Zum Hauptinhalt springen

Untypische Großwetterlagen - Chancen auf Winterwetter mit viel Schnee

| M. Hoffmann

Ein paar Gedanken zum Herbst und Winter 2025/26. Auffällig ist seit 2018 das gestörte Zirkulationsmuster, welches kaum mehr Westwetterlagen zulässt und entweder zu meridionalen Grundströmungen (Nord-Süd; Süd-Nord) oder seit 2023 vermehrt zu Störimpulsen neigt, welche letztlich eine nachhaltig stabile Wetterentwicklung verhindern. Ein solches Muster hat sich in den vergangenen Tagen über Deutschland aufbauen können und zeigt auf eindrucksvolle Art und Weise, wie schnell das Wetter kippen kann. Was also wäre, wenn sich das Muster bis in den Winter hinein erhält - wäre dann mit Winterwetter und unwetterartigen Schneefällen zu rechnen?

Kaltes Winterwetter mit viel Schnee?
Kaltes Winterwetter mit viel Schnee?

Gleich vorweg - es handelt sich in diesem Beitrag um eine These, welche in Ableitung der Großwetterlagen der letzten 18 Monate entstanden ist. Die Grundvoraussetzungen, warum das Wetter in den vergangenen Monaten so ungewöhnlich war (Dürre, Hitze, Überflutungen, Hochwasser und phasenweise kühles Wetter), sind zum einen die viel zu warmen Meere, der schwächelnde Golfstrom und das zurückweichende arktische Meereisschild. Da diese Grundlagen neu sind, ist auch das Wetter auffällig und überrascht immer wieder mit teils kuriosen Wetterlagen.

Zurückweichen des arktischen Meereisschildes

Es wird wärmer - das ist der kausale Zusammenhang der globalen Klimaerhitzung. Besonders drastisch ist die Erwärmung nördlich des Polarkreises. Das führt dazu, dass die Qualität der Neuausbildung von Eismassen nachlässt. Die Eisdicke verringert sich, während zeitgleich die Fläche des Meereises rückläufig ist und das schon seit Jahrzehnten. In den letzten Jahren beschleunigt sich der Rückgang des Meereises, was unmittelbare Auswirkungen auf das Wetter hat.

Das arktische Meereis geht dramatisch zurück und lag Anfang des Jahres unter dem Rekord von 2012
Das arktische Meereis geht dramatisch zurück und lag Anfang des Jahres unter dem Rekord von 2012 © https://nsidc.org

Zurückgehend arktisches Meereis und die Auswirkungen auf das Wetter

Das Wetter, bzw. dessen Dynamik, hängt maßgeblich von Temperaturgegensätzen ab. Diese sind zum einen in der Luft und zum anderen in Land- und Wassermassen gegeben. Je höher die Gegensätze, desto höher die Dynamik. Früher war das arktische Meereis nicht nur dicker, sondern reichte dessen Fläche weiter nach Süden. Die Temperaturgegensätze spielten sich auf dem Atlantik - zwischen Neufundland, Island, England und Mitteleuropa ab. Infolge daraus ergab sich über Jahrzehnte hinweg die dominierend zonal geführte Westwetterlage. Abwechslungsreiches Wetter bei dem der Winter noch Winter sein durfte. Mildwinter und Kaltwinter wechselten sich alle 2 bis 3 Jahre in schöner Regelmäßigkeit ab und die Ausbildung einer Schneedecke konnte oberhalb etwa 800 Meter nahezu garantiert werden.

Das hat sich in den vergangenen 30 Jahren auf dramatische Art und Weise verändert. Der Grund ist der nach Norden verschobene Temperaturgegensatz, welcher die Hochdruckzone weiter nach Norden vordringen lässt und die Tiefdruckaktivität mehr zwischen Neufundland, Island, dem europäischen Nordmeer verkehren lässt. Infolge daraus stellt sich im Winter seltener eine Westwetterlage mit abkippender Nordströmung ein, stattdessen dominiert eine südwestliche Anströmung der Luftmassen, die Phasenweise auch auf südliche Richtungen kippt und Nordwetterlagen zu einem vorüberziehenden Spektakel verkommen lassen. Kurzum - in tieferen Lagen ist der Winter nahezu komplett verschwunden, über mittleren Lagen selten und selbst über höheren Lagen lässt sich nichts mehr garantieren.

