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Sommerprognose: Der NAO-Index lässt den Sommer kippen

| M. Hoffmann

Der Sommer dümpelt derzeit vor sich hin, und viele Freunde des Sommerwetters warten seit Tagen vergeblich auf eine nachhaltig stabile Wetterlage. Viel Zeit bleibt dem Hochsommer nicht mehr, und der Fokus richtet sich nun auf den August – was sagen die Prognose-Modelle, und welchen Wettertrend zeichnen die Langfristmodelle für den Rest des Sommers ab?

Es tut sich was im Hinblick auf den Sommer © Martin Bloch
Es tut sich was im Hinblick auf den Sommer © Martin Bloch

Der Sommer verlief bislang alles andere als stabil. So entsteht bei manchem der subjektive Eindruck eines regnerischen und kühlen Sommers. Objektiv betrachtet liegt die Temperatur jedoch aktuell um +2,3 Grad über dem vieljährigen Mittelwert von 1961 bis 1990 (91/20: +1,0 Grad). Das Niederschlagssoll wurde zu rund 70 Prozent erfüllt, wobei es regional deutliche Unterschiede gibt: Über Brandenburg und Berlin wurden mit 98 Prozent die Sollwerte nahezu erreicht, während über Nordrhein-Westfalen mit 55,7 Prozent noch deutlicher Nachholbedarf besteht. Somit präsentiert sich der Sommer – vorerst – als zu warm und hinsichtlich des Niederschlags zweigeteilt.

Der August wird entscheidend sein

Kann sich im August eine Hochdruckzone mit sommerlichen Temperaturen und nur wenig Niederschlag durchsetzen, wäre der Sommer unter dem Strich deutlich bis erheblich zu warm und zusätzlich zu trocken. Dennoch können die kommenden Tage noch einige Regenmengen bringen – über dem Norden teils unwetterartig ausfallend. Aber ja, das ist und bleibt der Sommer 2025: Hitze, Dürre, sowie Unwetter und kühlere Phasen liegen dicht beieinander. Daran hat sich seit Prognose aus dem Februar nichts geändert. Immerhin konnte sich der Oberboden von der Dürre im Frühling und Juni mancherorts erholen, während der Gesamtboden – insbesondere über der Südhälfte – weiterhin kritisch bewertet werden muss.

Die Dürre aus dem Frühling und Juni konnte durch den Regen der letzten Tage abgemildert werden
Die Dürre aus dem Frühling und Juni konnte durch den Regen der letzten Tage abgemildert werden © www.ufz.de

Der Sommer 2025 ist überdurchschnittlich

Bevor wir betrachten, wozu der Sommer 2025 noch fähig sein könnte, bewerten wir zunächst seine bisherige Qualität bis zum 31. Juli. Mit einem Mittelwert von +18,42 Grad belegt er momentan Platz 8 in den Top 10, die ab +18,35 Grad beginnen. Die Anzahl der Sommertage (Temperaturen ≥ +25 Grad) liegt bei 23 Tagen, der vieljährige Durchschnitt bei 22,8 Tagen. Damit hat der Sommer seinen Mittelwert an Sommertagen bereits überschritten. Die Zahl der Hochsommertage (≥ +30 Grad) beträgt 6,8 Tage, womit das Soll von 4 Tagen nach dem vieljährigen Mittelwert ebenfalls übertroffen wurde. Mit hoher bis sehr hoher Wahrscheinlichkeit wird der Sommer 2025 zu warm ausfallen und als 31. zu warmer Sommer in Folge in die Wettergeschichte eingehen. Das ist bemerkenswert.

Was ist vom Sommer 2025 noch zu erwarten?

Die Frage lautet: Bekommt der Sommer im August noch eine stabile Wetterphase, die über sieben oder vierzehn Tage Bestand hat? Dafür wäre eine Hochdruckzone erforderlich, die sich entweder über Skandinavien oder Mitteleuropa ausdehnt. Derzeit gibt es einige interessante Ansätze, die auf eine solche Entwicklung hinweisen.

Aber ja, eine Hochdruckzone zwischen Mittelmeerregion, Mitteleuropa und Skandinavien klingt vielversprechend. Doch ohne die flankierenden Hochdrucksysteme über dem Atlantik und Osteuropa verliert dieses Konstrukt an Stabilität. Warum? Ganz einfach: Die Hochdruckbrücke bleibt anfällig für Störimpulse. Im ungünstigsten Fall tritt das ein, was seit Mitte Juli mehrfach geschah – Störimpulse erreichen Deutschland und trüben den Himmel ein, was für einen wechselhaften Wettercharakter sorgt. Einige Vorhersagemodelle berechnen für die ersten Augusttage sogar unwetterartige Wetterereignisse.

Zwischen stabilem Hochsommerwetter und einer frühherbstlichen Witterung
Wetterprognose nach ausgesuchten Kontrollläufen: Zwischen stabilem Hochsommerwetter und einer frühherbstlichen Witterung © www.meteociel.fr

Trend zu trockenem und warmem Augustwetter

Die möglichen Varianten sind in den obenstehenden Wetterkarten klar zu erkennen. Sowohl die Vorhersagemodelle als auch die Kontrollläufe favorisieren im Moment für den August eine südwestlich ausgerichtete Grundströmung.

