index erst in den neutralen und ab dem 15. Dezember in den leicht positiven Zustand.
Betrachtet man nur den NAO-Index, so wird das mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zu einem Erhalt der Frontalzone auf dem Atlantik führen. Ein Blockadehoch auf dem Atlantik, welches einen meridionalen Verlauf der Grundströmung zur Folge hat, ist hingegen weniger wahrscheinlich.
Clusteranalyse
Doch ist das Blockadehoch auch nicht ganz auszuschließen, da nicht alle Index-Werte positiv berechnet werden. Es geht somit um die Relevanz und hier hilft die Clusteranalyse weiter.
In der aktuellen Prognose gibt es 12 unterschiedliche Clusterformationen. Knapp 66 Prozent entfallen auf einen positiven NAO-Index, was in der Natur der Sache liegt. Der Rest von 34 Prozent entfällt auf ein Blocking über Europa. Null Prozent erreicht der negative NAO-Index und ein Blocking auf dem Atlantik. Fasst man das zusammen, kommt fast exakt das heraus, was die Vorhersage-Modelle heute berechnen. Blocking Europa/Osteuropa mit aktivem Atlantikwetter. Deutschland liegt bis zum 18. Dezember zwischen den Fronten in einer südwestlichen - phasenweise westlichen bis südlichen Anströmung. Der Winter hat bis zum 18. Dezember kein leichtes Spiel.
Zusammenfassung Randfaktoren
- NAO-Index hat einen neutralen und ab Mitte Dezember positiven Entwicklungstrend, was für eine Südwestwetterlage spricht
- Clusteranalyse stützt diesen Trend - 66 Prozent zeigen einen positiven NAO-Index, 34 Prozent ein Blocking über Mitteleuropa
- Blockadehoch zwischen Europa und Osteuropa hat eine hohe Relevanz
- Aktive Frontalzone verschlechtert die Chancen auf Winterwetter über Deutschland

Zwischenfazit: Jetzt wird es warm - Kippmuster vor Weihnachten möglich
Das im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert zu warme Wetter bleibt zunächst bis zum 15. Dezember mit einer hohen Wahrscheinlichkeit erhalten. Darüber nimmt die Unschärfe zwar zu, doch ist die Wahrscheinlichkeit im Moment für eine zu warme Wetterentwicklung höher als ein Durchbruch des Winters mit Schnee zu Weihnachten.
Deutlicher zeigt sich das im Mittelwert aller Kontrollläufe, welche erst zum 20. Dezember in Richtung normale
Temperaturverhältnisse tendieren. Normal bedeutet in diesem Fall, dass sich der Winter in den höheren Lagen wieder zurückmeldet, über tieferen Lagen jedoch Temperaturen um die +5-Grad-Marke schwankend zur Folge hat.
Heute Abend schauen wir uns an, was der QBO macht und ob dieser noch zu einem Gamechanger in diesem Winter werden kann. Auch werfen wir einen kurzen Blick auf die Langfristprognosen und wie diese auf die aktuelle Entwicklung reagieren. Und zu guter Letzt bewerten wir die zunehmende Anzahl an instabilen Zuständen des Polarwirbels und deren Ursachen. Bis dahin wünschen wir Ihnen einen tollen 2. Advent!
Nächste Aktualisierung
- 20:15 Uhr: Aktualisierung der Sonntagsanalyse an dieser Stelle
Update der Wetterprognose von 20:17 Uhr
Heute Abend wird es neben dem, was wahrscheinlich und erwartbar ist, etwas spekulativer. Allen voran mit dem QBO. Der Referenzlevel ist mit 30 hPa aktuell deutlich negativ, sodass die QBO-Schwingung sauber nach unten propagiert und aktuell konsistent ist. Die QBO-Ost-Umkehr wurde bereits im Spätsommer in Gang gesetzt und wird sich im Winter weiterentwickeln.
Die Ostphase reicht inzwischen in den unteren Stratosphärenbereich (~30 bis 50 hPa) hinein. Das erklärt auch, warum der schwache Stratosphärenwirbel nicht mit einem Major-Warming in Verbindung gebracht werden darf. Und wer sich noch an die letzte Sonntagsanalyse mit der Kopplungstrennung der oberen, mittleren und unteren Schicht des Polarwirbels erinnert, sieht, wie gewichtig der QBO sein kann und im Winter noch zu einem Gamechanger werden kann. Denn genau diese untere Stratosphäre
(50 bis 70 hPa) ist für die Kopplung zum Polarwirbel entscheidend (Holton-Tan-Zusammenhang).