Deutlich erkennbare veränderte Dynamik und Struktur der Großwetterlagen
Deutlich erkennbare veränderte Dynamik und Struktur der Großwetterlagen © noaa.gov

Das vermehrte Auftreten von Störimpulsen

Zuerst weicht das arktische Meereis zurück, die Hochdruckzone zieht nach und nachfolgend steigen die Temperaturen, was auch die Meere wärmer werden lässt. Warmes Wasser ist ein Speicheraggregat und die Meere können sehr gut warmes Wasser speichern, aber eben nicht unbegrenzt. Das hat in den vergangenen Jahrzehnten dazu geführt, dass die Klimaerhitzung gedämpft wurde - ist das Maximum der Speicherkapazität aber erreicht, schlägt das plötzlich in eine andere Richtung um, was sich seit 2018 verstärkt beobachten lässt.

Zu warme Meere lassen Wasser schneller verdunsten, was die Feuchtigkeit erhöht und seit 2023 zu einem neuen Phänomen führt. Die Großwetterlagen sind zwar hochdruckdominiert, jedoch nisten sich immer wieder Störungen in dieses Hoch ein und wabern in Form von Störimpulsen umher. Das geschieht teils mit einem quasistationärem Verhalten, was nach einer Dürrephase unwetterartige Regenmengen zur Folge hatte. Erschwerend kommt der AMOC (Atlantic Meridional Overturning Circulation) - also der Golfstrom - hinzu, dessen Aktivität zwischenzeitlich messbar abnimmt. Das führt dazu, dass die Strömungsqualität auf dem Atlantik abnimmt und das warme Wasser regelrecht an der Oberfläche aufläuft. Wir haben diese Entwicklung einmal gegenübergestellt.

Anomalie der Meerestemperatur September von 1995 bis 2025 im Vergleich
Anomalie der Meerestemperatur September von 1995 bis 2025 im Vergleich © https://climatereanalyzer.org

Viel Regen, viel Schnee und turbulentes Winterwetter?

Abwarten - wie immer. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Winter ein milder bis supermilder Winter wird, ist erneut hoch. Schaut man sich die obenstehenden Karten der Meerestemperaturen noch einmal genauer an, so erkennt man das viel zu warme Mittelmeer und auch das europäische Nordmeer und die Barentssee sind erheblich bis extrem zu warm.

Das führt zu unserer These. Wenn der Winter kommt, dann aus Ost oder Nord. Nordwestwetterlagen bringen im Gegensatz zu früher kein Winterwetter mehr (außer in den Alpen), vielmehr endet das meist in einem nasskalten Szenario. Jetzt ist es aber so, dass mit dem sich von September bis Dezember weiter intensivierenden Polarwirbel die Temperaturgegensätze weit nach Norden verschoben haben und zwischen dem europäischen Nordmeer, der Barents- und Karasee die Wetterdynamik auslösen.

Winter kommt von Norden

Damit sollte sich das Zentrum des Polarwirbels weg von Kanada und Grönland hin zu Skandinavien verlagern können. Das wiederum nötigt das Hoch dazu, sich auf dem Atlantik als Blockadehoch aufzubauen und so eine Reaktivierung der Frontalzone verhindert (kaum Westwetterlagen im Winter). Häufiger können im Winter Trogwetterlagen entstehen, welche - zumindest Phasenweise - so etwas wie Winterwetter zulassen. Drückt sich zudem so ein Trog durch und wird anschließend durch ein Hoch abgekapselt, so wabert dieser in einem quasistationärem Zustand als Kaltlufttropfen (Störimpuls) umher und kann ab den mittleren Lagen zu unwetterartigem Schneefall führen.

Nicht falsch verstehen - es handelt sich um eine These, die eintreten kann, oder auch nicht. Es ist eine Fortführung von Parametern, die es bislang so noch nicht gegeben hat und kuriose Wetterentwicklungen zum Vorschein bringen kann, die es ebenfalls so noch nicht gegeben hat. Schaun mer mal, was daraus wird.

Regenradar
Regenradar Deutschland
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)