Erfahrungsgemäß bringt eine Südwestwetterlage zunächst weitere Schauer und Gewitter mit sich, kippt jedoch allmählich in eine hochdruckdominierte Wetterlage, die bis in den September hinein stabile Bedingungen begünstigen kann. Das ist nichts Ungewöhnliches und entspricht dem typischen Verlauf des Sommers im August, besonders dann, wenn die vorangegangene Witterung eher durchwachsen war. Also ja, der August startet mit hoher Wahrscheinlichkeit zu kühl und wechselhaft, bevor er sich zwischen dem 6. und 7. August allmählich stabilisiert. Gelingt dies nicht, bleibt die Erhaltungsneigung bestehen und die Siebenschläferregel (wir erinnern uns: wechselhaftes Wetter mit einem Auf und Ab der Temperaturen) greift voll.

Der Mittelwert aller Kontrollläufe - sowohl der Amerikaner als auch der Europäer zeigt ein ähnliches Bild und favorisiert klar eine hochdruckdominierte Wetterlage, bei einem insgesamt für die Jahreszeit zu warmem Wettercharakter.

Die Grundkonstellation ändert sich mit einem positiven NAO-Index
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Die Grundkonstellation ändert sich mit einem positiven NAO-Index © www.meteociel.fr

Positiver NAO-Index lässt den Sommer kippen

Noch vor wenigen Tagen war der NAO-Index – also das Verhältnis zwischen Azorenhoch und Islandtief – negativ. Inzwischen zeigt er sich leicht positiv, steigt bis zum 3. August deutlich an und bleibt bis zum 12. August voraussichtlich leicht positiv. Betrachtet man den Mittelwert aller Kontrollläufe der Prognose-Modelle, zeichnet sich eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für den Aufbau einer Hochdruckzone über Mitteleuropa ab. Ob diese jedoch stabil bleibt, ist weiterhin offen.

Wie wird der Sommer 2025? Der Sommertrend nach den Langfristmodellen

Langfristprognosen sind stets mit einem gesunden Maß an Skepsis zu betrachten, zeigen aber das mögliche Potenzial des Wettertrends. Stimmen sie mit den Mittelfristprognosen überein, erhöht sich die Eintreffwahrscheinlichkeit deutlich. Für August berechnen die Modelle ein zu warmes und leicht wechselhaftes Wetterbild, das sich ab der zweiten Dekade stabilisieren kann. Hochsommerliche Phasen sind dann nicht mehr auszuschließen.

Das CFS v2 Modell – Ein zu warmer und trockener August

Die Langfristprognose des CFSv2-Modells weist für August eine Temperaturanomalie von +0,5 bis +1,5 Grad gegenüber dem vieljährigen Mittelwert von 1961 bis 1990 aus (91/20: -0,9 bis +0,1 Grad). Bei den Niederschlägen wird Norwegen zu nass, Südnorwegen dagegen zu trocken berechnet. Für Schweden und Finnland werden normale bis leicht trockene Bedingungen erwartet. Der restliche Teil Europas wird mehrheitlich zu trocken simuliert. Eine ausgeprägte Hochdruckzone dürfte dabei eine größere Rolle spielen.

Die NASA prognostiziert für August eine Temperaturabweichung von +1,0 bis +2,0 Grad und im Trend bis zu +2,5 Grad (91/20: -0,4 bis +1,1 Grad). Die Niederschlagsentwicklung liegt leicht über dem vieljährigen Sollwert und wird damit tendenziell zu nass berechnet.

Die Wetterprognose der Europäer simuliert den August mit einer Abweichung von +1,5 bis +2,5 Grad und im Trend bis zu +3,0 Grad deutlich zu warm (91/20: +0,1 bis +1,6 Grad). Bei den Niederschlägen wird ein deutlicher Mangel prognostiziert.

Auf den Punkt gebracht: zu warm und durchwachsen

Der Sommer 2025 wurde von Beginn an als zu warm und durchwachsen berechnet. Die mögliche Dürre vollzog sich im Juni, da bereits der Frühling extrem zu trocken war. Andernfalls hätte eine Dürre keine Rolle gespielt. Und ja, das durchwachsene Wetter hält sich voraussichtlich bis zum 6. August, ehe sich mit erhöhter Wahrscheinlichkeit ein stabiles Hochdrucksystem aufbaut. Schaun mer mal.

Nachfolgend einmal die Übersicht der möglichen Temperatur- und Niederschlagsanomalien bis Anfang September nach dem europäischen Wettermodell. Ist sicherlich für den einen oder anderen im Hinblick auf den Sommerurlaub interessant.

Die möglichen Temperaturanomalien bis September
Die möglichen Temperaturanomalien bis September © ecmwf.int
Die möglichen Niederschlagsanomalien bis September
Die möglichen Niederschlagsanomalien bis September © ecmwf.int
Regenradar
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© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)