Zusammengefasst: Der QBO befindet sich im stabil ausgeprägten Ost-Regime (QBO-O), mit stark negativen Werten an 30 hPa und einer nach unten wandernden Ostphase, die für den Winter 2025/26 noch voll wirksam werden kann.
Wann sind Auswirkungen in der Stratosphäre zu erwarten?
Streng genommen wirkt der QBO bereits jetzt, weil er ein stratosphärisches Phänomen ist. Für uns interessant aber ist: Wann beeinflusst er den Polarwirbel und damit potenziell das Wetter über den mittleren Breiten?
In der Ost-QBO-Phase wird die Struktur der Tropenwinde so verändert, dass planetare Wellen effizienter polwärts/aufwärts in die winterliche Polarstratosphäre geleitet werden. Der Polarwirbel wird im Mittel schwächer und leichter störbar (Holton-Tan-Effekt). Das erklärt die schwachen Stratosphärenwinde (s. Prognose von heute Mittag).
Was sind die Folgen?
Aus den Beobachtungen der letzten Jahre (und wir machen das ja schon seit 2009) sind Major-Warmings in Stratosphärenhöhe in Ost-QBO-Wintern häufiger als in West-QBO-Wintern. Die Wirkung ist am größten im Kernwinter (Dezember–Februar), sobald die Ostphase im Bereich 50 hPa angekommen ist. Die frühe Ostphase ist im Sommer/Herbst 2025 bereits in die untere Stratosphäre abgesunken und der Holton-Tan-Mechanismus ist für diesen Winter scharfgeschaltet
.
Zeitfenster mit erhöhter Major-Warming-Wahrscheinlichkeit ist grob Ende Dezember bis Februar, mit Schwerpunkt eher Mitte/Ende Januar - aber: Das ist ein statistischer und kein deterministischer Trigger. Die interne Dynamik und andere Antriebe (ENSO, MJO, Schneebedeckung, Meereis) entscheiden, ob und wie stark der Wirbel tatsächlich gestört wird.
Uns ist an dieser Stelle erst einmal wichtig zu verstehen, was der Unterschied zwischen einem Major-Warming und einem QBO-Ost ist, denn die QBO ist ein regelmäßiger Windzyklus in der tropischen Stratosphäre - ein Major-Warming ist ein plötzliches Extremereignis, das den Polarwirbel stört und das Wetter beeinflussen kann. Ein QBO fördert dabei das Entstehen von Major-Warmings (nicht andersherum).
Gibt es erste Reaktionen?
Die Reaktionen in den oberen Schichten haben wir bereits erläutert. Für die unteren Schichten gibt es weder in den Kontrollläufen noch in den Vorhersagemodellen Indikatoren für eine Schwächung des Polarwirbels, welche auf den QBO zurückzuführen wären.
Die Langfristprognose
Langfristprognosen sind mit einem hohen Maß an Skepsis zu bewerten und geben nur einen ungefähren Rahmen vor, ob ein Monat zu warm, zu kalt, zu nass oder zu trocken wird. Das CFSv2-Modell liefert seit dem Sommer einen überproportional zu warmen Dezember 2025, welcher aktuell mit einer Abweichung von +2 bis +4 Grad erheblich bis extrem zu warm simuliert wird. Das ist aus Modellsicht über die Monate hinweg eine gute bis sehr gute Leistung. Denn ist aktuell nicht anzunehmen, dass der Dezember noch normal oder gar zu kalt ausfallen wird.
Der Januar und der Februar 2026 werden mit einer Anomalie von +1,5 bis +3,0 Grad ebenfalls zu warm simuliert, was die Hoffnung auf längere, richtig winterliche Phasen dämpft. Aber ja, das Erwartbare ist in der Klimaerhitzung ein zu warmer Winter. Alles andere wäre eine faustdicke Überraschung.
Nach der NASA soll der Winter im Schnitt zwischen +1,5 bis +2,5 Grad gegenüber dem vieljährigen Mittelwert von 1961 und 1990 zu warm ausfallen können. Ähnliche Berechnungen lassen sich vom Langfristmodell des europäischen Wettermodells entnehmen.
Die aktuelle Wetterprognose der Vorhersagemodelle
Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells berechnet heute Abend wieder den Ansatz eines Polarwirbelsplits in der Zeit vor Weihnachten. Deutschland aber liegt inmitten der Hochdruckzone (Blockade Europa), was mit einer Inversionswetterlage Dauerfrost zur Folge haben kann. Immerhin werden die Temperaturen winterlicher, doch ist mit der Hochdruckdominanz kein Schneefall zu erwarten.
Die Prognose der Europäer bleibt nahezu unverändert - kein Winterwetter vor Weihnachten. Schaun mer mal.

